Ein mittelmässiger Gegner wäre Petkovic lieber gewesen

Die letzte Länderspiel-Tranche des Jahres beginnt für die Schweiz in Belgien. Das Duell mit der FIFA-Nummer 1 - ursprünglich im März in Katar geplant - wird zu einem ungünstigen Zeitpunkt nachgeholt.

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Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic hätte statt gegen Belgien lieber gegen eine schwächeren Gegner getestet

Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic hätte statt gegen Belgien lieber gegen eine schwächeren Gegner getestet

KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
(sda)

Dieser Termin kommt eigentlich allen ungelegen. Wenige Tage vor den letzten Partien in der Nations League absolvieren die Nationalteams noch ein Testspiel. Innerhalb von sieben Tagen stehen die Auswahlen drei Mal im Einsatz. Ein derart dichtes Programm war schon im Oktober zu absolvieren. In Deutschland hat sich Nationaltrainer Joachim Löw verärgert gezeigt über das «Mammutprogramm». «Ich halte das für nicht in Ordnung. Das schlägt sich auf die Gesundheit, die Fitness und die Qualität nieder», so der Deutsche.

Einen Tag vor dem Testspiel der Schweiz in Leuven gegen Belgien schlägt SFV-Coach Vladimir Petkovic gemässigtere Töne an. Doch glücklich ist auch er nicht, dass sein Team vor den entscheidenden Heimspielen in der Nations League gegen Spanien und die Ukraine noch rasch nach Belgien gereist ist, um gegen den WM-Halbfinalisten anzutreten. «Es ist eine extreme Situation. Aber wir müssen lernen, damit umgehen zu können.» Petkovic will das getaktete Programm als Vorbereitung sehen für das nächste Jahr. «In der WM-Qualifikation werden wir auch drei Spiele innerhalb von einer Woche zu absolvieren haben.»

Wenn schon, dann hätte Petkovic in den beiden Testspielen vom Oktober und jetzt im November allerdings nicht unbedingt gegen den WM-Zweiten Kroatien und die FIFA-Nummer 1 Belgien spielen wollen. «Mir wären mittelmässigere Mannschaften lieber gewesen, da wir in der Nations League zwei Mal gegen Spanien und Deutschland spielen - zwei weitere Top-Teams.»

Doch die Ansetzung der Tests gegen Kroatien und Belgien entbehrt nicht einer (vertraglichen) Logik. Der SFV hatte gegen diese Teams schon vor einem Jahr Spiele vereinbart, die im letzten März in Katar hätten über die Bühne gehen sollen. Wegen der Corona-Krise wurden sie damals abgesagt, und die Verbände waren schliesslich froh, konnten sie ihren Verpflichtungen gegenüber TV-Partnern und Sponsoren mit der Durchführung von Testspielen im Herbst nachkommen.

So finden sich Petkovic und sein Team in der ungemütlichen Situation wieder, in den nächsten Tagen gegen zwei Gegner aus dem innersten Zirkel der Welt-Elite eine nahezu historische (Negativ-)Wegmarke verhindern zu müssen. Gewinnt die Schweiz nämlich auch gegen Belgien und Spanien nicht, wäre sie erstmals seit der Jahrtausendwende sieben Spiele in Folge sieglos. Eine solche Negativserie hatte die Schweiz letztmals 1998 unter Gilbert Gress aufgestellt.

Schon jetzt sind fünf Spiele ohne Sieg ein Novum für Petkovic als Nationalcoach. Und doch sieht der Tessiner sein Team näher an der Weltspitze als noch vor ein paar Jahren. «Wir haben das bewiesen, aber oft schaffen wir es noch nicht, mit den besten Mannschaften über 90 Minuten mitzuhalten. Wir müssen in solchen Spielen 20 Prozent mehr geben als der Gegner, damit es für den Sieg reicht.»

Und wer weiss: Vielleicht werden die Schweizer im Nachhinein froh sein, dass sie den Test gegen Belgien bestritten haben. Vor zwei Jahren sahen hierzulande viele die Nations League skeptisch. Dann gelang der Schweiz ein 5:2-Feuerwerk gegen Belgien und die Qualifikation für das Finalturnier. Damit hatte der neue Wettbewerb schlagartig an Bedeutung gewonnen.

Heute sagt Petkovic: «Es war vom Resultat her für mich bisher der Höhepunkt.» So kann mit dem richtigen Ergebnis gegen Belgien durchaus auch das Spiel vom Mittwoch Sinn ergeben. Petkovic: «Mit einem positiven Resultat gehen wir positiver in die Partien gegen Spanien und die Ukraine.»