Die Zweifel bleiben trotz Notfall-Plan

Die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele in Tokio werden ihre Zweifel nicht los. Ein flexibler Notfall-Plan, der am Freitag dem IOC präsentiert wird, soll das weltgrösste Sportereignis retten.

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Die Olympischen Spiele in Tokio stehen weiter auf wackligen Füssen

Die Olympischen Spiele in Tokio stehen weiter auf wackligen Füssen

KEYSTONE/EPA/FRANCK ROBICHON
(sda/dpa)

Für die Rettung der wegen der Corona-Pandemie ins nächste Jahr verschobenen Spiele setzt Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees IOC, alle Hoffnungen in die Improvisationskünste der Verantwortlichen vor Ort. Der Deutsche spricht von einer Vielzahl von Notfall-Szenarien, bevor die japanischen Gastgeber am Freitag bei der ersten Online-Session in der Geschichte des IOC ihr Massnahmenpaket vorstellen wollen.

Olympioniken in Quarantäne, gelockerte Einreisebestimmungen für Athleten und Funktionäre und ein umfassendes Hygienekonzept für ein aufs Minimum reduzierte Grossveranstaltung - so könnte der Notplan für den Grossanlass im nächsten Jahr aussehen. «Da gibt es sehr gute Fortschritte», lobt Bach die Organisatoren. Geisterspiele in leeren Arenen aber will das IOC unbedingt vermeiden. «Olympische Spiele hinter verschlossenen Türen ist etwas, das wir nicht wollen», sagte Bach in Lausanne nach Beratungen der IOC-Exekutive.

Skeptische japanische Bevölkerung

Doch auch nach der Verschiebung werden die Organisatoren die Zweifel an einer Austragung des weltgrössten Sportereignisses nicht los. Einer jüngsten Umfrage zufolge glauben 77 Prozent der Japaner nicht, dass die Sommerspiele im kommenden Jahr in Tokio stattfinden. Selbst wenn noch vor der für 23. Juli 2021 geplanten Eröffnung in Tokio ein Impfstoff gegen das Virus gefunden ist, bezweifeln Experten, dass die Folgen der Pandemie rechtzeitig bewältigt sind und die Welt des Sports bereit ist für Olympische Spiele.

«Wir haben viele Sorgen darüber gehört, ob die Olympischen Spiele und die Paralympics tatsächlich ausgetragen werden können, und auch Vorschläge, die Spiele abzusagen», räumte der Präsident von Japans Olympischem Komitee, Yasuhiro Yamashita, ein. Ein Anstieg der täglichen Neuinfektionen vor allem in der Hauptstadt hatte zuletzt in Japan die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle geschürt. «Wir durchleben eine Situation, die niemand vorher erlebt hat, und wollen uns darauf konzentrieren, was wir jetzt zu tun haben», sagte Yamashita weiter.

In kniffligen Verhandlungen haben die Gastgeber inzwischen wohl fast alle Wettkampfstätten auch für das kommende Jahr sichern können. Offen war zuletzt noch, ob auch das olympische Dorf in vollem Umfang genutzt werden kann. Sicher ist, dass die Verschiebung die Japaner und auch das IOC umgerechnet Hunderte von Millionen Franken zusätzlich kosten wird. Deshalb drängen die Organisatoren in Tokio auf massive Einsparungen.

«Wir wollen, dass diese Spiele genügsame Spiele sind, die sich auf das Wesentliche, den Geist und die Botschaft dieser Olympischen Spiele konzentrieren», sagte Bach. Wie das genau aussehen soll, daran arbeitet seit der Verlegung Ende März eine Sonderkommission. Auf der 136. IOC-Session, die wegen der Pandemie statt in Tokio als Video-Konferenz abgehalten wird, werde es «einen vollständigen Bericht» zum Zwischenstand der Planungen geben, kündigte der Deutsche an.

2021 - oder gar nicht

Dass die für 2022 in Senegals Hauptstadt Dakar geplanten Olympischen Jugendspiele um vier Jahre auf 2026 verlegt worden sind, sei kein Signal für ähnliche Überlegungen in Richtung Tokio, beteuerte Bach. Die Situation sei nicht vergleichbar. Immer wieder haben das IOC und die Gastgeber bekräftigt, dass eine weitere Verschiebung der Sommerspiele ausgeschlossen ist. Wenn der Anlass auch 2021 wegen der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden kann, bliebe nur die Absage.