Angeschlagener Federer schafft unglaubliche Wende

Roger Federer erreicht auf unglaubliche Art und Weise seinen 15. Halbfinal am Australian Open. Körperlich angeschlagen wehrt er gegen Tennys Sandgren sieben Matchbälle ab und siegt in fünf Sätzen.

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Tennys Sandgren stand zum zweiten Mal am Australian Open in den Viertelfinals
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Roger Federer hatte gegen Tennys Sandgren zu leiden
Roger Federer nach dem vierten Satz, in dem er sieben Matchbällen abgewehrte
Roger Federer erreichte am Australian Open seinen 46. Grand-Slam-Halbfinal
Die Zuschauer standen einmal mehr wie eine Wand hinter Roger Federer
Tennys Sandgren stand kurz vor seinem grössten Erfolg der Karriere
Roger Federer bekundete Probleme mit den Adduktoren
Gegen Novak Djokovic spielt Federer am Donnerstag zum 50. Mal

Tennys Sandgren stand zum zweiten Mal am Australian Open in den Viertelfinals

KEYSTONE/AP/MDB KAJ
(sda)

Nach dem Fünfsatz-Thriller in der 3. Runde gegen John Millman, als Federer im Super-Tiebreak nur zwei Punkte vom Ausscheiden entfernt gewesen war, setzte er gegen Tennys Sandgren aus den USA noch einen drauf. Offensichtlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte wehrte der 20-fache Grand-Slam-Champion im vierten Satz sieben Matchbälle ab, drei davon beim Stand von 3:6 im Tiebreak.

Irgendwie schaffte es der sechsfache Australian-Open-Sieger, in der Partie zu bleiben. «Danach glaubte ich wieder dran, dass sich das Ganze doch noch wenden könnte», sagte Federer. Im fünften Satz wirkte er wieder frischer, schlug härter auf und bewegte sich auch wieder besser. Beim Stand von 3:2 gelang ihm mit einer starken Vorhand das letztlich entscheidende Break. Nach dreieinhalb Stunden setzte sich Federer 6:3, 2:6, 2:6, 7:6 (10:8), 6:3 durch.

Federers Probleme hatten nach einem soliden ersten Satz begonnen, als er mit einem miserablen Aufschlagspiel seinem Gegenüber mit einem Volley-, Vorhand- und Smash-Fehler das erste Break quasi schenkte. Der Schweizer bewegte sich schlecht, spielte fehlerhaft und verlor den zweiten Satz klar. Auch zu Beginn des dritten Durchgangs geriet er gleich in Rückstand. Bei 0:2 und 40:30 und Aufschlag Sandgrens wurde er verwarnt, weil er sich laut einer Linienrichterin unflätig geäussert hatte.

Kurz danach verschwand Federer in der Kabine und liess sich vom Physiotherapeuten behandeln. Laut Federer bekundete er Probleme mit den Adduktoren, die ihn im dritten und vierten Satz stark einschränkten. Doch Federer schaffte es, zumindest seinen Aufschlag durchzubringen. «Manchmal braucht man einfach auch Glück», sagte Federer. Beim Stand von 4:5 hatte er die ersten drei Matchbälle bei eigenem Aufschlag abgewehrt.

Sandgren zeigte sich nach der Partie sehr enttäuscht, machte sich aber nicht allzu grosse Vorwürfe. «Klar hätte ich bei den Matchbällen besser spielen können, aber er hat sein Niveau auch gesteigert», sagte der 28-Jährigen aus Tennessee, der erstmals gegen Federer spielte. Sandgren konnte sich nicht daran erinnern, dass er schon einmal so viele Matchbälle vergeben hat. «Tennis ist einfach ein verrückter Sport.»

50. Duell gegen Djokovic

Federer trifft in seinem 46. Grand-Slam-Halbfinal am Donnerstag auf den Serben Novak Djokovic, der auch das zehnte Duell mit dem Kanadier Milos Raonic aus Kanada für sich entschied und 6:4, 6:3, 7:6 (7:1) siegte.

Das Duell am Donnerstag mit Federer ist das 50. zwischen dem Titelverteidiger aus Serbien und dem Schweizer, die zusammen 13 der letzten 16 Turniere in Melbourne gewonnen haben. «Ich hoffe, dass ich am Donnerstag zumindest einen Matchball haben werde», sagte Djokovic mit einem Lachen, als er auf das Comebacks Federer angesprochen wurde. «Der Bessere soll gewinnen.»

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden gewann an den ATP Finals in London Federer in zwei Sätzen. Djokovic entschied die letzten fünf Begegnungen an Grand-Slam-Turnieren für sich, zuletzt im Wimbledon-Final 2019 nach zwei abgewehrten Matchbällen. Im letzten Aufeinandertreffen in Melbourne vor vier Jahren setzte sich Djokovic im Halbfinal klar in vier Sätzen durch.