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Darum wirft «Krieger» Valon Behrami den Bettel hin und löst beim FC Sion seinen Vertrag auf

Im Sommer als Königstransfer angekündigt, ist die Liaison zwischen dem langjährigen Schweizer Nationalspieler und dem Super-League-Vierten aus dem Wallis schon nach drei Monaten beendet. Der 34-jährige Mittelfeldspieler konnte die Erwartungen zu keinem Zeitpunkt erfüllen. Physisch war er den Anforderungen nicht mehr gewachsen.
Markus Brütsch
Da war die Welt noch in Ordnung: Valon Behrami wird beim FC Sion vorgestellt. (Bild: key).

Da war die Welt noch in Ordnung: Valon Behrami wird beim FC Sion vorgestellt. (Bild: key).

Kevin Fickentscher geht zwar ans Telefon – nur, sagen will der Torhüter des FC Sion zu dieser Causa nichts. Zu delikat offenbar. Nur nicht das Maul verbrennen.

Was war passiert?

Am späten Mittwochabend hatte das Tessiner Fernsehen auf seiner Homepage verkündet, dass Valon Behrami seinen Vertrag beim FC Sion per sofort auflösen werde. «Behramis Abenteuer in Sion ist zu Ende», lautete der Titel. Wobei eher die Überschrift gepasst hätte: «Das Ende des grossen Missverständnisses zwischen Behrami und dem FC Sion».

Im Juli hatte der Walliser Super-League-Klub euphorisch den Wechsel des 34-jährigen Nationalspielers von Udinese ins Tourbillon verkündet. Mit einem Vertrag bis 2021. Gefeiert in den Medien auch als Königstransfer. Jahrelang hatte Präsident Christian Constantin bei Behrami gebohrt. Dabei hätten die Alarmglocken bei ihm eigentlich schrillen müssen, angesichts des Beispiels von Gennaro Gattuso, der vor sieben Jahren als ebenfalls 34-Jähriger nach 467 Partien für die ruhmreiche AC Milan mit einem Zweijahresvertrag zum FC Sion gestossen war und die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Trotz des Weltmeistertitels und 73 Länderspielen auf der Visitenkarte.

Ob Constantin tatsächlich gedacht hatte, es käme mit Behrami besser als mit Gattuso, muss bezweifelt werden. Constantin gilt als Fussballkenner. Er hatte wohl einfach nur gehofft, es komme gut. Und wenn nicht, dann würde es zumindest ein zünftiger Promo-Coup gewesen sein, den 83-fachen Ex-Internationalen nach 333 Spielen in der Premier League, der Serie A und der Bundesliga ins Wallis gelotst zu haben. Zumal dessen Ehefrau, die Spitzenskifahrerin Lara Gut, ja auch noch für viel Glamour im Tal gesorgt hätte. Noch Anfang dieser Woche hatte sich Constantin etwas vorgemacht, als er im „Le Matin“ tapfer sagte:

«Bald werden wir den echten Behrami sehen.»

«Ein grosser Fehler» bei Sion zu unterschreiben

Für Insider ausserhalb des Klubs, im Wallis wie im Tessin, ist es aber keine Überraschung, was nun geschehen ist. Bereits im September, als die Schweizer Nationalmannschaft, aus der Behrami im Sommer 2018 zurückgetreten war, in Dublin gegen Irland spielte, hatten Tessiner Journalisten berichtet, der Spieler habe ihnen anvertraut, es sei ein grosser Fehler gewesen, beim FC Sion zu unterschreiben. Er habe durchblicken lassen, von den Verhältnissen beim Klub nicht angetan zu sein. Aber er ahnte wohl einfach, dass er selber die Erwartungen nicht erfüllen konnte und das physische Anspruchsniveau der Super League unterschätzt hatte.

