Wallis zahlt nicht für Suchaktion nach Unwetter in Chamoson

Der Kanton Wallis beteiligt sich nicht an den Kosten im Zusammenhang mit dem Überschwemmungsdrama von Chamoson VS mit zwei Toten im vergangenen Sommer. Der Grosse Rat hat am Mittwoch ein entsprechendes Postulat aus Reihen der SVP knapp abgelehnt.

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Eine gewaltige Schlammlawine wälzte sich am 12. August 2019 bei Chamoson ins Tal.
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Wrack eines Fahrzeugs im Fluss Losentse bei Chamoson.

Eine gewaltige Schlammlawine wälzte sich am 12. August 2019 bei Chamoson ins Tal.

Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
(sda)

Am 11. August 2019 trat nach Gewittern in den Bergen der Fluss Losentse bei Chamoson im Unterwallis über die Ufer. Ein 37-jähriger Genfer und ein 6-jähriges französisches Mädchen wurden in einem Auto von den Fluten mitgerissen und gelten seither als vermisst. Die Mutter des Mädchens und deren Freundin mussten die Tragödie mitansehen. Sie kamen mit dem Leben davon.

Die Opfer wurden bislang weder gefunden, noch von den Behörden offiziell als tot erklärt. Zwei Monate nach dem Drama entdeckten Einsatzkräfte das Wrack des Autos, in dem die beiden gesessen hatten, bei Leytron VS in der Rhone.

Die Staatsanwaltschaft hat den Fall noch nicht abgeschlossen. «Die Suche wird punktuell weitergeführt, je nach der Menge des fliessenden Wassers», sagte der Gemeindepräsident von Chamoson, Claude Crittin, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Versicherung deckt nur Teil

Diese besondere Situation veranlasste Grégory Logean (SVP) und seinen Parteikollegen Flavien Sauthier, ein Postulat vor dem Grossen Rat einzureichen. Die Abgeordneten wollten damit verhindern, dass die Familien Rechnungen im Zusammenhang mit dieser Tragödie erhalten, weil die Unfallversicherung nicht den gesamten Betrag abdeckt.

«Im Falle von Naturkatastrophen sollten die trauernden Angehörigen nicht zusätzlich mit den Kosten für die Suche nach den Opfern belastet werden. Es wäre auch nicht fair, den Betrag der betroffenen Gemeinde zu überlassen», sagte Logean vor dem Grossen Rat.

Fonds für Suchaktionen

Das Begehren der SVP zielte auch darauf ab, die kantonale Gesetzgebung zu ändern und die Schaffung eines Fonds zur Finanzierung solcher Suchaktionen im Falle einer Naturkatastrophe zu prüfen.

Sandra Cretton (CVP) vertrat die Ansicht, dass die öffentliche Hand nicht dazu da sei, in solchen Fällen die Versicherung zu ergänzen. Die Grünen kämpften gegen das Postulat, weil es ihrer Meinung nach nicht in der Kompetenz des Grossen Rats liege, Entscheide zum Drama von Chamoson zu fällen. Das Kantonsparlament entschied sich schliesslich für die Ablehnung des Postulats (61 Nein, 54 Ja und 5 Enthaltungen).

Entscheid hängig

Welche Kosten den Angehörigen schliesslich verrechnet werden, ist noch unklar. Nach dem Unwetter wurden Spendenaktionen für die Familien der beiden Vermissten gestartet. Wie viel Geld zusammenkam, ist nicht bekannt.

Ob die Gemeinde Chamoson einen Teil der Kosten übernimmt, ist ebenfalls offen. Der Gemeinderat wird sich in Kürze mit diesem Thema befassen. «Der Entscheid wird in Zusammenhang mit dem Abschluss der Gesamtkosten für die Sanierung der Wildbäche und den laufenden Sicherheitsmassnahmen getroffen», sagte der Gemeindepräsident auf Anfrage.