EM-Qualifikation

Die Schweizer Frauen verspielen die direkte EM-Qualifikation

Dem Schweizer Frauen-Nationalteam droht ein bitteres Déjà-vu. Das Team von Trainer Nils Nielsen verpasst in der EM-Qualifikation durch ein 0:4 in Belgien den Gruppensieg und muss evtl. in die Barrage.

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Ana-Maria Crnogorcevic und die Schweizerinnen müssen auf dem Weg an die EM 2022 womöglich eine Zusatzschlaufe einlegen

Ana-Maria Crnogorcevic und die Schweizerinnen müssen auf dem Weg an die EM 2022 womöglich eine Zusatzschlaufe einlegen

KEYSTONE/SCHWEIZERISCHER FUSSBALLVERBAND
(sda)

Weil in anderen Gruppen Spiele noch ausstehen, erfahren die Schweizerinnen erst 2021, ob sie das direkte Ticket als eine der besten drei Gruppenzweiten erhalten oder im April eine Barrage bestreiten müssen. Italien in der Gruppe B sowie Finnland oder Portugal in der Gruppe E könnten der SFV-Auswahl den Platz noch wegschnappen. 2018 war der Schweiz in der WM-Qualifikation der Gruppensieg ebenfalls im letzten Spiel entglitten. In den Playoffs war die Niederlande nach überstandenem Halbfinal gegen Belgien zu stark.

Die Niederlage in Leuven handelten sich die Schweizerinnen mit einem sehr schwachen Auftritt ein. «Wir waren richtig schlecht, liessen alles vermissen, was es für so ein Topspiel braucht. Wir verloren praktisch jeden Zweikampf, waren fast immer einen Schritt zu spät», sagte Ana-Maria Crnogorcevic im SRF-Interview nach der Partie. Es kam aber auch fast alles zusammen, was schlecht hätte laufen können.

Im Duell um den Gruppensieg lief nichts, aber auch gar nichts für die Schweizerinnen. Als schwerwiegend stellte sich der Ausfall der positiv auf das Coronavirus getesteten Stammkeeperin Gaël Thalmann heraus. Ihre Stellvertreterin Elvira Herzog machte mehrmals eine unglückliche Figur. Sie hatte von Nielsen den Vorzug vor Seraina Friedli erhalten, obwohl ihr die Spielpraxis in der deutschen Bundesliga fehlt. Ihren letzten Einsatz hatte sie Ende Juni noch in der alten Saison.

Quasi aus heiterem Himmel und unter Mithilfe von Herzog gerieten die Schweizerinnen nach 24 Minuten mit der ersten gegnerischen Offensivaktion in Rückstand. Nach 40 Minuten schied mit Lia Wälti das Herzstück im Mittelfeld mit einer Hirnerschütterung aus, kurz darauf fiel nach einem ärgerlichen Ballverlust von Eseosa Aigbogun an der Grundlinie das 0:2. Beim 0:3 lenkte Herzog einen Corner von Tessa Wullaert ins eigene Tor, den letzten Treffer erzielte in der 85. Minute Janice Cayman mit einem Schuss ins nahe Eck. Der gefürchtete belgische Angriff, vor dem Nielsen gewarnt hatte, schlug damit viermal zu.

Zu allem Schlechten an diesem Abend kam hinzu, dass auch die Konkurrenz in den anderen Gruppen nicht mitspielte. Weil Österreich gegen Serbien spät zum 1:0 traf und gewann, war nach einer Viertelstunde klar, dass sich die Schweizerinnen - obwohl bis dahin ungeschlagen - keine Niederlage leisten können, um nach dem Schlusspfiff zu jubeln. Das einzig Positive ist, dass ihnen mindestens der Weg über die Barrage bleibt.

Als wäre es ein Vorbote für das herannahende Unheil gewesen, war kurz nach Spielbeginn der Strom ausgefallen. Der rund zehnminütige Unterbruch schien den Schweizerinnen aber zunächst nicht schlecht bekommen zu sein, 20 Minuten lang waren sie in der Folge spielbestimmend. Als der belgische Sturm ein erstes Mal in Erscheinung trat, stand es aber 0:1. Tessa Wullaert verschaffte sich auf der linken Aussenbahn Platz, ihre Flanke segelte Richtung Fünfmeterraum, dort war aber nicht Herzog zur Stelle, sondern der Kopf der späteren Doppeltorschützin Tinne De Caigny. Ab da funktionierte bei den verunsicherten Schweizerinnen nichts mehr.

Belgien - Schweiz 4:0 (2:0)

Leuven. - Keine Zuschauer. - SR Pustowojtowa (RUS). - Tore: 24. De Caigny (Wullaert) 1:0. 45. De Caigny (Cayman) 2:0. 73. Wullaert 3:0. 85. Cayman (Wullaert) 4:0.

Belgien: Odeurs; Deloose, Biesmans (93. Jaques), Deneve, Philtjens; Missipo, Vanhaevermaet, Minnaert; Cayman, De Caigny, Wullaert (91. Eurlings).

Schweiz: Herzog; Crnogorcevic, Calligaris, Bühler, Aigbogun (61. Rinast); Gut, Wälti (40. Fölmli); Reuteler, Bachmann, Sow (77. Bernauer); Lehmann (61. Humm).

Bemerkungen: Schweiz ohne Thalmann (Coronavirus), Kiwic und Maritz (beide verletzt). 45. Lattenschuss Wullaert. Verwarnungen: 62. Reuteler (Foul), 64. Missipo (Foul).

EM-Qualifikation der Frauen. Gruppe H. In Leuven: Belgien - Schweiz 4:0 (2:0). In Pula: Kroatien - Rumänien abgesagt. - Rangliste: 1. Belgien 8/21 (37:5). 2. Schweiz 8/19 (20:6). 3. Rumänien 7/9 (12:16). 4. Kroatien 7/7 (7:18). 5. Litauen 8/0 (1:32). - Belgien für EM qualifiziert.

Modus: Die neun Gruppensieger und die drei Gruppenzweiten mit der besten Bilanz gegen die Teams in den Rängen 1, 3, 4 und 5 qualifizieren sich direkt für die EM-Endrunde 2022 in England. Die weiteren sechs Gruppenzweiten kämpfen in einer Barrage um die letzten drei Plätze.