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Der späte Schweizer Knock-out in São Paulo

An der WM 2014 wird die Schweiz direkt vor dem Penaltyschiessen im Achtelfinal von Argentinien (0:1) gestoppt. Nach dem Schmerz überwiegt die Gewissheit, weiter Fortschritte gemacht zu haben.
Musste nach seiner Derniere im WM-Achtelfinal 2014 gegen Argentinien untröstliche Spieler (hier Goalie Diego Benaglio) stützen: Ottmar Hitzfeld (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Musste nach seiner Derniere im WM-Achtelfinal 2014 gegen Argentinien untröstliche Spieler (hier Goalie Diego Benaglio) stützen: Ottmar Hitzfeld (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

(sda)

In der Retrospektive des letzten Schweizer WM-Projekts bleiben primär die letzten Minuten der Verlängerung im Achtelfinal gegen Argentinien haften. Zum einen Lionel Messis Sprint über den halben Platz und andererseits das späte Tor von Angel Di Maria. Bis zur 118. Minute hatte die SFV-Auswahl exzellent verteidigt, der womöglich grösste Coup in der Verbandsgeschichte kam bis kurz vor Schluss in Frage.

Blerim Dzemaili hätte das Drehbuch mit seiner Last-Minute-Aktion umschreiben können. Im wilden Finish der Schweizer setzte der Zürcher einen Kopfball aus kurzer Distanz an den Pfosten. Ein paar Zentimeter vielleicht fehlten, ein Wimpernschlag zu Gunsten des Aussenseiters, ein Prozent Glück hätte die Schweizer Equipe gegen den zweifachen Weltmeister benötigt.

Die Albiceleste taumelte, sie hatte zu leiden, fiel aber nicht. Ein paar Sekundenbruchteile nach dem letzten Pfiff stürmte die Entourage der Gauchos wie von Sinnen den Rasen - die Ersatzspieler, die Physios, die übrigen Betreuer, die Trainer, der Druckverlust war enorm. Coach Alejandro Sabella sprach hinterher von einem der "aufregendsten Spiele" seines Lebens - seine Bemerkung durften die Verlierer durchaus als indirektes Kompliment für ihre Leistung auffassen.

So schwer sich die bitter enttäuschten Schweizer mit dem Ergebnis taten, so sehr drang bei der Aufarbeitung des "Schocks" (Hitzfeld) der Stolz durch, einen Giganten des Weltfussballs ernsthaft bedrängt zu haben. Die Standing Ovation der über 40'000 brasilianischen Anhänger in der Corinthians-Arena schmälerte den Frust. "Wir können mit den Weltbesten mithalten. Das haben wir heute gegen Argentinien gezeigt", betonte Stephan Lichtsteiner in der Mixed-Zone.

In São Paulo endete nicht nur der Traum von weltweiten Schlagzeilen, sondern auch eine der global beeindruckendsten Trainerkarrieren: Ottmar Hitzfeld, der Winner-Typ in Reinkultur, musste mit einer Niederlage abtreten. Nach 31 Jahren im Geschäft zog sich der Deutsche zurück. "Ich bin stolz auf meine Laufbahn, in der ich auch viel vom Glück begünstigt worden bin."

Die finalen 180 Sekunden ihrer beispiellosen Erfolgsära nahm die Bayern- und Dortmund-Ikone wie einen komprimierten Spielfilm wahr. "In den letzten drei Minuten habe ich nochmals alles erlebt, was einem während eines ganzen Trainerlebens passieren kann." Der Mann ohne öffentliche Gefühlsschwankungen liess die entscheidenden Szenen entgegen seiner Gepflogenheiten ziemlich bewegt Revue passieren.

In seiner Analyse verglich Hitzfeld die Dramaturgie mit jener im Champions-League-Final der Bayern 1999, als die Münchner in der Overtime gegen Manchester United innert weniger Sekunden eine 1:0-Führung verspielt hatten. "Ich erlebte so etwas schon einmal, als wir innerhalb kurzer Zeit alles verloren hatten. Das war ähnlich heute."

Zeit zur Korrektur erhielt er keine mehr. Hitzfeld hat sich aus eigenem Antrieb für die internationale Derniere entschieden - in einem Land, das Fussball lebt, das diesen Sport täglich atmet. Bereits im Vorfeld hatte der Lörracher Brasilien als Fussball-Paradies bezeichnet.

Durch die Hintertür verliess er das Turnier auf dem Boden des Rekordweltmeisters keineswegs, er ging wie der Rest des Teams: mit erhobenem Haupt und der Gewissheit, die SFV-Auswahl auf hohem internationalen Level etabliert und taktisch nachhaltig strukturiert zu haben.

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