Zuhälterring aus Lausanne gesprengt - Festnahme in Deutschland

Der mutmassliche Chef eines rumänischen Zuhälterrings, der vor etwa fünf Jahren in Lausanne aktiv war, ist in Deutschland verhaftet worden. Der 35-Jährige wurde Mitte August an Rumänien ausgeliefert.

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Die jungen Frauen wurden in Lausanne zum «Anschaffen» auf die Strasse geschickt, unter ständiger und strenger Aufsicht des Clans.

Die jungen Frauen wurden in Lausanne zum «Anschaffen» auf die Strasse geschickt, unter ständiger und strenger Aufsicht des Clans.

Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
(sda)

Dies teilte die Stadtpolizei Lausanne am Dienstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage mit. Ihre Ermittler hatten sich Anfang 2019 an der Zerschlagung des Zuhälter-Netzwerks beteiligt, nachdem Ende 2016 langwierige Untersuchungen eingeleitet worden waren.

Die Untersuchung war von der Sittenpolizei der Lausanner Kriminalpolizei in Partnerschaft mit den rumänischen Behörden durchgeführt worden. Ihre Bemühungen führten zur Identifizierung von neun Angeklagten und fünfzehn Opfern von Menschenhandel in der Schweiz und in Rumänien.

Minderjährige rekrutiert

Die Opfer wurden in Rumänien rekrutiert und dann, sobald sie die Volljährigkeit erreicht hatten, in Lausanne zum «Anschaffen» auf die Strasse geschickt, unter ständiger und strenger Aufsicht des Clans. Die meisten von ihnen waren auch in anderen europäischen Ländern (Italien, Deutschland und Norwegen) zur Prostitution gezwungen worden. Die jungen Frauen mussten sieben Tage in der Woche arbeiten.

Eine 18-jährige Frau, die von diesem Netzwerk rekrutiert worden war wurde Ende November 2016 in Sullens VD von einem französischen Kunden getötet. Ihre Leiche wurde mit völlig entstelltem Gesicht und 26 Stichwunden durchbohrt in einem Wald im Doubs-Gebiet aufgefunden.

Internationale Zusammenarbeit

Im Laufe der Ermittlungen unter der Führung von Eurojust wurde eine gemeinsame Ermittlertruppe zwischen der Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt und der rumänischen Direktion für Ermittlungen im Bereich organisierte Kriminalität und Terrorismus eingesetzt. Dies war das erste Mal, dass ein solche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zustande kam.

Dank dieser schweizerisch-rumänischen Zusammenarbeit wurden Mitte Januar 2019 elf Durchsuchungen in Rumänien und Lausanne durchgeführt. Zudem beteiligten sich drei Schweizer Polizeibeamte an der Operation, die zur Verhaftung von vier Rumänen führte. In der Folge wurden europäische Haftbefehle gegen fünf weitere Verdächtige erlassen, darunter auch gegen den mutmasslichen Anführer des Netzwerks.

Fünf Millionen Franken beschlagnahmt

Letzterer wurde schliesslich in der ersten Hälfte dieses Jahres in Deutschland verhaftet und Mitte August an Rumänien ausgeliefert. Er wird verdächtigt, im Laufe der Ermittlungen mehr als fünf Prostituierte ausgebeutet zu haben.

Das Vermögen des Zuhälterrings, das mehrere Millionen Franken und fünf Häuser umfasste, wurde beschlagnahmt. Alle Angeklagten müssen sich vor der rumänischen Justiz verantworten.