Ski alpin

Corinne Suter ist in den schnellen Disziplinen jetzt die Gejagte

Mit zwei Super-G lancieren die Frauen am Wochenende in St. Moritz die Speed-Saison der Alpinen. Corinne Suter will an die jüngsten Erfolge anknüpfen. Wenig spricht gegen ein Gelingen.

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«Verkopfen» war einmal: Corinne Suter spürt keinen lähmenden Druck mehr
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Die 26-jährige Schwyzerin sticht in den Trainings mit dem Schweizer Team heraus
Siege, Medaillen und andere Trophäen: Seit Corinne Suter den Podest-Bann an der WM 2019 gebrochen hat, läufts wie am Schnürchen

«Verkopfen» war einmal: Corinne Suter spürt keinen lähmenden Druck mehr

KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA
(sda)

Corinne Suter ist angekommen - angekommen in St. Moritz, im neuen Weltcup-Winter, aber auch da, wo die Trainer sie schon lange sahen: mitten in der Weltspitze. Als Gewinnerin der Kristallkugeln in Abfahrt und Super-G ist die 26-Jährige in den Speed-Disziplinen nun die Gejagte. Keine fuhr in der letzten Saison so konstant auf höchstem Niveau wie sie, höchstens die Überfahrerin Mikaela Shiffrin, die aber nicht zu allen Speedrennen antrat und deren Siegeszug durch den plötzlichen Tod ihres Vaters abrupt gestoppt worden ist.

Auch für Suter war es eine ungewohnt lange Rennpause wegen des Abbruchs der letzten Saison aufgrund des Coronavirus. Umso grösser ist ihre Vorfreude, dass es nun richtig losgeht: «Ich kann es kaum erwarten. In den Trainings lief alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich fühle mich gut und will da anknüpfen, wo ich aufgehört habe. St. Moritz ist einer meiner Lieblingsorte, ich mag alles hier: die Piste, das Dorf, die Leute. Und hier habe ich mein erstes Speedrennen im Europacup bestritten.»

Natürlich stellt sich auch Suter auf einen Winter ein, in dem vieles nicht normal ist. Die Corona-Situation ist nach wie vor kompliziert, Vorschriften variieren von Land zu Land gleichermassen wie die Handhabung im Fall von positiven Fällen. Es gibt Reise- und andere Einschränkungen, Quarantäne-Pflichten, Skiverbote, Bubbles, und was heute gilt, kann morgen überholt sein. In St. Moritz sind Restaurants ab Samstag geschlossen, in Österreich gilt eine Quarantäne-Pflicht für Einreisende aus Risikoländern, in Frankreich und Italien stehen die Lifte still. In Finnland griffen die Behörden vor den Slaloms in Levi mit einem Komplett-Ausschluss des schwedischen Teams rigoros durch, als einer dessen Trainer bei der Anreise positiv getestet worden war.

Die Skirennfahrerinnen wissen dennoch um ihr Privileg. Immerhin wird es ihnen ermöglicht, für die eng getakteten Rennen vergleichsweise unkompliziert durch Europa zu reisen. Die Flut an Tests und Schnelltests soll bei der Ankunft in den Weltcup-Destinationen eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus verhindern. Sie ist eine von verschiedenen Hürden, welche die Athletinnen in dieser Ausnahmesituation nehmen müssen. «Es ist nicht einfach mit den Einschränkungen. Du musst so flexibel wie nur möglich sein», sagt Suter. Probleme bereitet ihr das nicht: «Alles Einstellungssache. Ich gehe das Ganze mit Ruhe und Gelassenheit an. Das Wichtigste ist, dass es weitergeht, dass wir wieder Rennen fahren können», betont sie.

Einstellungssache, Ruhe und Gelassenheit - die Begriffe liefern auch eine wesentliche Erklärung für die Wandlung, die Corinne Suter quasi über Nacht vollzogen hat. Die Zeit des Herantastens, der Lernprozess im Umgang mit Druck zogen sich hin bei ihr. Während mehreren Wintern schaffte sie es nicht, die guten Leistungen vom Training in die Wettkämpfe zu übertragen. Sie habe sich «verkopft», sagten die Trainer und sie selbst immer mal wieder. Es war das geflügelte Wort, das ihre Situation treffend ausdrückte.

Wie sich herausstellte, brauchte es genau dieses eine Top-Ergebnis, den berühmten Dosenöffner. Bei Corinne Suter war es der 3. Platz im WM-Super-G von Are Anfang Februar 2019. Der Erfolg katapultierte sie schlagartig auf ein neues Niveau. Seit diesem Rennen ist Suter auf den Podests fast schon Stammgast. Es folgten eine zweite WM-Medaille in Are (Silber in der Abfahrt) und der erste Podestplatz im Weltcup (Dritte in Crans-Montana) noch im selben Monat sowie die ersten Weltcupsiege und zwei Kristallkugeln im folgenden Winter. Offensichtlich fiel mit der ersten WM-Medaille eine Last ab, die wie ein Bremsklotz gewirkt hatte.

Was so lange währte, vollzog sich danach in Windeseile. Die Selbstzweifel waren weg, das Selbstvertrauen da. Mit dem Selbstverständnis einer Disziplinensiegerin sagt sie nun: «Wenn mir eine einigermassen gute Fahrt gelingt, bin ich vorne dabei.»