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«Der Trainer glaubt, dass ich mein bestes Rennen noch vor mir habe»

Die 37-jährige Nicola Spirig bleibt auch als mittlerweile dreifache Mutter die unangefochtene Schweizer Leaderin bei den Kurzdistanz-Triathleten.
Nicola Spirig ist auch heute Samstag am Grand Final der WM-Serie in Lausanne die Schweizer Hoffnungsträgerin (Bild: KEYSTONE/VALENTIN FLAURAUD)

Nicola Spirig ist auch heute Samstag am Grand Final der WM-Serie in Lausanne die Schweizer Hoffnungsträgerin (Bild: KEYSTONE/VALENTIN FLAURAUD)

(sda)

Am Grand Final der WM-Serie in Lausanne ist die Olympiasiegerin von 2012 und Olympia-Zweite von 2016 die grösste Schweizer Hoffnungsträgerin auf eine Topklassierung. Und dies nur gut viereinhalb Monate nach der letzten Babypause.

Das grosse Ziel von Spirig sind die Olympische Spiele 2020 in Tokio. Bei den Frauen hat nur sie bislang zwei Olympiamedaillen gewinnen können. Tokio wären die fünften Olympischen Spiele, was ein weiterer Rekord in der Dreikampf-Szene wäre. Einzig bei der Triathlon-Premiere in Sydney 2000 war die heute 37-jährige Zürcher Unterländerin noch nicht dabei.

Nachfolgend ein Interview der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit Spirig vor dem Grand Final in Lausanne.

Wie beurteilen Sie ihre Leistungen in den bisherigen Wettkämpfen seit Anfang Juli?

Nicola Spirig: «Die Wettkämpfe verliefen im Grossen und Ganzen gut. Mit der Vorbereitung und dem Stand bin ich sehr zufrieden. Es war und ist immer noch kurz nach der Geburt des dritten Kindes vor 20 Wochen. Bei den Triathlons in Zürich und Uri büsste ich nach einem harten Radfahren noch etwas im Laufen dafür.»

Sie hatten nach der Geburt des zweiten Kindes gesagt, dass Sie schneller wieder fit geworden seien als nach der Geburt des ersten Kindes. Verlief nun die Rückkehr zu einer guten Fitness beim dritten im Vergleich zum zweiten Kind nochmals besser?

«Ich bin selbst überrascht, wie gut der Formaufbau verlief. Es war jetzt vielleicht noch einmal besser. Möglicherweise auch wegen meiner Erfahrung. Dass es bis jetzt so gut und reibungslos gegangen ist, heisst aber nicht automatisch, dass es bis zu Olympia so bleiben wird. Und natürlich bin ich froh um die Unterstützung, die ich von meinem Mann Reto erhalte, der seinen grossen Anteil dazu beiträgt.»

Inwiefern gestaltet sich der Alltag nochmals anders im Vergleich zu zwei Kindern?

«In der Nacht zwei bis dreimal aufstehen ist nicht neu. Aber wieder neu mit dem dritten Kind. Die Erholung wird sicher nicht mehr. Ein Kind braucht immer Aufmerksamkeit. Reto und ich haben das Gefühl, drei fantastische Kinder zu haben. Ich möchte es nicht anders haben und geniesse es. Aber es ist auch eine Challenge.»

Die Olympia-Fahrkarte haben Sie bereits zur Hälfte gelöst.

«Das Hauptkriterium einer Top-10-Klassierung in der WM-Serie habe ich mit Platz 8 Anfang Juli in Hamburg erfüllt. Jetzt muss ich noch im Olympia-Ranking in den Top 45 bleiben, um die Qualifikation abzusichern. Dies sollte gut klappen, wenn ich nicht verletzt bin. Im Olympia-Jahr muss ich noch einen Formnachweis erbringen, was auch in meinem Sinn ist. Ich will nur bei Olympia dabei sein, wenn ich fit und wettbewerbsfähig bin. Das Ziel ist die Qualifikation mit dem Team, damit mindestens je zwei Männer und Frauen im Einzel in Tokio für die Schweiz starten können.»

