Der lange Weg zurück zur Normalität

Die Welt des Spitzensports sehnt sich nach der Normalität zu Zeiten vor der Coronavirus-Krise. In der Leichtathletik ist nun der Weg zurück zum Alltag mit Wettkampf, Training und Emotionen vorgespurt.

Drucken
Teilen
Mujinga Kambundji nach dem Gewinn der WM-Bronzemedaille über 200 m in Doha 2019. Die Emotionen des Wettkampfes rücken nach der zweiten Lockerungswelle in der Coronavirus-Krise einen Schritt näher.

Mujinga Kambundji nach dem Gewinn der WM-Bronzemedaille über 200 m in Doha 2019. Die Emotionen des Wettkampfes rücken nach der zweiten Lockerungswelle in der Coronavirus-Krise einen Schritt näher.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
(sda)

Den Bundesratsentscheid vom Mittwoch nahm der Schweizer Sport wohlwollend zur Kenntnis. Er wurde nun doch von der zweiten Welle der Lockerungen ab dem 11. Mai erfasst, die Spitzensportler geniessen sogar zusätzliche Freiheiten. Und prompt: Ein erstes Schutzkonzept von Swiss Athletics plausibilisierten die zuständigen Stellen bereits am Donnerstagmorgen um 6:59 Uhr, die Leichtathletik darf wieder loslegen. Sie nimmt somit die erste Hürde zurück zur Normalität. Ob es dann gleich deren zehn sein werden wie in einem Wettkampf? Kaum, aber die nächsten Hindernisse bis Ende Jahr sind zahlreich.

Ein erstes Schutzkonzept regelt nun die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs – unter der Einhaltung BAG-Grundsätze. Die Leichtathletik mit den grosszügigen Platzverhältnissen in und ausserhalb der Stadien geniesst gegenüber anderen Sportarten einen Vorteil. Einzig der Orientierungslauf hat es wohl noch einfacher. Knifflig präsentiert sich primär die Situation bei Bahnläufern ab 400 m. Im Gruppetto die Runde drehen, das geht (noch) nicht. Auch im Kraftraum müssen neue Regeln aufstellt werden und die Garderoben und die Duschen bleiben grundsätzlich geschlossen.

«Im Spitzensport kann grösstenteils normal trainiert werden, beim Breitensport und im Nachwuchs gibt es hingegen noch grössere Einschränkungen», sagte Philipp Bandi, der Leistungssport-Chef bei Swiss Athletics.

Die Aktiven wären also fit, um ab dem 8. Juni – dann beginnt die dritte Lockerungswelle – sich wieder in Wettkämpfen zu messen. Aber wann und wo? In diesem Bereich laufen die Abklärungen auf Hochtouren. Über allem steht der Wille, den Schweizer Athleten 2020 Startmöglichkeiten in der Schweiz und gegen Ende Saison womöglich im nahen Ausland zu offerieren.

Zweites Schutzkonzept

«Um Wettkämpfe durchzuführen, müssen wir ein separates Schutzkonzept einreichen», betonte Bandi. Dort werde unter anderem geregelt sein, wie die Athleten an- und abreisen, wie viele Sportler auf einmal im Stadion sein dürfen, welche Zeitfenster für einzelne Disziplinen gelten oder ob auch ein paar hundert Zuschauer zugelassen sind.

In der Praxis läuft es somit auf Mikro-Meetings hinaus, in denen die Disziplinen gestaffelt oder mehrmals am gleichen Tag angeboten werden. Im Juni dürften die Restriktionen enger ausfallen als im September. «Wir arbeiten darauf hin, dass wir die Schweizer Meistertitel 2020 vergeben», hielt Bandi fest.

Die nationale Saison mit Trainings und Meetings wird allerdings nicht allein von Swiss Athletics gesteuert. Der Verband gibt zwar das Schutzkonzept vor, aber dieses müssen dann die Vereine nochmals auf ihre Gegebenheiten adaptieren. Und wichtig: Letztlich entscheidet der Anlagebetreiber. Weil das Leichtathletik-Gelände in der Regel der Gemeinde gehört, gibt am Schluss die kommunale Politikbehörde grünes Licht. Es kann sein, dass nicht alle Anlagebetreiber gleich entscheiden werden.

Internationale Saison kaum möglich

Eine internationale Saison mit den Schweizer Höhepunkten Athletissima Lausanne und Weltklasse Zürich wird in der gewohnten Form nicht möglich sein. Hier kommen Probleme wie Risikogebiete, Grenzschliessungen, Reisebeschränkungen oder Quarantänen hinzu. Die Athletissima und Weltklasse Zürich stehen aber mit Swiss Athletics in engem Kontakt, um ein Alternativ-Programm anzubieten. Die Ideen sind vielfältig, spruchreif ist aber noch nichts. Aber zumindest internationale Wettkämpfe Ende Saison mit einem oder mehreren Nachbarländern wären eine realistische Option.