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Zeitzeugin berichtet: «Die Fluh war in Flammen, es war grausam»

Die Nachricht, dass von den Überresten des 1947 explodierten Munitionsdepots in Mitholz eine grössere Gefahr ausgeht als angenommen, hat die Bevölkerung am Donnerstag unverhofft getroffen. Eine Zeitzeugin erinnert sich an die Flucht vor 71 Jahren.
Sicht auf die Felsabrissstelle der Explosionskatastrophe von 1947. Eine Augenzeugin erinnert sich, wie damals die ganze Fluh in Flammen stand. (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

Sicht auf die Felsabrissstelle der Explosionskatastrophe von 1947. Eine Augenzeugin erinnert sich, wie damals die ganze Fluh in Flammen stand. (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

(sda)

Es war an einem späten Abend, kurz vor Weihnachten, als die Kandertaler jäh aus dem Schlaf gerissen wurden. Das Munitionsdepot der Armee, oberhalb von Mitholz während des zweiten Weltkriegs 1941 in den Felsen eingelassen, war in die Luft geflogen.

Die Explosion hatte eine verheerende Wirkung. Neun Personen kamen ums Leben und das Dorf Mitholz wurde schwer verwüstet. Mehr als 200 Menschen wurden von einer Minute auf die andere obdachlos.

In Bruders Hosen in die Nacht hinaus

Sie erinnere sich noch gut an diese Nacht, sagte Regina Trachsel, eine Zeitzeugin der Katastrophe gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Sie und ihre Schwester seien damals noch Kinder gewesen. In der Hektik hätten sie zuerst ihre Kleider nicht gefunden. «Ich hatte dann ein paar Hosen meines Bruders an, ohne Hosenträger, die rutschten immer wieder runter», erinnerte sich Trachsel.

Auf der Flucht weg vom Dorf habe sie gesehen, wie die ganze Fluh in Flammen stand. «Alles war hell erleuchtet. Und dann diese Explosionen.» Überall seien Sachen durch die Luft geflogen. Doch als Kind hätten sie die Tragweite des Unglücks noch nicht recht erfassen können.

Unangenehme Erinnerung

Seither sind 71 Jahre vergangen und die verbliebenen Zeitzeugen des Unglücks reden nicht gerne darüber, wie Gemeindepräsident Roman Lanz der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Natürlich habe man die Erinnerungen an die nächsten Generationen weitergegeben, aber gross ein Thema sei die Katastrophe nicht gewesen.

Doch ob sie wollten oder nicht, die Kandertaler wurden immer wieder erinnert an das Unglück. So tauchten gelegentlich grosskalibrige Munitionsreste auf. Nach einem Unwetter fand sich beispielsweise eine 50-Kilogramm-Bombe im Geschiebe des Stegebachs.

Gefahr grösser als erwartet

Bei der Explosionskatastrophe wurde ein Teil der rund 7000 Tonnen Munition im Depot zerstört, ein weiterer Teil konnte abtransportiert werden. Doch rund 3500 Tonnen Munition konnten nicht geborgen werden, da sie im Berginnern verschüttet wurden.

Bis vor kurzem ging man bei der Armee davon aus, dass diese Munition keine Gefahr mehr darstellt. Entsprechende Beurteilungen in den Jahren 1949 und 1986 stützten diese Annahme. In unmittelbarer Nähe zum explodierten Depot betrieb die Armee bis heute eine Truppenunterkunft und ein Lager der Armeeapotheke.

Bei Planungen für ein neues Rechenzentrum auf dem Gelände nahm die Armee jüngst Abklärungen vor. Dabei wurde klar, dass von dem «Pulverfass» im Berg mehr Gefahr ausgeht als angenommen.

Er habe schon gewusst, dass noch alte, betriebsbereite Munition verschüttet sei, sagte Gemeindepräsident Roman Lanz. Doch wie viel Munition noch im Berg sei, habe er nicht gewusst.

«Nun muss die Bevölkerung die Nachricht zuerst einmal aufnehmen», führte Lanz aus. Er rechne mit vielen Fragen aus der Bevölkerung. Da sei es wichtig, «dass wir sichtbar sind und auf die Fragen eine Antwort haben».

Zersetzung, Sabotage, Mäuse

Nach der Katastrophe 1947 galten intensive Abklärungen der Unglücksursache. Alle möglichen Thesen wurden untersucht, etwa ob Mäuse und Ratten die Leiterisolationen angefressen haben könnten oder ob im Depot geraucht worden war. Als wahrscheinliche These erachteten die Experten damals die Bildung von Kupferazid an den Zündkapseln von Geschossen.

Auch Sabotage war ein Thema, das die Untersuchungsbehörden nicht gänzlich ausschlossen. Hinweise darauf gebe es zwar keine, aber es mangle eben auch an Beweisen für eine andere Ursache.

Das Schweizervolk bewies mit einer Sammelaktion Solidarität mit den Unglücksopfern. General Henri Guisan reiste in das Schadensgebiet und besprach Hilfsmassnahmen. Nach dem Unglück zog nur eine einzige Familie aus dem Dorf weg, die anderen entschieden sich für einen Neuanfang in ihrer Heimat.

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