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Zeichner Chappatte kämpft am WEF für bedrohte Karikaturisten

Der Karikaturist Chappatte nimmt seit mehreren Jahren am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos teil. Er nutzt diese Gelegenheit, um seine Berufskollegen zu verteidigen, welche wegen ihrer Arbeit bedroht werden.
Der Genfer Karikaturist Patrick Chappatte kämpft am Weltwirtschaftsforum für seine Berufskollegen, welche wegen ihrer Arbeit bedroht werden. (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

Der Genfer Karikaturist Patrick Chappatte kämpft am Weltwirtschaftsforum für seine Berufskollegen, welche wegen ihrer Arbeit bedroht werden. (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

(sda)

«Mein erstes Interesse ist, mich inmitten jener politischer oder wirtschaftlicher Figuren wiederzufinden, welche ich während des ganzen Jahres zeichne», sagte Patrick Chappatte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Beispielsweise Angela Merkel. Es ist offensichtlich eine Chance, mich neben sie zu stellen, um ihr charakteristisches Profil einzufangen», sagt der Karikaturist, welcher für die Zeitungen «Le Temps», die «NZZ am Sonntag» und die «New York Times» arbeitet.

Das WEF sei aber vor allem auch eine Chance, «interessante Menschen zu treffen». So könne er mit Personen zusammenkommen, die etwa für Menschenrechte kämpften. Chappatte habe diese Woche beispielsweise an zwei Panels mit Kenneth Roth, dem Direktor von Human Rights Watch (HRW), teilgenommen.

Aufmerksamkeit erzeugen

Chappatte, der die Nichtregierungsorganisation (NGO) «Cartooning for Peace» mitgegründet hat, nutzt die Gelegenheit am WEF aber vor allem, um seine Kollegen zu verteidigen, die wegen ihrer Arbeit in ihrer Freiheit bedroht werden - in Syrien, im Iran, in der Türkei oder anderswo.

So setze er sich zum Beispiel für den türkischen Zeichner Musa Kart ein, der nach dem Putschversuch gegen den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde. «Für was? Für Karikaturen», sagte Chappatte gegenüber Keystone-SDA. Etwas dürfe man nicht unterschätzen: «Für Musa Kart kann es sehr wichtig sein, wenn er sagen kann, dass man am Weltwirtschaftsforum über ihn gesprochen hat», betonte er.

Doch die NGO «Cartooning for Peace» ist nicht nur im Kongresszentrum in Davos präsent, sondern sie ist auch ausserhalb des Gebäudes aktiv. Sie präsentiert auf der Promenade, der Hauptstrasse in Davos, eine Ausstellung mit Pressekarikaturen aus der ganzen Welt. Auch wenn die Leute hauptsächlich hier seien, um Geschäfte zu machen, gäbe es einige, die anhielten, die Zeichnungen anschauten, zu lächeln begännen und das Smartphone zückten, um ein Foto zu machen. Um genau dies gehe es, betonte Chappatte.

Zahlreiche Bedrohungen

Vier Jahre nach dem Attentat auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo» habe sich die Pressefreiheit noch nicht verbessert. Die Bedrohung komme von religiösen Extremisten sowie von Regierungen - auch im Westen, sagt er in dem Interview. Beispielsweise in den USA, einer «lebendigen Demokratie», seien zwei Karikaturisten entlassen wurden, weil sie in ihren Karikaturen Trump kritisierten, wie Chappatte weiter berichtet. Die Grundidee von Zeitungskarikaturen und Humor bestünde jedoch darin, die Mächtigen und die Macht anzugreifen, sagte Chappatte.

Der Zeichner sieht neben dem religiösen Extremismus und den Regierung eine weitere Quelle der Bedrohung: Die sozialen Medien. Wegen einer Karikatur könnten mediale Stürme, «Shitstorms», über Redaktionen hereinbrechen, welche damit nicht umgehen könnten. Die «Süddeutsche Zeitung» habe im vergangenen Jahr seinen Karikaturisten Dieter Hanitzsch wegen eines Bildes entlassen, das als antisemitisch gewertet worden war. Doch dies sei überhaupt nicht der Fall gewesen, betonte Chappatte. Aber die Zeitung habe dem Druck aus den sozialen Medien nachgegeben.

«Genau zielen»

Die religiösen Extremisten, die Regierungen und die Wohlmeinenden, «das sind viele Leute», sagt der Genfer. In seinen Augen müssten die Karikaturen versuchen, die Grenzen ein wenig zu verschieben und ausloten, wie weit man gehen könne, «und hart sein, falls es sein muss».

Chappatte gibt derweil zu, eine Art Selbstzensur zu betreiben - das sei Teil des Jobs. Weil er für normale Zeitungen und nicht für eine Satirezeitung arbeite, wolle er nicht provozieren um der Provokation Willen. Wichtig sei, «genau zu zielen».

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