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Ein 7:1, das nachdenklich macht

Die Young Boys sind der Konkurrenz in der Super League einteilt. Sie haben die Rolle des FC Basel eingenommen. Der Liga tut diese Tendenz nicht gut. Doch es gibt Gründe für das sinkende Niveau.
Schwarz-Weiss auf Gelb-Grau: Die Young Boys sind der Konkurrenz entrückt (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

Schwarz-Weiss auf Gelb-Grau: Die Young Boys sind der Konkurrenz entrückt (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

(sda)

Es hätte so sein können: Die Young Boys sind nach dem 0:3 in der Champions League gegen Manchester United moralisch angeschlagen und körperlich müde. Der FC Basel ist frisch, weil er die Gruppenphase der Europa League verpasst hat, und nützt diesen Vorteil zu einem Auswärtssieg im Spitzenspiel in Bern. Hätte, wenn und aber. Es kam anders: YB deklassierte den FCB 7:1, und der Berner Mittelfeldspieler Leonardo Bertone sagte hinterher: «Die Champions League ist eine andere Liga. Da zu bestehen, ist viel schwieriger. In der Schweiz wissen wir, was es braucht, um zu gewinnen.»

Die Aussage erzählt an sich nichts Neues, denn der König der Schweiz darf in Europa ein Bettler sein. Doch in vier Tagen vom 0:3 zum 7:1, das ist doch mehr als erstaunlich. Es ist ein Weg, der Fragen aufwirft. Es sind grundsätzliche zum Niveau der Super League. Was läuft falsch, wenn ein Klub nach sieben Runden zehn Punkte Vorsprung hat? Weshalb klafft immer ein Loch zwischen dem Primus und dem Rest? Vor zwei Jahren hatte der FCB neun Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger YB. Jetzt sind die Berner der Konkurrenz entrückt.

Dieses Loch hat vor allem mit dem FC Basel zu tun. Auf den ersten Blick ist der Serienmeister der Jahre 2010 bis 2017 in den letzten zwölf Monaten und nach dem Führungswechsel im vorletzten Sommer vom Duo Bernhard Heusler und Georg Heitz zum neuen Besitzer Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller abgestürzt. Doch ganz so einfach ist es nicht. Der FCB wurde zwar auch in den letzten beiden Jahren unter Heusler/Heitz mit Trainer Urs Fischer souverän Meister. Doch dass die Mannschaft dennoch einen schleichenden Substanzverlust zu erleiden hatte, zeigten schon damals die Resultate im Europacup. 2015/16 verpasste der FCB die Champions League gegen Maccabi Tel Aviv. Ein Jahr später wurde er in der Gruppenphase sang-, klang- und sieglos Letzter - hinter Ludogorez Rasgrad.

Schon Heusler und Heitz hatten es nicht mehr geschafft, den Mechanismen des internationalen Marktes entgegenzutreten. Immer schneller werden und wurden junge Spieler von Klubs der Top-Ligen abgeworben, die Suche nach Nachfolgern ist schwierig und oft auch Glückssache. Die Schweizer Klubs können zwar mit Spielern viel Geld verdienen, die kaum fertig ausgebildet sind, doch die Investition in gleichwertigen Ersatz ist fast nicht möglich. Ein Spieler mit einem Marktwert von mehr als 10 Millionen Franken kommt nicht mehr in die Schweiz. So hat der FCB seit 2015 einen Transferüberschuss von rund 75 Millionen Franken erwirtschaftet, der Marktwert des aktuellen Kaders liegt aber 20 bis 30 Prozent tiefer.

Ähnlich verhält es sich mit dem FC Sion. Der stets ambitionierte Klub von Christian Constantin müsste aufgrund der finanziellen Aufwendungen eigentlich die Nummer 3 der Liga sein. Doch Dritte waren die Walliser in der Super League letztmals 2007. Dafür kassiert Constantin viel Geld. Sein Transferüberschuss beziffert sich seit 2016 auf über 40 Millionen Franken. Investiert hat er im Prinzip nichts - zumindest nicht ins Kader.

Deshalb erstaunt nicht, dass YB der Konkurrenz enteilt. Denn die Berner konnten ihre (Meister-)Mannschaft mit Ausnahme des Innenverteidigers Kasim Nuhu (zu Hoffenheim) zusammenhalten. Die sechs Spiele in der Champions League werden die Marktwerte der Spieler ansteigen lassen. Es wird im Winter zu Abgängen kommen, wenn die Berner die grosse Fussball-Bühne einstweilen verlassen haben. Dann (oder spätestens im nächsten Sommer) wird YB viel Geld einnehmen, und es wird spannend sein, zu verfolgen, wie der Sportchef Christoph Spycher dieses reinvestieren kann. Geht YB den Weg von Basel und Sion, wird vielleicht schon die nächste Saison wieder etwas spannender. Das sportliche Niveau aber wird dadurch nicht besser - im Gegenteil.

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