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Anne-Sylvie Monnet: Einst Pionierin, nun Verbandsdirektorin

Anne-Sylvie Monnet wagte 1985 als erste Schweizer Volleyballerin den Schritt ins Ausland. Im Interview äussert sich die Verbands-Direktorin zum Höhenflug des Frauen-Nationalteams.
Anne-Sylvie Monnet führte zwischen 1978 und 1995 das Schweizer Nationalteam der Volleyballerinnen an. Heute ist sie für den Verband als Direktorin Volleyball tätig (Bild: Swiss Volley)

Anne-Sylvie Monnet führte zwischen 1978 und 1995 das Schweizer Nationalteam der Volleyballerinnen an. Heute ist sie für den Verband als Direktorin Volleyball tätig (Bild: Swiss Volley)

(sda)

Am Mittwoch schrieben die Volleyballerinnen in Schönenwerd Schweizer Sportgeschichte, als sie sich als erstes Nationalteam überhaupt für eine EM-Endrunde in ihrer Sportart qualifizierten. Anne-Sylvie Monnet, die Direktorin Volleyball bei Swiss Volley, sprach nach Abschluss der erfolgreichen Qualifikation mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA über die Entwicklung und die Zukunftsaussichten im Schweizer Volleyball.

Anne-Sylvie Monnet, Sie verbindet eine lange Geschichte mit dem Volleyball-Nationalteam, haben als Spielerin selbst über 150 Länderspiele für die Schweiz bestritten. Erfüllt es Sie mit Stolz, dass es den Schweizer Volleyballerinnen nun erstmals auf sportlichem Weg gelungen ist, sich für eine EM-Endrunde zu qualifizieren?

«Ich bin extrem stolz und vor allem bin ich sehr glücklich für die Spielerinnen und den Trainerstab. Jedes Jahr wurde das Team jünger und die älteren und erfahreneren Spielerinnen wollten nicht mehr mitmachen. Trotz dieser Schwierigkeiten hat der Trainer immer daran geglaubt, dass er es mit dem jungen Team schaffen kann.»

Welchen Anteil hat Nationaltrainer Timo Lippuner (seit 2014 im Amt) am Erfolg der Schweizer Frauen?

«Er hat seinen Weg eingeschlagen und hat selbst dann die Geduld aufgebracht, als er immer wieder Absagen von Spielerinnen erhalten hat und dadurch gezwungen war, mit jüngeren Spielerinnen zu arbeiten. Als Ausbildner hat er meiner Meinung nach viel dazu beigetragen, dass wir heute dort stehen, wo wir sind. Deshalb freue ich mich auch für ihn.»

Sie selber sind seit Ende 2003 in verschiedenen Funktionen für Swiss Volley tätig, aktuell als Direktorin Volleyball. Was hat sich in dieser Zeit rund um das Nationalteam alles verändert?

«Seit der Vorbereitung auf die Heim-EM 2013 haben wir die Investitionen kontinuierlich hochgefahren, wir sind professioneller geworden. Auch dank den Lotterie-Geldern von Swiss Olympic haben wir heute mehr Möglichkeiten. Vor zwölf Jahren wurde zudem das Projekt der Talent Schools lanciert. Nicht zuletzt haben auch die Klubs den Mut aufgebracht, auf junge Spielerinnen zu setzten. Das Resultat sehen wir heute: Die meisten Nationalspielerinnen sind in ihren Klubs zu Leistungsträgerinnen gereift.»

Welche finanziellen Anstrengungen unternimmt der Verband zur Förderung der Nationalteams?

«In den letzten Jahren haben wir verstärkt in die vier Nachwuchs- und zwei Elite-Nationalteams investiert. Bei der Elite waren die Ausgaben der Frauen etwas höher als jene der Männer, weil die Frauen zusätzlich an der Euro League teilgenommen haben. Der zeitliche Aufwand des Frauen-Nationalteams belief sich im vergangenen Jahr etwa auf 85 Aktionstage, bei den Männern waren es etwa 60 Tage.»

Wie präsentiert sich die Situation heute im Vergleich zu jener vor der Heim-EM im Jahr 2013?

«Damals mussten wir über mehrere Monate grosse Anstrengungen unternehmen, um überhaupt 16 Spielerinnen zu finden, die sich für das EM-Projekt engagieren. Das ist heute nicht mehr so. Der Pool an Spielerinnen ist grösser geworden.»

Sie gelten in der Schweiz als Pionierin, haben 1985 als erste Schweizer Volleyballerin den Schritt ins Ausland gewagt und bis 1992 für verschiedene Teams in Italien gespielt. Mit Laura Künzler und Maja Storck sind derzeit zwei Nationalspielerinnen in der deutschen Bundesliga engagiert. Wie wichtig wäre es, wenn künftig mehr junge Schweizerinnen den Sprung ins Ausland wagen würden?

«Die beiden genannten Spielerinnen machen es vor, dass man vom Volleyball leben kann. Natürlich wäre es ein Traum, 20 Nationalspielerinnen im Ausland zu haben. Wenn man sich entscheidet, als Profi zu leben, heisst das ja nicht gleich, dass man sich das ganze Leben dem Volleyball verschreibt. Man setzt einige Jahre alles auf die Karte Volleyball. Das ist mutig. Ich hoffe, dass immer mehr diesen Mut aufbringen.»

Weshalb ist es in der Schweiz so schwierig, von der Weltsportart Volleyball zu leben?

«Mit der Ausnahme von ein paar wenigen grossen Sportarten ist es hierzulande ohnehin schwierig, vom Spitzensport zu leben. In der Schweiz findet der Leistungssport keine sehr grosse Beachtung. Ein Beamter oder ein Lehrer beispielsweise verdient ein Mehrfaches im Vergleich zu einem Volleyballer oder anderen Profisportlern. In anderen Ländern ist das genau umgekehrt.»

Die Eröffnung des nationalen Volleyball-Leistungszentrums 2018 in Schönenwerd war ein Schritt in die richtige Richtung?

«Ja, es vereinfacht uns die Planung enorm. Wir können die Trainingseinheiten stets am gleichen Ort und nach unseren Vorstellungen durchführen und müssen auf niemand anderen Rücksicht nehmen. Die Infrastruktur ist perfekt an unsere Bedürfnisse angepasst. Zudem trägt es meiner Meinung nach auch zur guten Stimmung bei, wenn die Frauen- und Männer-Nationalteams am selben Ort trainieren.»

Kann man nach der Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Teams damit rechnen, dass die Schweiz nun regelmässig an EM-Endrunden vertreten ist.

«Ja, das hoffe ich doch sehr. Ich hoffe zudem, dass wir uns in zwei Jahren auch bei den Männern qualifizieren können. Auch wenn die Konkurrenz ziemlich brutal ist. Das Niveau ist extrem hoch. Ich denke, wir sind eines der wenigen Männer-Nationalteams, das nur mit zwei Profis unterwegs ist. Bei den Ukrainern (Sieger der Schweizer Qualifikationsgruppe - Red.) beispielsweise sind alle Profis.»

Was ist für das Frauen-Nationalteam an der EM im kommenden August/September möglich?

«Wir sind in erster Linie mal glücklich, dass wir überhaupt dabei sind. Wenn wir die Gruppenphase überstehen würden, wäre das natürlich grossartig. Das hängt aber von unseren Gegnern und auch von unserem Team ab. Ich gehe davon aus, dass das Team bis zur EM in etwa so zusammen bleibt.»

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