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Unterwegs mit den Rehkitzrettern und ihren Helfern aus der Luft

Jedes Jahr sterben in der Schweiz rund 3000 Rehkitze durch Mähmaschinen. Nun gibt es Rettung aus der Luft: Ausserrhoder Jäger und Landwirte haben Drohnen getestet, mit denen die gefährdeten Jungtiere im hohen Gras aufgespürt werden.
Ausserrhoder Jäger und Landwirte gehen neue Wege in der Rehkitzrettung: Drohnenpilot Ueli Sager lässt seinen Multikopter über eine Wiese in Rehetobel fliegen. Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken, sollen dank der Wärmebildkamera vor dem Mähen aufgespürt werden. (Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Ausserrhoder Jäger und Landwirte gehen neue Wege in der Rehkitzrettung: Drohnenpilot Ueli Sager lässt seinen Multikopter über eine Wiese in Rehetobel fliegen. Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken, sollen dank der Wärmebildkamera vor dem Mähen aufgespürt werden. (Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

(sda)

Es ist halb sechs Uhr in der Früh: Ortstermin ist bei einem Bauernbetrieb in Rehetobel. "Landwirte und Jäger unternehmen viel, um die Rehkitze davor zu bewahren, dass sie beim Mähen getötet werden", sagt Heinz Nigg, Oberförster und Jagdverwalter von Appenzell Ausserrhoden.

Die Vögel zwitschern, in der Ferne ist von Geläut der Kuhglocken zu hören. Das Gras steht hoch, es ist Zeit zum Heuen. Vor dem Mähen lässt der Bauer seine Wiesen nach Rehkitzen und anderen Wildtieren abzusuchen.

Kitze von Auge kaum erkennbar

"Die frisch gesetzten Kitze sind von Auge kaum zu erkennen", sagt Jäger Mirko Calderara, der für den Ausserrhoder Patentjägerverein als Rehkitzretter unterwegs ist. Im vergangenen Jahr waren Ausserrhoder Jäger rund 250 Stunden für die Kitzrettung im Einsatz.

Trotzdem geraten immer wieder Jungtiere in die Mähmaschinen. 2015 wurden in Appenzell Ausserrhoden 14 tote Tiere gezählt, im Kanton St. Gallen waren es sogar 86 vermähte Kitze. Es gebe eine hohe Dunkelziffer, sagen die Jäger.

Die Gefahr sei akut, weil den Rehkitzen in den ersten Lebenswochen ein Eigengeruch fehlte und sie auch bei Gefahr, gut getarnt durch ihr Fleckenfell, regungslos im Gras verharren. "Sie lassen sich weder durch Menschen, Hunde, noch Geräusche von Mähmaschinen aufscheuchen", sagt Calderara.

Schnelle und zuverlässige Methode

Jetzt kommt die neue Technik den Jägern zu Hilfe: Drohnen mit Wärmebildkameras können die Kitze sicher und schnell aufspüren. Drohnenpilot Ueli Sager hat bereits mehrere erfolgreiche Testflüge in Appenzell Ausserrhoden durchgeführt.

"In diesem Jahr hat die Mähsaison gerade erst begonnen", sagt Ernst Graf, Präsident des Ausserrhoder Bauernverbands. Das Absuchen der Felder mit Drohnen sei die schnellste und zuverlässigste Methode.

Vergangene Woche hätten zwei Kitze mit der fliegenden Wärmebildkamera gefunden werden können. Ein Kitz sass nur zehn Meter neben der Verblendung. Damit die Rehgeiss ihren Nachwuchs nicht auf den Wiesen ablegt, werden vor dem Mähen weisse Tücher auf Stangen aufgestellt, um die Tiere zu verscheuchen.

Tödliche Vergiftungen vermeiden

"Mit der Drohne brauche ich rund 20 Minuten, um die sechs bis sieben Hektaren abzusuchen", sagt Sager. Nach dem Montieren der Wärmebildkamera lässt er seinen Multikopter in den Himmel steigen. Dieser bewegt sich mit leisem Surren rund 40 Meter über der Wiese.

Sobald ein roter Punkt auf dem Display sichtbar wird, ortet der Drohnenpilot das Lebewesen und lotst die Jäger in das Gebiet. Einmal treffen die Retter auf einen schlafenden Feldhasen, ein anderes Mal ist es eine streunende Katze, die durch das hohe Gras streift.

Ein Rehkitz finden die Ausserrhoder Jäger an diesem Morgen keines. "Das ist auch ein Erfolg", sagt Calderara. Der Bauer könne nun getrost mähen. Dieselbe Fläche zu Fuss abzusuchen, sei fast unmöglich und sehr zeitraubend.

Für 2019 wird eine praxistaugliche Lösung mit den Drohnen angestrebt. Drohnenflüge von spezialisierten Unternehmen kosten zwischen 150 und 200 Franken pro Parzelle.

Neben dem Schutz der Jungtiere gebe es auch noch einen weiteren wichtigen Grund dafür, möglichst keine Rehe zu vermähen, erklärt Ernst Graf. Wenn ein verwesendes Tier ins Futter der Kühe oder Rinder gerate, könne dies zu tödlichen Vergiftungen führen.

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