Barças Debakel: 1:4 nach 30, 2:8 nach 90 Minuten

Jetzt ist Bayern München erst recht der erste Favorit im Finalturnier der Champions League. Die Münchner deklassieren im Viertelfinal den ausser Rand und Band geratenen FC Barcelona 8:2.

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Serge Gnabry (links) und Thomas Müller feiern vereint einer der Tore
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Der bedauernswerte Goalie Marc-André ter Stegen
Lionel Messi war in Lissabon ein einsamer Mensch
Barcelonas Luis Suarez (links) gegen David Alaba
Robert Lewandowski kam doch noch zu seinem Recht: Er erzielte das nicht mehr wichtige 6:2
Verbrüderung nach dem Schlusspfiff: Antoine Griezmann (rechts) und David Alaba

Serge Gnabry (links) und Thomas Müller feiern vereint einer der Tore

KEYSTONE/EPA/TIAGO PETINGA
(sda)

Nach dem Unterbruch wegen des Coronavirus verlor Barcelona gegen Real Madrid das Fernduell in der spanischen Meisterschaft. Dass dies der Moral der Katalanen schwer geschadet hat, mag eine Erklärung für die schier unglaublich schlechte Leistung sein, die die Mannschaft von Trainer Quique Setien im Viertelfinal der Königsklasse abgeliefert hat.

Auch wenn die Bayern diesmal als Favoriten galten, hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass dieser Schlagermatch nach rund einer halben Stunde nach einem 4:1 (zweimal Thomas Müller, Serge Gnabry, Ivan Perisic) so gut wie entschieden sein könnte. Es hätte zu dem Zeitpunkt auch schon - wie nach 90 Minuten - 8:2 stehen können. In der Defensive wirkten die Spanier von Anfang an ängstlich, verwirrt, zeitweise einer Panik nahe. Die vier frühen Tore und die weiteren erstklassigen Chancen der Bayern kamen etwa zur Hälfte nach zügigen, zwingenden Angriffen zustande, zur anderen Hälfte jedoch nach haarsträubenden Fehlern der Katalanen.

Eine derart desolate Leistung war dem stolzen FC nicht zuzutrauen, schon eher Espanyol Barcelona, das als abgeschlagener Letzter der Meisterschaft in Spaniens 2. Division abgestiegen ist.

Symbolisch für Barcelonas Hilflosigkeit an dem denkwürdigen Abend in Lissabon war Bayerns 5:2 nach 63 Minuten. Der junge kanadische Aussenverteidiger Alphonso Davies zeigte einen Slalomlauf von der Seitenlinie bis zum Pfosten. Er hatte die Musse, den freien Verteidigerkollegen Joshua Kimmich freizuspielen, der den Ball nur noch ins Tor zu schieben brauchte. Erstaunlicherweise hatte der Goalgetter Roberto Lewandowski keines der ersten fünf Tore erzielt. Aber auch er kam noch zu seinem Tor.

Trotz des klaren Sieges zeigten die Bayern keineswegs über 90 Minuten ein brillantes Spiel. In den ersten 15 Minuten, als es noch 1:1 stand, waren die Münchner in der Defensive ebenso fehlerhaft, wie es Barcelona in der ganzen Partie war. Barças zeitweiliger Ausgleich nach sieben Minuten kam durch ein Eigentor von Verteidiger David Alaba zustande. Der Österreicher grätschte vor dem Tor in einen Querpass. Es war der einzige mögliche Rettungsversuch, denn hinter Alaba war Luis Suarez allein und einschussbereit. In den nachfolgenden Minuten gewährten die Bayern dem Gegner nach schweren Abwehrfehlern reelle Torchancen. Im weiteren Turnierverlauf und gegen einen besseren Widersacher könnten sich solche Unzulänglichkeiten gravierend auswirken. Nach dem 2:1 von Ivan Perisic nach 22 Minuten jedoch wirkte Bayerns Defensive wieder weitgehend sattelfest.

Keine neuen Teams in fünf Jahren

In der Champions League hatten die zwei Schwergewichte des Klubfussballs seit 2015 nicht mehr gegeneinander gespielt. Damals setzte sich im Halbfinal Barcelona durch, um danach auch den Final gegen Juventus Turin zu gewinnen. Beide Mannschaften haben sich trotz des Abstands von fünf Jahren weniger stark verändert, als man glauben könnte. Neuer, Boateng, Thiago, Müller, Lewandowski und Martinez sind noch heute für die Bayern im Einsatz, ter Stegen, Piqué, Jordi Alba, Rakitic, Busquets, Messi und Suarez spielen weiterhin für Barça. Am Freitag hätte man glauben können, es hätten zwei komplett neue Mannschaften gegeneinander gespielt.

Telegramm

Barcelona - Bayern München 2:8 (1:4)

Lissabon. - SR Skomina (SLO). - Tore: 4. Müller (Lewandowski) 0:1. 7. Alaba (Eigentor) 1:1. 22. Perisic (Gnabry) 1:2. 27. Gnabry (Thiago) 1:3. 31. Müller (Kimmich) 1:4. 57. Suarez (Jordi Alba) 2:4. 63. Kimmich (Davies) 2:5. 82. Lewandowski 2:6. 85. Coutinho (Müller) 2:7. 89. Coutinho (Hernandez) 2:8.

Barcelona: ter Stegen; Semedo, Piqué, Lenglet, Jordi Alba; Roberto (46. Griezmann), Busquets (70. Fati), De Jong; Vidal; Messi, Suarez.

Bayern München: Neuer; Kimmich, Boateng (75. Süle), Alaba, Davies (84. Hernandez); Goretzka (84. Tolisso), Thiago; Gnabry (75. Coutinho), Müller, Perisic (67. Coman); Lewandowski.

Bemerkungen: Barcelona ohne Umtiti, Morer und Todibo (alle verletzt). Bayern München ohne Pavard (verletzt). Verwarnungen: 43. Boateng (Foul), 52. Davies (Foul), 54. Suarez (Foul), 60. Jordi Alba (Unsportlichkeit). 92. Vidal (Unsportlichkeit).