Duell der Neureichen

Im ersten von zwei deutsch-französischen Champions-League-Halbfinals treffen am Dienstag Paris Saint-Germain und Leipzig aufeinander. Es ist ein Duell der Emporkömmlinge.

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PSG-Trainer Thomas Tuchel hofft, dass Mbappé wie im Viertelfinal gegen Atalanta für den Unterschied sorgt

PSG-Trainer Thomas Tuchel hofft, dass Mbappé wie im Viertelfinal gegen Atalanta für den Unterschied sorgt

KEYSTONE/AP/David Ramos
(sda)

Hätte man vor zehn Jahren einem Fussball-Fan einen Blick ins 2020 gewährt, er wäre aus dem Stauen nicht herausgekommen. Champions-League-Halbfinal im August? Ersatzspieler mit Schutzmasken? Keine Zuschauer? Paris Saint-Germain und Leipzig unter den letzten vier?

Vor zehn Jahren belegte Paris Saint-Germain in der Ligue 1 den 13. Platz - mit 31 Punkten Rückstand auf den Meister Olympique Marseille. Die europäische Spitze lag in weiter Ferne - dachte man zumindest. Dann kamen ein Jahr später die katarischen Investoren und machten dank Millionen-Zuschüssen aus dem immer wieder belächelten Klub einen französischen Serienmeister. Seit 2014 hat PSG nur vier der möglichen 21 nationalen Titel nicht gewonnen.

International wollte der Durchbruch aber nicht gelingen, obwohl praktisch jeden Sommer ein weiterer hochkarätiger Transfer getätigt wurde. Verschiedentlich schied PSG in den letzten Jahren in der Champions League trotz hervorragender Ausgangslage aus - etwa gegen Barcelona nach einem 4:0-Heimsieg. Letzte Woche im Viertelfinal gegen Atalanta lief es anders herum: PSG sorgte seinerseits für die spektakuläre Wende - innerhalb von fünf Minuten vom 0:1 zum 2:1. Es soll der Anfang einer neuen Geschichte gewesen sein.

Mit dem ersten Champions-League-Halbfinal seit 25 Jahren können sich die Pariser nicht zufrieden geben. Der Druck lastet weiterhin auf ihnen, zumal mit Leipzig ein auf diesem Niveau unerfahrener Gegner wartet, dessen Kader im Vergleich zu jenem von PSG nicht besonders beeindruckt. Mit Timo Werner ist der beste Offensivspieler im Juli zu Chelsea weitergezogen. Seither sucht man die ganz grossen Namen im Leipziger Aufgebot vergeblich.

Der deutsche PSG-Trainer Thomas Tuchel warnt aber vor dem Team seines Landsmannes Julian Nagelsmann, der einst als Scout von Tuchel die ersten Schritte Richtung Coach machte : «Sie verteidigen im Vorwärtsgang auf aggressive Art. Sie sind angriffig und mutig.» Leipzig ist eine junge Mannschaft, die sehr wohl den einen oder anderen werdenden Star in den eigenen Reihen haben könnte. Im Viertelfinal gegen Atlético Madrid kamen sieben Spieler zum Einsatz, die noch nicht 24-Jährig sind.

Das ebenfalls durch einen reichen Investor alimentierte Leipzig überlässt aber die Favoritenrolle gern dem Gegner. «Wenn wir einen richtig guten Tag erwischen wie gegen Atlético, dann können wir mit ein bisschen Glück das Spiel gewinnen», sagt der Österreicher Marcel Sabitzer. «Wir müssen sehr vorsichtig sein», mahnt Goalie Peter Gulacsi, für den Paris Saint-Germain «mit dem Ball einer der besten Mannschaften Europas ist». Gut möglich, dass Tuchel für den Halbfinal Neymar, Mauro Icardi, Kylian Mbappé und Angel Di Maria gleichzeitig aufs Feld schickt. Der damals noch nicht ganz fitte Mbappé war gegen Atalanta nach einer Stunde gekommen, Di Maria büsste eine Sperre ab.

Grosse Namen alleine werden aber nicht reichen, um Leipzig zu beeindrucken. Die Deutschen haben in diesem Jahr gegen Tottenham und Atlético Madrid bewiesen, dass sie auch gegen die Besten Europas gut bestehen können. Die Angst von Nagelsmann ist deshalb auch eine andere: «Die Gefahr ist in solchen Spielen, dass man die Welt einreissen will.» Sollte RB Leipzig gut zehn Jahre nach seiner Gründung als Fünftligist den Sprung in den Champions-League-Final schaffen, stünde die Fussballwelt endgültig Kopf.