Zu jenem Zeitpunkt hatte sich bereits die erste Ernüchterung breitgemacht. Denn schon die erste Partie war unter einem schlechten Stern gestanden, als Behrami im Heimspiel gegen den FC Basel die 1:4-Niederlage mit einem haarsträubenden Fehlpass eingeleitet hatte. Stéphane Fournier von der Zeitung «Le Nouvelliste», die im Übrigen von Constantin noch immer boykottiert wird, sagt:

«Behrami war beim Saisonstart noch gar nicht bereit für Einsätze in der Super League.»

Und weiter: «Er war im Frühjahr bei Udinese verletzt gewesen und bestritt dann nach seiner Ankunft in Sion gerade Mal ein einziges Vorbereitungsspiel. Das konnte nicht gut gehen.»

Tatsächlich: Stand Behrami auf dem Platz, waren die Resultate schlechter, als ohne ihn. Die Serie von fünf Siegen fand grossmehrheitlich ohne ihn statt, und als ihm Trainer Stéphane Henchoz vor acht Tagen im Heimspiel gegen St. Gallen (1:2) zum Comeback verhalf und in die Startformation nahm, ging der Schuss nach hinten los. Sion spielte schlecht, Behrami noch schlechter und als ihn Henchoz vom Feld nahm, stand es 0:2 und die Zuschauer pfiffen. Es sei kein gellendes Pfeifkonzert gewesen, sagen Beobachter, die im Tourbillon gewesen waren. Aber eindeutig gegen den Spieler gerichtete Unmutsäusserungen, die den stolzen «Krieger» wohl sehr im Stolz verletzt hatten. Zumal im «Nouvelliste» der frühere Trainer Gabet Chapuisat erklärt hatte:

«Behrami ist nicht auf der Höhe. Sion braucht keinen Behrami.»

Bild mit Symbolcharakter: Valon Behrami ist beim FC Sion gestrauchelt (Bild: key)

Bild mit Symbolcharakter: Valon Behrami ist beim FC Sion gestrauchelt (Bild: key)

Vielleicht war dies der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Im folgenden Spiel in Bern gegen YB (2:3-Niederlage) stand Behrami nicht mehr im Aufgebot. Offiziell des Kunstrasens wegen, der für seinen lädierten Körper nicht gut sei.

Behrami hat Zeit seiner Karriere von seiner Physis gelebt, nie eine technisch feine Klinge geführt. Dank seiner Siegermentalität, seines bedingungslosen Einsatzes wurde er aber von vielen Trainern geschätzt und immer eingesetzt, wenn er fit war. Als «Krieger» hat er oft grossen Anteil an grossen Siegen gehabt, wie beim 2:1 gegen Ecuador bei der WM 2014 in Brasilien im Trikot der Schweizer Nati.

Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende

Aber wenn Behrami nicht fit ist und läuferisch nicht vorangehen kann, kann er einem Team nicht helfen. Dann ist es ihm unmöglich, seine Mentalität auf die Mannschaft zu übertragen. Auch daran ist sein Engagement in Sion gescheitert. Behrami war zunehmend mit Kritik nicht mehr klar gekommen und dünnhäutig geworden. Journalisten die ihn kennen und langjährige Wegbegleiter waren, sagen unverhohlen, Lara Guts Einfluss auf den Spieler sei nicht gut. Sie sind enttäuscht, dass er nicht einmal mehr SMS beantworte.

Jetzt also räumt Behrami sein Haus, das extra für ihn noch mit einem Fitnessraum bestückt worden war. «Valon war enttäuscht, dass er sein Potenzial nicht ausschöpfen und seinen üblichen Kampfwillen nicht aufs Feld bringen konnte», sagte nun Constantin heute Donnerstag in einer Mitteilung des FC Sion. Er dürfe froh sein, den Grossverdiener von der Lohnliste zu haben. Behrami sagte, die Vertragsauflösung erfolge im gegenseitigen Einvernehmen, und er werde im Januar sondieren, ob er seine Karriere im Ausland weiterführen soll oder ihr ein Ende setzen. Für den Abschnitt beim FC Sion gilt aber: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Das war übrigens auch bei den früheren Rückkehrern Raphael Wicky und Gelson Fernandes nicht anders.

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