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Bekele sehnt sich nach einem weiteren Coup

Kenenisa Bekele verleiht dem Grand Prix von Bern am Samstag den Anstrich von Weltklasse. Der Äthiopier startet beim Lauf über 10 Meilen.
Kenenisa Bekele posiert für die Fotographen (Bild: KEYSTONE/AP/FRANK AUGSTEIN)

Kenenisa Bekele posiert für die Fotographen (Bild: KEYSTONE/AP/FRANK AUGSTEIN)

(sda)

Der dreifache Olympiasieger, Weltrekordhalter über 5000 und 10'000 m sowie fünffache Weltmeister im Stadion oder elffache Weltmeister im Cross galt einst als Wunderläufer. In seinen Glanzjahren, die rund ein Jahrzehnt zurückliegen, war kein Kraut gegen ihn gewachsen. Im Stadion oder im Gelände ist er längst von anderen Dominatoren abgelöst worden. Seit Kenenisa Bekele 2014 zum Marathon gewechselt hat, mutierte er vom Wunderläufer zur Wundertüte.

Highlights und Enttäuschungen wechseln sich ab, wobei Letztere in der Überzahl sind. Vor knapp einem Monat beim Marathon in London musste der 35-Jährige eine Niederlage einstecken. Als Sechster verlor er in 2:08:53 Stunden fast viereinhalb Minuten auf den Kenianer Eliud Kipchoge - der Olympiasieger von Rio de Janeiro gilt als der aktuell stärkste Läufer über 42,195 km und war vor einen Jahr auch die Hauptfigur, als unter Labor-Bedingungen auf dem Formel-1-Kurs von Monza versucht wurde, die Zwei-Stunden-Barriere zu knacken. Andererseits überzeugte Bekele vereinzelt - mit seiner Bestzeit (2:03:03, Berlin 2016) liegt er bloss sechs Sekunden über dem Weltrekord des Kenianers Dennis Kimetto (Berlin 2014).

Kenenisa Bekele läuft mit bald 36 Jahren immer noch. Obwohl zwischendurch der Oberschenkel schmerzt oder die Achillessehne zwickt, lässt er sich nicht entmutigen. "Ich will im Marathon noch den Rekord brechen oder 2020 in Tokio den Olympiasieg holen", sagte er in Bern gegenüber den Medien. Dies würde ihn zumindest im Laufsport zum Grössten machen. Denn an das Charisma seines Landsmannes Haile Gebrselassie kommt er nicht heran. Im Gegensatz zu Bekele liebt Gebrselassie das Mikrophon. Er weiss sich perfekt zu vermarkten und ist - nicht erst seit seinem Rücktritt - ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Kritische Worte

Jos Hermens, der sowohl als Manager von Gebrselassie als auch von Bekele wirkt, meint: "Haile könnte mit seinen Fähigkeiten sogar der Präsident von Äthiopien werden." Gegenüber Bekele fand der Niederländer in jüngster Vergangenheit hingegen auch kritische Worte. Bekele verzettle sich, er vernachlässige die Regenartion, er vertraue zu stark allein auf sein Talent, er könne die Konzentration während der langen Vorbereitung auf einen Marathon nicht aufrecht erhalten, die Ernährung sei nicht immer optimal. "Ja, das stimmt", bestätigte Hermens in Bern. Nach einem missglückten Rennen hätten er und Bekele vor allem auch aus Frust hart miteinander gesprochen und ein Journalist habe dies aufgeschnappt. Eigentlich spreche er nicht gerne über dieses Thema, es sei ja eine Auseinandersetzung unter Freunden gewesen. "Aber ich muss ihn zwingen, so konsequent wie Eliud Kipchoge zu sein. Ob er meinen Ratschlag befolgt, liegt an ihm."

Sofern Hermens Appell wirkt, wird Bekele seine letzten Jahre als Läufer professionell und diszipliniert absolvieren. Sein Leben als Sportler führt ihn nun erneut in die Schweiz, nachdem er früher bei der Athletissima in Lausanne und bei Weltklasse Zürich startete oder auch schon in St. Moritz trainierte. In Bern weilt er zum ersten Mal. Einen Monat nach dem London-Marathon sind keine Wunderdinge zu erwarten. Der Vergleich mit Tadesse Abraham, dem Schweizer Marathon-Rekordhalter, Halbmarathon-Europameister und dreifachen GP-Bern-Sieger wird gleichwohl interessant sein. Auch Abraham befindet sich nicht in Bestform, sondern in der Vorbereitung zum EM-Marathon im August in Berlin.

Möglicherweise läuft Bekele auch in Berlin, aber erst Mitte September beim Städtemarathon. "Wir verhandeln noch. Berlin, Chicago oder New York wird es sein", sagte Hermens. Der Niederländer glaubt nach wie vor an das Potenzial von Bekele. "Er hat so viel Talent. Aber im Marathon zählt jedes Detail", betonte er und begann über die Entwicklung der Laufschuhe zu sprechen oder von einem neu entwickelten Getränk, das dem Körper ermögliche, mehr Kohlenhydrate aufzunehmen.

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