Bencic: «Werde mich immer daran erinnern»

Heute vor fünf Jahren feiert Belinda Bencic beim Rasen-Turnier in Eastbourne ihren ersten Titel auf der WTA-Tour.

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Belinda Bencic hat allen Grund zufrieden zu sein

Belinda Bencic hat allen Grund zufrieden zu sein

KEYSTONE/PETER KLAUNZER
(sda)

Aller guten Dinge sind drei, das war am 27. Juni 2015 auch bei Belinda Bencic der Fall, stand sie doch in Eastbourne zum dritten Mal auf diesem Niveau in einem Final. Die ersten beiden Sätze gegen die damals in der Weltrangliste 18 Positionen besser klassierte Polin Agnieszka Radwanska waren hart umkämpft (6:4, 4:6), dann spielte die zu diesem Zeitpunkt 18-jährige Ostschweizerin unter den Augen von Martina Hingis gross auf und gewann den entscheidenden Durchgang in nur 15 Minuten 6:0.

«Ich war so nervös vor dem Matchball», erinnert sich Bencic im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Es war ein sehr spezieller Moment für mich, den ich immer in Erinnerung behalten werde. Es war ein gut dotiertes Turnier, ich schlug Spielerinnen, die ich zuvor noch nie bezwungen hatte.» Dieser Triumph habe ihr einen Schub gegeben und sie im Glauben bestärkt, auf dieser Stufe reüssieren zu können.

Als weitere Schlüsselmomente bezeichnet Bencic den Sieg in Toronto im August des gleichen Jahres, als sie der Reihe nach Eugenie Bouchard, Caroline Wozniacki, Sabine Lisicki, Ana Ivanovic, Serena Williams und Simona Halep in die Schranken verwies, und den erstmaligen Vorstoss in die Top Ten am 15. Februar 2016. «Manchmal ist auch nur ein Spiel oder ein Erlebnis ein Schlüsselmoment», so Bencic.

Enorm wichtig war für sie zudem das vergangene Jahr, hatte sie doch nach dem steilen Aufstieg einige Rückschläge zu verkraften. Im Frühling 2017 musste sie sich am linken Handgelenk operieren lassen, worauf sie fünf Monate keine Turniere bestreiten konnte. Früh im Jahr 2018 machte ihr ein Ermüdungsbruch im rechten Fuss zu schaffen. Zwischenzeitlich fiel sie im Ranking auf Platz 318 zurück.

Wie immer in solchen Fällen meldeten sich die Zweifler, Bencic wurde von einigen schon abgeschrieben. Mittlerweile sind diese Stimmen verstummt - sie wurde 2019 zur Comeback-Spielerin des Jahres auf der WTA-Tour gekürt und qualifizierte sich für das Masters in Shenzhen, an dem sie den Halbfinal erreichte. Am 9. September kehrte sie in die Top Ten zurück, aktuell ist sie die Nummer 8.

«Der Kopf muss wirklich klar sein»

Die Rückschläge stuft Bencic im Nachhinein als positiv ein: «Es war schwierig, aus diesem Teufelskreislauf herauszukommen. Ich war frustriert. Ich habe aber sehr viel gelernt in dieser Zeit. Ich schätze es nun noch mehr zu spielen. Verletzungen gehören zum Sport dazu. Wenn ich nun wieder in eine solche Situation geraten würde, wüsste ich genau, wie ich damit umgehen müsste.»

Was ist für sie ausschlaggebend, um es so weit nach vorne zu schaffen? «Die ersten 100 in der Weltrangliste können alle sehr gut Tennis spielen, insofern ist es entscheidend, in den wichtigen Momenten voll da zu sein. Der Kopf muss wirklich klar sein.» Es sei wichtig, das Leben im Griff zu haben. Ein weiterer bedeutender Faktor sei das Selbstbewusstsein, das Wissen, gewinnen zu können. Ausserdem dürften Niederlagen nicht überbewertet werden. «Im Tennis ist es fast nicht möglich, das ganze Jahr konstant gute Leistungen zu zeigen, sondern gilt es, das Momentum zu erwischen.»

Top zu bleiben, stuft Bencic aufgrund der steigenden Erwartungen als schwieriger ein, als nach oben zu kommen. Sie betont aber, dass es auf dem Platz keinen Unterschied mache, ob man in der Weltrangliste vorne oder weiter hinten klassiert sei. «Die Gegnerin ist dieselbe. Das verstehen die Leute zum Teil nicht, vielmehr denken sie, dass man als Top-Ten-Spielerin bis in den Halbfinal alle wegputzen müsse. Aber so ist es leider wirklich nicht. Man muss auf sich selber hören und eine eigene Mentalität bilden, darf nicht den Druck von Aussenmeinungen verspüren.»