Borussen-Duell im Schatten von Coronavirus und Fan-Kritik

Fan-Proteste, Coronavirus, Spitzenkampf: Im Vorfeld des heutigen Bundesliga-Spitzenspiels zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund steht der Fussball im Schatten anderer Schauplätze.

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Werden im Bundesliga-Spitzenspiel vom Samstag erneut Schmäh-Transparente gegen Dietmar Hopp zu sehen sein?

Werden im Bundesliga-Spitzenspiel vom Samstag erneut Schmäh-Transparente gegen Dietmar Hopp zu sehen sein?

KEYSTONE/DPA/UWE ANSPACH
(sda)

Es ist eine groteske Situation, in der sich die Bundesliga derzeit befindet. Die sportliche Lage mit vier Teams, die nach 24 Runden noch auf den Meistertitel schielen können, würde grundsätzlich zum Feiern einladen. Mehr noch, da mit Borussia Mönchengladbach und dem BVB heute (18.30 Uhr) zwei dieser Mannschaften im Direktduell aufeinander treffen, unter dem Schlagwort «Spitzenkampf». Grosse Euphorie ist in Fussball-Deutschland trotzdem nicht auszumachen, zu zahlreich sind derzeit die Nebengeräusche.

Da ist einerseits die Sorge rund um das Coronavirus, das auch den deutschen Fussball umtreibt, andererseits die Angst vor Fan-Eskalationen, wie sie am letzten Wochenende in etlichen Bundesliga-Stadien zu sehen gewesen waren. Nach den Schmäh-Attacken gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp setzten Klubs und Verband auf intensiven Gesprächsaustausch mit ihren Fans. Eine Massnahme, von der sich zumindest die Klubs einiges erhoffen. «Wir sind guter Dinge, dass wir am Wochenende nichts sehen werden, was unter Hass und Menschenverachtung fällt», sagte Gladbachs Mediensprecher Markus Aretz.

Auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc ist sich sicher, dass eventuelle Proteste im Rahmen bleiben. «Ich glaube, dass kein Spielabbruch droht», sagte er am Donnerstag. Weitaus kritischer reagierte die deutsche Fan-Szene auf die Gesprächsrunden, weitere Protestaktionen der Ultras seien auch für die 25. Runde geplant, heisst es da in einem Communiqué verschiedener Fan-Gruppen. «Wir Fans werden die Praxis vom letzten Spieltag nicht einfach so hinnehmen und im Zweifel weiter Unterbrechungen und auch Abbrüche in Kauf nehmen» schrieb der Zusammenschluss «Fanszenen in Deutschland».

Speziell in die Fan-Unruhen involviert sind dabei die Klubs aus Dortmund und Gladbach, weil die BVB-Anhänger nach wiederholten Hass-Tiraden gegen Hopp mit einer zweijährigen Stadionsperre in Sinsheim belegt wurden. Beim letzten Gladbacher Heimspiel gegen Hoffenheim wurde Hopp ebenfalls mit einem Fadenkreuz-Banner angegriffen. «Was aufhören muss, das sind Beleidigungen und Schmähungen gegen einzelne Personen», betonte Zorc. Für die Fans dagegen braucht es die «sofortige Aufhebung» der gegen die Supporter von Borussia Dortmund ausgesprochenen Kollektivstrafen zur Deeskalation sowie ein «ernsthaftes Interesse an einem Dialog» Seitens des DFB. Dieser habe bislang nicht stattgefunden, monierten die Fans.

Für Dortmunds Trainer Lucien Favre ist das Borussen-Duell der Auftakt einer Reihe von drei Spielen mit grosser Bedeutung. Nach dem Spiel in Mönchengladbach steht für die Mannschaft mit den Schweizern Roman Bürki, Marwin Hitz und Manuel Akanji das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Paris Saint-Germain an, danach das Revier-Derby gegen den Schalke 04. «Das ist eine ganz wichtige Woche. Da müssen wir das erste Spiel gut annehmen gegen einen unmittelbaren Konkurrenten. Wir müssen unsere Leistung im Vergleich zum letzten Spiel deutlich steigern», sagte Zorc. Eine ganz wichtige Woche: für Dortmund, für die Bundesliga.