Am 5. Mai 2000 starb die Rad-Legende Gino Bartali

Heute Dienstag jährt sich der Todestag von Gino Bartali zum 20. Mal. Der Italiener bleibt als Radsportler und Retter von Juden in Erinnerung.

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Gino Bartali war auch im Ausland erfolgreich: 1948 fährt er zum Sieg in der Tour de France
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Gino Bartali war der Liebling der Tifosi - hier auf einem Bild aus dem Jahr 1953
1946 - ein Jahr nach dem zweiten Weltkrieg gewann Gino Bartali den Giro d'Italia
Ein Held war Bartali auch abseits der Rennen: Im zweiten Weltkrieg rettet er Juden vor der Deportation und dem sicheren Tod

Gino Bartali war auch im Ausland erfolgreich: 1948 fährt er zum Sieg in der Tour de France

KEYSTONE/STR
(sda)

Der am 5. Mai 2000 mit knapp 86 Jahren verstorbene Gino Bartali war ein Held im doppelten Sinn. Deshalb wurde und wird auch nach seinem Tod noch viel geschrieben - teils in pathetischen Worten. So ist zu lesen: Mit seinen Waden aus Stahl feierte er grosse Erfolge als Radrennfahrer, mit seinem Herz aus Gold verhalf er während des Zweiten Weltkrieges wohl mindestens 800 Juden zur Flucht. Diese Tatsache trug ihm auch die Namen «Der radelnde Oskar Schindler», «Gino, der Fromme», oder «Held auf zwei Rädern» ein.

Der gläubige Bartali zögerte in den Wirren des Krieges keine Sekunde lang, um Menschen in Not zu helfen. Als Deutschlands Wehrmacht 1943 nach dem Sturz von Diktator Mussolini Mittel- und Norditalien besetzte, wurden in diesen Regionen die Juden verfolgt und in Konzentrationslager verschleppt. Was zum Überleben half, war eine neue, nicht-jüdische Identität. Neue Papiere ermöglichten eine Flucht ins Ausland oder in das von den Alliierten befreite Süditalien. Hier kam Bartali ins Spiel: Der Kardinal Dalla Costa, im katholischen Widerstand engagiert, übertrug dem Radfahrer die Aufgabe, Passfotos, gefälschte Ausweise oder Passagierscheine durch die von der Wehrmacht besetzte Toskana zu transportieren.

Bartali, der vom Kriegsdienst befreit war, versteckte die Dokumente vorwiegend im Velorahmen. Er nutzte die Trainingsfahrten als lebensgefährliche Kurierdienste. Bartali kannte die Region gut, er war als Radprofi zu prominent, um ständig kontrolliert zu werden. Seine Hauptroute: Florenz - Assisi. Mindestens 40 Mal leistete er diesen Dienst.

Sprechverbot

Seinen Kindern verbot Bartali später, über seine Rolle im Untergrund zu sprechen. «Wenn du darüber redest, nutzt du das Unglück anderer für dich aus», soll er einst seinen Sohn Andrea gewarnt haben. Er wolle wegen seiner sportlichen Leistungen in Erinnerung bleiben. Wahre Helden seien andere. «Ich bin nur ein Radfahrer.»

Gleichwohl: Seine Taten als Retter der Juden wurden nach und nach bekannt. Im Jahr 2005 verlieh ihm der italienische Staatspräsident posthum die goldene Ehrenmedaille für seinen humanitären Einsatz. Und noch bedeutungsvoller: Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erklärte ihn 2013 zu einem «Gerechten unter den Völkern». Der Orden wird jenen verliehen, die sich der Obrigkeit unter Einsatz ihres Lebens widersetzen, um Juden zu retten. 2018 startete der Giro d'Italia zu Bartalis Ehren in Jerusalem – erstmals ausserhalb von Europa.

Der besten Jahre beraubt

Gino Bartali gewann unter anderem drei Mal den Giro d'Italia und zwei Mal die Tour de France, das erste Mal 1938. Der Mann aus der Region Florenz war somit einer der erfolgreichsten und populärsten Radrennfahrer Italiens, obwohl er im besten Rennfahreralter seine Karriere wegen des Zweiten Weltkrieges unterbrechen musste. 1948 gewann er aber die Tour de France zum zweiten Mal.

Bartalis Laufbahn war geprägt von der Konkurrenz zu dem fünf Jahre jüngeren Fausto Coppi - analog dem Duell in der Schweiz zwischen Ferdy Kübler und Hugo Koblet. Diese Rivalität teilte die riesige italienische Fangemeinde in die, so wird behauptet, unversöhnlichen Lager der «Bartalisten» und der «Coppisten». Hier der fromme, traditionelle Bartali, dort Coppi, der seine Frau verliess, um zu einer anderen Verheirateten zu ziehen, und selbst vom Papst öffentlich aufgefordert wurde, zu seiner ersten Frau zurückkehren.