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Unwetter in Schweiz und Frankreich fordern zwei Todesopfer

Ein schweres Unwetter im Osten Frankreichs und in der Schweiz hat am Samstag zwei Menschenleben gefordert. Zwei Festivals wurden vorsorglich evakuiert. In neun Stunden gab es fast 25'000 Blitzeinschläge.
Aufräumen nach dem Gewittersturm vom Samstag in Corcelles-sur-Chavornay VD. (Bild: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)Aufräumen nach dem Gewittersturm vom Samstag in Corcelles-sur-Chavornay VD. (Bild: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
«Baumpflege» nach dem Gewittersturm vom Samstagnachmittag in Genf. (Bild: KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI)«Baumpflege» nach dem Gewittersturm vom Samstagnachmittag in Genf. (Bild: KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI)
Die Feuerwehr in Genf hatte nach dem Unwetter vom Samstag alle Hände voll zu tun. (Bild: KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI)Die Feuerwehr in Genf hatte nach dem Unwetter vom Samstag alle Hände voll zu tun. (Bild: KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI)
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Unwetter mit 25'000 Blitzeinschlägen fordert zwei Tote

(sda)

Der Sturm fegte vom Genfersee durchs Mittelland, über die Zentral- und Ostschweiz bis zum Bodensee, teilweise mit mehr als 110 Kilometern pro Stunde (km/h), wie Meteoschweiz mitteilte.

Auf dem Genfersee vor Vésenaz GE sank laut Angaben der Polizei wegen des Sturms am späten Nachmittag ein Ausflugsboot. Eine Touristin starb. Ein Mann rettete sich mit einem Sprung ins Wasser und schwamm zum nahen Hafen, wo er auf einem anderen Boot ein Notsignal zünden konnte, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

In Genf hatte die Feuerwehr nach eigenen Angaben alle Hände voll zu tun, Bäume wegzuräumen, die auf Autodächer gestürzt waren oder überflutete Keller zu leeren. Bei der Polizei gingen hunderte Anrufe ein. Die Feuerwehr leistete laut ihrem Kommandanten über 500 Einsätze.

Auch am Sonntag gingen die Aufräumarbeiten weiter und es gingen weitere Anrufe ein. Bis zu 300 Mitglieder der Wehrdienste waren im Einsatz. Das Genfer Kunstmuseum Musée d'art et d'histore blieb am Sonntag nach einem Wassereinbruch geschlossen. An den Exponaten seien keine Schäden entstanden, teilte das Museum mit. Es seien aber Massnahmen nötig, um die Sicherheit der Werke zu gewährleisten.

Deutsche Urlauberin von Baum erschlagen

Das zweite Todesopfer war auf einem Campingplatz der französischen Stadt Taninges zu beklagen. Eine 51-jährige deutsche Urlauberin wurde während eines Sturms in ihrem Wohnwagen von einem Baum erschlagen. Taninges liegt wenige Kilometer südlich des Genfer Sees.

Im Kanton Waadt (ohne die Stadt Lausanne) gingen rund 700 Anrufe ein, die zu 350 Einsätzen der Wehrdienste führten, wie bei der Kantonspolizei auf Anfrage zu erfahren war. In Lausanne mussten die Einsatzkräfte über 30 Mal ausrücken.

Zwischen 17 und 23 Uhr gingen bei den Einsatzzentralen der Kantonspolizei Bern über 70 Meldungen ein, dies vor allem aus dem Seeland und dem Berner Oberland. Meistens handelte es sich um Wassereinbrüche in Keller. In Spiez hagelte es am frühen Samstagabend grössere Körner, das Gelände des Musikfestivals Greenfield in Interlaken wurde vorsorglich evakuiert, zwei Konzerte wurden abgesagt.

Show-Anlass am Turnfest abgesagt

Am Eidgenössischen Turnfest in Aarau musste am Samstagabend ein Show-Anlass aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Im Kanton Aargau gingen laut Kantonspolizei innerhalb von vier Stunden rund 25 Meldungen zu überfluteten Kellern und umgestürzten Bäumen ein.

In Frauenfeld TG wurde das Gelände des Stadtfestes wegen des Sturms vorsorglich geräumt. Mehrere Bäume ausserhalb des Festivalgeländes stürzten um. Verletzt wurde niemand. Auch die Zurich Pride wurde vorübergehend in Mitleidenschaft gezogen. Das Programm an der Stadthausanlage wurde unterbrochen.

Auch westlich der Romandie, in der Region um die Gemeinde Romans-sur-Isère südlich von Lyon wütete ein heftiger Hagelsturm. Der französische Landwirtschaftsminister Didier Guillaume kündigte am Sonntag im Fernsehsender BFMTV an, für die betroffenen Regionen werde Katastrophenalarm ausgerufen. Im Département Drôme waren Felder vom Hagel zerstört worden. Laut Guillaume sind in den betroffenen Gebieten 80 bis 100 Prozent der Ernten vernichtet.

Windspitzen von über 120 km/h

Am meisten stürmte es am östlichen Ufer des Genfersees mit 110 km/h in Le Bouveret (VS) und 103 km/h in Vevey (VD). Im Oberwallis bei Visp wurde laut dem Wetterdienst Meteonews mit 107 km/h ebenfalls die 100-km/h-Marke übertroffen. Auf dem Bantiger bei Bern erreichte die stärkste Böe 113 km/h. Auf den Bergen kam es zu Windgeschwindigkeiten bis 122 km/h.

Die Regenmengen lagen weitherum bei 20 bis 35 Litern pro Quadratmeter, in Cossonay VD gingen innert zwei Stunden rund 50 Liter nieder. Laut Angaben von SRF Meteo wurden in der ganzen Schweiz zwischen 15 Uhr und Mitternacht 24'800 Blitzeinschläge registriert.

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