Dominic Thiem will am Ende des Tages nicht Andy Murray anrufen

Es ist aufgrund der besonderen Umstände der Coronavirus-Pandemie erst das zweite Tennis-Grand-Slam-Turnier des Jahres - und zum zweiten Mal steht Dominic Thiem im Final.

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Schlägt am Sonntagabend die grosse Stunde von Dominic «Dominator» Thiem?

Schlägt am Sonntagabend die grosse Stunde von Dominic «Dominator» Thiem?

KEYSTONE/AP/Frank Franklin II
(sda/apa)

Der 27-jährige Niederösterreicher kämpft am Sonntag (ab 22.15 Uhr) in seinem ersten US-Open-Final, seinem bereits vierten Major-Endspiel, gegen den Deutschen Alexander Zverev um die Erfüllung seines Traums.

25 Jahre nach Thomas Muster (in Roland-Garros) könnte sich Dominic Thiem zum zweiten österreichischen Einzel-Grand-Slam-Sieger küren - und damit in Österreich in den Reigen der Sportlegenden aufsteigen. Dass dies entgegen aller Erwartungen auf Hartplatz und nicht auf Sand passieren könnte, überrascht spätestens seit dem knapp verlorenen Melbourne-Final vom Januar nicht mehr.

Damals führte Thiem mit 2:1 Sätzen gegen Novak Djokovic, ehe sich der Serbe doch noch in fünf Sätzen durchsetzte. Und auch wenn sich Djokovic wegen seines Faux-pas selbst aus dem New Yorker Turnier genommen hat, und Rafael Nadal wegen der Coronakrise sowie Roger Federer verletzt fehlen: Der Triumph bei diesem «Geister-Grand-Slam - ohne Fans, ohne Atmosphäre, dafür mit der mental belastenden Sicherheits-Blase, aus der die Spieler bis zu vier Wochen nicht rauskamen - wäre besonders viel wert.

Thiem erscheint reif für den ersten Titel: In seinen bisherigen drei Major-Finals haben ihn zwei Mal Nadal in Paris und Djokovic in Melbourne gestoppt. «Es war schwer, die Niederlage in Australien zu verdauen, weil ich so nahe dran war. Ich bin glücklich, dass ich mir in ziemlich kurzer Zeit wieder eine Chance verschafft habe», so Thiem nach dem Sieg über Vorjahresfinalist Daniil Medwedew.

Wie gehts weiter? Thiem: «Wenn ich gewinne, habe ich meinen ersten Titel, und wenn nicht, dann muss ich Andy Murray anrufen und ihn um Rat fragen.» Der Schotte verlor - übrigens wie auch der grosse Ivan Lendl - seine ersten vier Grand-Slam-Finals, ehe er zum dreimaligen Major-Turniersieger und zur Nummer 1 der Welt wurde.

Der 23-jährige Finalgegner Alexander Zverev steht erstmals in einem Endspiel auf dieser Stufe. Zverev könnte der erste deutsche Grand-Slam-Sieger seit Boris Becker 1996 in Australien werden. Dass auch Murray auf der grössten Bühne reüssieren kann, bewies er vor zwei Jahren mit dem Triumph an den ATP Finals in London.

An Grand-Slam-Turnieren wurde Zverev bislang drei Mal von Thiem gestoppt: zweimal in Roland-Garros (2016 in der 3. Runde und 2018 in den Viertelfinals) sowie im Januar im Halbfinal des Australian Open. Alexander «Sascha» Zverev ist der jüngste Grand-Slam-Finalist seit Novak Djokovic vor zehn Jahren am US Open.

Zverev: «Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich die ersten zwei Sätze verlor. Ich wusste nicht, was los war. Aber dennoch erreichte ich meinen ersten Grand-Slam-Final. Nur das zählt! Ich könnte nicht glücklicher sein. Aber es ist noch ein Schritt zu gehen.»

Der Finalsieger darf sich über brutto 3 Mio. Dollar freuen, der Finalverlierer erhält die Hälfte.