Was läge bei einer für einmal reibungslosen Vorbereitung und einem entsprechenden Wettkampf drin? Beim Goldgewinn in London 2012 plagten Sie Krämpfe auf der Laufstrecke, in der Vorbereitung auf Rio wurden Sie durch einen Handbruch zurückgebunden.

«Olympia ist nur ein Tag in vier Jahren. Das alles perfekt läuft, davon kann man nicht ausgehen. Es wird extrem und vor allem heiss in Tokio sein. Die Bedingungen müssen gut vorbereitet werden. Meine individuelle Herausforderung sind die drei Kinder und das ganze Drumherum. Doch das ist auch das Spannende für mich. Wir werden unser Bestes geben, dann sehen wir, was drin liegt. Mein Trainer Brett Sutton hat immer noch das Gefühl, dass ich mein bestes Rennen noch vor mir und nicht hinter mir habe.»

Sie liessen den Olympia-Testevent vor gut zwei Wochen in Tokio aus.

«Mit einem zu diesem Zeitpunkt 18-wöchigen Baby wäre die Reise aufgrund der Zeitumstellung und des anderen Klimas nicht sehr sinnvoll gewesen, wenn man zwei Wochen später in Lausanne gut sein will. Deshalb entschieden wir uns dagegen.»

Apropos Tokio. Der Triathlon der Frauen wurde beim Testevent verkürzt, unter anderem weil die Luft- und die Wassertemperatur die 30-Grad-Marke schon um 7 Uhr überschritten. Vom Weltverband war zu hören, dass dies auch bei Olympia der Fall der Fall sein könnte. Dies zum Schutz der Gesundheit der Athleten, wie es heisst. Wie lautete Ihre Meinung dazu?

«Für mich ist klar, dass ich an den Olympischen Spielen über die olympische Distanz starten möchte. Ein Olympiasieg sollte über die Originaldistanz vergeben werden. Der Marathon wird ja auch nicht aufgrund der Hitze verkürzt. Es werden in Tokio mit der Hitze sehr schwierige Verhältnisse herrschen, es ist jedoch für alle Athleten die gleiche Herausforderung.»

Was würde der Rekord von fünf Olympia-Teilnahmen als bislang einziger Dreikämpfer für Sie persönlich bedeuten?

«Das bedeutet mir nicht soviel. Ich bin es einfach noch nicht leid geworden, an Olympia zu gehen. Ich gehe jedoch nicht wegen des Rekordes, sondern weil ich nochmals mein Bestes zeigen will. Ich werde nur antreten, wenn mein Formstand ausreichend ist, ich mich zum Kreis der vielleicht zehn Medaillenanwärterinnen zählen kann.»

Welchen Stellenwert hat nun der Grand Final in Lausanne innerhalb der Planung für Tokio 2020? Die WM-Medaillen werden ja auf Grund der WM-Serie vergeben. Sie könnten das Podest am Renntag schaffen, ohne mit einer Medaille belohnt zu werden.

«Es ist für mich eine Heim-WM. Es ist eine Freude, dass ich da starten kann. Auch wenn ich noch nicht in Topform bin. Für ein Podest wird es in Lausanne sicher noch nicht reichen. Ich bin noch nicht so fit, wie ich es zu diesem Zeitpunkt der Saison normalerweise bin. Aber ich bin auf gutem Weg. Eine Top-10-Klassierung würde mich freuen. Ein Podest wäre auch ohne Medaillengewinn ein riesiger Erfolg, denn es handelt sich um den WM-Final der Serie, die ich wegen der Babypause in diesem Jahr nicht bestreiten konnte.»

Am unterklassigen Weltcup gewannen Sie im Vorjahr auf der gleichen Strecke in Lausanne. Die Konkurrenz wird diesmal allerdings stärker sein.

«Es wird sich wohl eine erste Radgruppe mit den schnellsten Schwimmerinnen bilden. Die werden schwierig einzuholen sein. Doch die Radstrecke ist anspruchsvoll. Und wir hatten im Camp in St. Moritz daraufhin gearbeitet, dass ich auch mit alleiniger Führungsarbeit auf dem Velo gerüstet bin, die Lücke zu schliessen. Ich werde mein Bestes geben, um mit den Ersten auf die Laufstrecke zu gehen.»

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