Wachstumskurve der Übergewichtigen in der Bevölkerung flacht ab

Übergewicht ist ein Milliardengeschäft, auf Schritt und Klick begegnen wir Abnehmtipps und Diätprodukten. Dennoch geht der Anteil der Übergewichtigen in der Bevölkerung kaum zurück. Immerhin hat er sich in der Schweiz stabilisiert, wie die neueste Erhebung zeigt.

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Schweizer sind nicht dick, ihre Schönheit benötigt einfach etwas mehr Platz. Bei 41 Prozent der Bevölkerung liegt dieser Platzbedarf über der Norm - und trotz Diätboom ist dieser Anteil in den letzten Jahren überhaupt nicht zurückgegangen.

Schweizer sind nicht dick, ihre Schönheit benötigt einfach etwas mehr Platz. Bei 41 Prozent der Bevölkerung liegt dieser Platzbedarf über der Norm - und trotz Diätboom ist dieser Anteil in den letzten Jahren überhaupt nicht zurückgegangen.

Keystone/STEFFEN SCHMIDT
(sda)

31 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz sind übergewichtig, elf Prozent adipös. Das geht aus der jüngsten Gesundheitsbefragung (SGB) hervor, die 2017 erhoben wurde und jetzt ausgewertet vorliegt. Die SGB wird seit 1992 alle fünf Jahre durchgeführt. Seit damals hat sich der Anteil der Adipösen (Body Mass Index von über 30 bei einem Durchschnitt von 18,5-24,9) verdoppelt, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte.

«Übergewicht hat sich damit zu einer eigentlichen Volkskrankheit entwickelt», schreibt das BFS. Das «zunehmende» Alter ist dabei wörtlich zu nehmen: je älter, desto schwerer, die 65- bis 74-Jährigen bringen am meisten auf die Waage. Bei den Männern ist bereits ab 35 Jahren die Hälfte übergewichtig oder adipös, während «nur» etwa ein Drittel der Frauen zu viel auf den Rippen hat.

Bei Frauen ist das Gewicht offenbar stark mit dem Lifestyle - und insofern auch mit der sozialen Schicht und dem Bildungsniveau - verbunden. Ungebildete Frauen haben ein 3,5-mal höheres Risiko, adipös, und ein 1,9-mal höheres Risiko, übergewichtig zu werden im Vergleich zu Frauen mit Tertiärbildung (Hochschule und Fachhochschule).

Die Sprachregion fällt beim Gewicht kaum ins Gewicht. In der Romandie ist zwar der Prozentsatz an Übergewichtigen etwas geringer als in der Deutsch- und der Südschweiz - 29,7 gegenüber 30,9 - dafür sind die ganz Dicken in der Westschweiz etwas zahlreicher - 11,6 Prozent Adipöse gegenüber 11,2 in der Deutschschweiz und 10,6 im Tessin.

Erst zulegen, dann sich damit abfinden

Die stärksten Wachstumsraten wurden 1992 bis 2002 verzeichnet. Daran schloss sich eine Phase an, in der Übergewichtige sich mit ihrem Körper anzufreunden begannen: Zwischen 2007 und 2017 ist gemäss Befragung der Anteil Personen, die mit ihrem Gewicht zufrieden sind, bei den Übergewichtigen von 48 auf 64 Prozent und bei den Adipösen von 27 auf 35 Prozent gestiegen.

1992 waren 69,6 Prozent der Bevölkerung Normal- oder Untergewichtig. Danach nahm dieses Körpersegment im 5-Jahresschritt ab auf 65 - 62,8 - 62,5 - 58,9 - 58,1 Prozent. Analog stieg der Prozentsatz an Molligen bis Dicken seit 1992 auf 35 - 37,2 - 37,5 - 41,1 und 41,9 Prozent.

Physische und Psychische Belastung

Dicksein ist eine Belastung im vollfetten Wortsinn. Personen mit starkem Übergewicht weisen gegenüber Normalgewichtigen häufiger Bluthochdruck (39 gegenüber 10 Prozent), einen zu hohen Cholesterinspiegel (22 gegenüber 9 Prozent) und Diabetes (12 gegenüber 2 Prozent) auf. Sie leiden zudem auch häufiger unter Arthrose oder Arthritis (25 gegenüber 11 Prozent) sowie chronischer Bronchitis (7 gegenüber 2 Prozent).

Auch aufs Gemüt schlägt das Gewicht. Adipöse Personen weisen öfters depressive Symptome (12 gegenüber 8 Prozent) und psychische Belastungen (19 gegenüber 15 Prozent) auf als Normalgewichtige. Und die Gesellschaft kennt auch nicht viel Gnade gegenüber Fetten: Schwergewichte können nachweislich auf eine geringere soziale Unterstützung zählen als Schlanke (14 gegenüber 8 Prozent).