Berner Politiker legen sich für die Lauberhorn-Rennen ins Zeug

Der Streit zwischen dem Skiverband Swiss-Ski und den Veranstaltern der Lauberhornrennen hat die Politik auf den Plan gerufen. Zahlreiche Berner Nationalratsmitglieder haben einen offenen Brief unterzeichnet und ein Ende des Machtkampfs gefordert.

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Eindrückliche Fankulisse am Girmschbiel.
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Der Hundschopf gehört zu den spektakulären Passagen der Lauberhorn-Abfahrt (Archivbild).
Er gilt als «König» des Lauberhorns: der Wengener Karl Molitor.

Eindrückliche Fankulisse am Girmschbiel.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
(sda)

Die Weltcup-Skirennen am Lauberhorn seien sportlich, gesellschaftlich und volkswirtschaftlich von grösster Wichtigkeit, heisst es in dem vom Berner SVP-Nationalrat Lars Guggisberg verfassten Schreiben, das blick.ch am Freitag publik machte.

Der Ski-Klassiker in Wengen habe eine weltweite Ausstrahlung, nicht nur im Sport, sondern auch im Tourismus. Werde der Anlass aus dem Weltcup-Kalender gestrichen, stünden tausende Arbeitsplätze im Berner Oberland auf dem Spiel.

«Wir fordern Sie eindringlich auf, sich noch einmal an den Tisch zu setzen und eine Lösung zu finden, damit die Lauberhornrennen auch in Zukunft weiterhin stattfinden können», wenden sich die Poltikerinnen und Politiker an die Chefs von Skiverband und Rennorganisation. Und weiter: «Für die Skination Schweiz ist das Sterben der Lauberhornrennen undenkbar. Wir setzen grosses Vertrauen in Sie und bitten Sie, alles daran zu setzen, dass das Undenkbare nicht eintritt.»

Der Streit zwischen dem Skiverband um Präsident Urs Lehmann und dem Organisationskomitee der Lauberhornrennen um Urs Näpflin schwärt schon geraume Zeit. Seit diesem Jahr weiss auch die Öffentlichkeit darum. Gestritten wird um Einnahmen aus Fernsehrechten und deren Verteilung.

Der Fall ist beim internationalen Sportgerichtshof hängig. Aus diesem Grund beantragte der Skiverband, den Weltcup-Klassiker am Lauberhorn ab 2022 provisorisch aus dem längerfristigen Rennkalender des Weltverbandes zu streichen. Dagegen wehren sich die Wengener Organisatoren heftig.

Walliser in den Startlöchern

Sollte das «Lauberhorn» tatsächlich vom Rennkalender gestrichen werden, könnte davon Zermatt profitieren. Der Wintersportort plant zusammen mit dem italienischen Nachbarn Valtournenche die Durchführung von Damen- und Herrenabfahrten des Skiweltcups.

Im Wallis will man die Anstrengungen aber nicht als Konkurrenz zu Wengen verstehen: «Es ist nicht unsere Absicht, Wengen etwas wegzunehmen. Dieser Klassiker soll nicht aus dem Skizirkus verschwinden, denn er ist für den Schweizer Tourismus und den Skisport essenziell», wird der Zermattter Kurdirektor Daniel Luggen in einer Mitteilung vom Freitag zitiert. Diese Haltung widerspreche aber nicht dem Vorhaben der Destination Zermatt – Matterhorn, ihre eigenen Weltcuppläne voranzutreiben.

Mythos Lauberhorn

Die Lauberhronrennen gehören zusammen mit den Rennen auf der «Streif» in Kitzbühel (Ö) zu den bekanntesten Skirennen der Welt. Das Traditionsrennen im Berner Oberland fand erstmals in den 1930-er Jahren statt.

Dominatoren waren in den Anfangsjahren Einheimische wie «Lauberhornvater» Ernst Gertsch oder Karl Molitor. Mit der Professionalisierung des Sports siegten in Wengen klingende Namen wie Toni Sailer, Franz Klammer, Bernhard Russi oder Alberto Tomba. In jüngster Zeit gehörte der Emmentaler Beat Feuz zu den Lauberhorn-Cracks.

Vom Starthaus stürzen sich die Fahrer jeweils auf die 4,8 Kilometer lange Piste mit markanten Stellen wie Hundschopf, Brüggli- oder Kernen-S sowie dem berühmt-berüchtigen Zielhang der schon so oft über Sieg und Niederlage entschied.

Der Haneggschuss ist mit über 160 km/h die schnellste Passage im Skiweltcup. Damenrennen werden auf der Strecke keine ausgetragen. Keine mehr: denn gleich nach dem Krieg gab es ein solches.

Mit fünf Sekunden Vorsprung kam die «kühne Lina» ins Ziel, wie die Churerin Lina Mittner genannt wurde. Sie fuhr auch den Männern locker um die Ohren, wie sich einer ihrer damaligen Rennkollegen, der Wengener Karl Molitor, erinnerte.

Die Wertschöpfung der Rennen für die Region ist nicht unbeträchtlich. Eine Studie für das Jahr 2002 spricht von neun Millionen Franken.