Der Schweizer Fussball verliert Persönlichkeiten

Tranquillo Barnetta, Steve von Bergen, Alain Nef, Claudio Lustenberger, Nelson Ferreira: Eine Reihe von Spielern aus dem Inventar der Super League beendet mit dieser Saison die Karriere.

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Alain Nef war ein Kämpfer im Dienst der Sache (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
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Ob in St. Gallen oder im Ausland - Tranquillo Barnetta war immer er ein ehrlicher Fussballer (Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)
Steve von Bergen darf sich mit gutem Gewissen vom Berner Publikum verabschieden (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)
Die treue Seele Claudio Lustenberger verabschiedet sich vom Luzerner Publikum (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Nelson Ferreira - echter Interlakner mit portugiesischem Namen. Dem FC Thun gehörte sein Herz (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Alain Nef war ein Kämpfer im Dienst der Sache (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)

(sda)

Gibt es Parallelen zwischen Tennis, Schwingen und Fussball? Kaum. Ausser dass die Besten im Alter zwischen 33 und 37 Jahren an den Rücktritt denken und dann tatsächlich zurücktreten. Roger Federer, Arnold Forrer und diverse Torhüter sind Ausnahmen. In diesen Tagen müssen die Schweizer Fans von einer Reihe von Spielern Abschied nehmen, die den hiesigen Spitzenfussball geprägt haben. Auf drei von ihnen gehen wir näher ein.

Alain Nef (37). Gerne hätte der Zürcher von der Pfnüsel-Küste vor dem Rücktritt noch seine insgesamt 15. Saison im Dress des FCZ gespielt, aber er hat keinen Einjahresvertrag mehr bekommen. Im Letzigrund, aber auch in seinen drei Jahren ab 2010 im Stade de Suisse lieferte Nef solide, ehrliche Arbeit ab, was auch den Fans nie verborgen blieb. Er stand ab 2006 zwei Jahre bei Piacenza und fünf Jahre bei Udinese unter Vertrag. Es war nicht die grosse internationale Karriere, zumal Udinese ihn an drei kleinere Klubs auslieh, zuletzt an YB. Nef entwickelte sich vom langsamen zum sehr langsamen Spieler, machte aber das Manko mit anderen Qualitäten wett. Seine Spezialität: Kopfballtore als Verteidiger. Sein schönster Moment: Der Meistertitel 2006 mit dem FCZ unter Lucien Favre.

Tranquillo Barnetta (34). Tranquillo Barnetta und der FCSG: Eine engere Identifikation gibt es kaum. «Quillo», der Ur-St.-Galler, war 13 Jahre lang in der Welt unterwegs. In der Schweiz spielte er aber nur für St. Gallen, so auch die letzten zwei Saisons. Die beste Zeit hatte der 75-fache Internationale als Offensivspieler bei Bayer Leverkusen. Er war auch dort populär. Mit ihm wurden TV-Spots gedreht. Der Abschied vor dem St. Galler Publikum am Mittwoch hätte kaum schöner sein können. 4:1-Sieg gegen Meister YB, das Tor zum 2:0 kurz vor der Pause, der verschossene Foulpenalty kurz vor Schluss - und das alles am 34. Geburtstag.

Steve von Bergen (35). Am 10. Juni wird der Neuenburger 36 Jahre alt, weniger als einen Monat vor seinem besten Kumpel Raphaël Nuzzolo. Während Nuzzolo im fortgeschrittenen Alter im Dress von Neuchâtel Xamax der bessere Goalgetter ist als je zuvor, nimmt SvB, wohl überlegt und ohne Not, Abschied. Mit seiner Spielstärke und seiner Erfahrung hätte er als Innenverteidiger wie auch als Captain der Young Boys wohl noch eine Saison weiterfahren können. Jetzt hört er so auf, wie er nach seinem Wegzug aus Neuenburg 2005 begonnen hatte: Mit einem Meistertitel und der erfolgreichen Titelverteidigung. In Zürich glückte ihm dies unter Lucien Favre, unter dem er später auch bei Hertha Berlin spielte. In Bern waren Adi Hütter und Gerardo Seoane seine Meistertrainer. Die Zeit in Bern bezeichnet Steve von Bergen, der 50 Mal für die Schweiz spielte, als seine schönste Zeit. Bei jeder Gelegenheit erwähnt er, wie er sich von den Fans, von der Stimmung in Bern elektrisieren lasse. Dass seine Heimat Neuenburg für einen Spieler mit Arbeitsort Bern nicht abgelegen ist, tut auch etwas zur erfreulichen Sache.