Weniger Lohn, kein Bonus und vereinzelte Kündigungen: Titlisbahnen müssen auf Coronakrise reagieren

Der markante Besucherrückgang und das Ausbleiben einer Normalisierung im internationalen Tourismusgeschäft zwingt die Titlisbahnen zur Reaktion. Mit verschiedenen Massnahmen sollen die Kosten gesenkt werden.

Philipp Unterschütz
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Es waren schon mehr: Wanderer und Spaziergänger bei der Talstation der Gondelbahn von Engelberg nach Trübsee und Titlis.

Es waren schon mehr: Wanderer und Spaziergänger bei der Talstation der Gondelbahn von Engelberg nach Trübsee und Titlis.

Bild: Keystone/Urs Flüeler

Zwar stehe man finanziell auf soliden Füssen, weil in den letzten Jahren ausgezeichnete Ergebnisse erzielt werden konnten, schrieben die Titlisbahnen am Donnerstag in einer Mitteilung. Man habe die Ertragskraft stärken und die Verschuldung vollständig abbauen können. Nicht zuletzt hätten Reserven wie Bauland, Wohnungen, strategische Positionen und das ausführungsreif ausgearbeitete Projekt «Titlis 3020» dazu beigetragen.

Dennoch sieht sich das Unternehmen nun gezwungen, sich den neuen Realitäten anzupassen. Seit der Wiedereröffnung verzeichnet die Bahn einen markanten Besucherrückgang. Das Umsatzniveau bewegt sich im Bereich von 20 bis 30 Prozent verglichen mit den Vorjahren. Man glaube nicht an eine schnelle Normalisierung des internationalen Tourismusgeschäfts, heisst es in der Mitteilung. Konkret bedeutet das weitere Kostensenkungen, die vor allem das Personal betreffen.

«Aktuell haben wir Personal für total 230 Vollzeitstellen auf der Payroll», erklärt CEO Norbert Patt auf Anfrage. «Arbeit hätten wir für rund 150 Vollzeitstellen. Wir versuchen, die Ausfallzeit möglichst gerecht auf alle Köpfe zu verteilen, wobei das je nach Arbeitsbereich nicht einfach ist.» So arbeiten die meisten Mitarbeiter in einem reduzierten Pensum, die Kurzarbeit wird bis Ende November 2020 weitergeführt. Nun hat der Verwaltungsrat beschlossen, dass ab September die Differenz der Kurzarbeitsentschädigung zum Lohn nicht mehr ausgeglichen und den Mitarbeitenden für das Geschäftsjahr 2019/20 kein Bonus ausgerichtet wird. Laut Norbert Patt wurde in «normalen» Jahren, abhängig vom Erfolg, rund eine Million Franken an Boni an die Mitarbeiter ausbezahlt.

Es gibt keine Massenentlassungen

In der Mitteilung heisst es weiter, dass man von Massenentlassungen absehen könne. «Das Arbeitsaufkommen ist zwar noch sehr gering, aber wir rechnen mit einer fast normalen Wintersaison und damit auch mit einem grösseren Personalbedarf», ist Patt zuversichtlich. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass es im Herbst zu einzelnen Kündigungen komme. «Das dürfte vielleicht 10 bis maximal 25 Personen aus den verschiedensten Abteilungen betreffen», so der CEO weiter.

Norbert Patt ist überzeugt, dass die Wintersaison mit fast normalen Frequenzen verlaufen werde, allerdings wisse man nicht, ob es plötzlich noch weitere Einschränkungen wegen Corona gebe. «Wir gehen davon aus, dass das Bedürfnis nach Wintersport gross sein wird, und dazu kommt wohl auch noch ein Kompensationsbedürfnis der Leute.» Man sei daran, ein Schutzkonzept zu entwickeln, das sich an den öffentlichen Verkehr anlehne. In den Restaurants gelten die Schutzkonzepte der Gastronomie. «Diese bedeuten aber, dass wir nur 60 Prozent der üblichen Kapazität in der Restauration anbieten können», so Norbert Patt weiter.

Auch Verwaltungsrat und Geschäftsleitung verzichten auf Lohnanteil

Als Zeichen der Solidarität hat sich auch der Verwaltungsrat entschieden, freiwillig auf 30 Prozent der gesamten Vergütung für die Periode von der GV 2020 bis zur GV 2021 zu verzichten. Diese Vergütung beträgt total 400'000 Franken, der Verwaltungsrat verzichtet also auf rund 130'000 Franken. Doch auch Norbert Patt selber muss «bluten». Der variable Lohnanteil der Geschäftsleitung und des CEO wird ausserdem aufgrund der ausserordentlichen Situation für das laufende Geschäftsjahr und 2020/21 «substanziell» reduziert, heisst es in der Mitteilung weiter.