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Eine leise Enttäuschung: 1:2 der Nati in Belgien – erste Niederlage der Schweiz in der Nations League

Die Schweiz verliert in der Nations League auswärts gegen Belgien 1:2. Romelu Lukaku erzielt für den Gastgeber beide Treffer. Was bleibt nach diesem Spiel?
Etienne Wuillemin, Brüssel
Enttäuschte Schweizer trotten, getröstet von Trainer Vladimir Petkovic, nach der Niederlage gegen Belgien vom Feld. (Bild: Keystone)

Enttäuschte Schweizer trotten, getröstet von Trainer Vladimir Petkovic, nach der Niederlage gegen Belgien vom Feld. (Bild: Keystone)

Plötzlich wird es rasant. Plötzlich sind nur noch die Belgier am Ball. Plötzlich sind die Schweizer nur noch am Reagieren. Romelu Lukaku kommt im Strafraum an den Ball, hat genügend Zeit, zu schiessen. Und dann fällt das Tor. 1:0 für Belgien. Es hat Tage an der WM gegeben, an denen Yann Sommer so einen Ball ohne Probleme gehalten hätte.

Die Schweiz hält dagegen

Ist es das schon gewesen? Wie reagiert die Schweiz auf das Tor des Favoriten? Es geht jetzt hin und her. Zuber spielt bei einem Konter den Ball dem Verteidiger in die Füsse anstatt zu Seferovic. Hazard verstolpert auf der anderen Seite. Xhaka kommt aus 25 Metern zum Schuss, knapp daneben. Die Schweiz probiert, hält dagegen.

Yann Sommer: Note 3.5. An sich wie gewohnt der sichere Rückhalt. Aber das erste Gegentor müsste Sommer halten.
Nico Elvedi: Note 4.5. Spielt für Akanji. Gibt per Kopfball den Assist zum 1:1. Perfekte Grätschen. Kandidat für die Zukunft.
Michael Lang: Note 4. Grosses Laufpensum auf der rechten Seite. Solider Auftritt, nicht mehr, nicht weniger.
Ricardo Rodriguez: Note 4. Immer die Ruhe selbst. Muss sich aufs Verteidigen beschränken und hat deshalb fast keine Aktionen.
Fabian Schär: Note 4.5. Gegen Belgien der Abwehrpatron. Gute weite Bälle. Man sieht ihm die fehlende Spielpraxis nicht an.
Remo Freuler: Note 4. Besser und agiler als auch schon. Taucht mit Fortdauer der Partie ab, wird vor Ende ausgewechselt.
Xherdan Shaqiri: Note 5. Überall in der Offensive anzutreffen, versucht alles, bringt Torgefahr. Leitet den Ausgleich ein.
Granit Xhaka: Note 4.5. Taktgeber im Mittelfeld. Gute Ballverteilung, ein guter Weitschuss. Aber auch einige Fehlpässe.
Denis Zakaria: Note 3.5. Findet seine Rolle in diesem Spiel nicht. Kämpferisch tadellos, aber es ist in Brüssel nicht sein Abend.
Steven Zuber: Note 4. Guter Beginn, baut danach zusehends ab. Bisweilen mit Problemen bei der Ballannahme.
Haris Seferovic: Note 3.5. Kann die starke Form nicht ganz bestätigen. Rackert viel, ein misslungener Abschluss (9.).
Mario Gavranovic: Note 5. Kommt für Seferovic (69.). Und trifft sieben Minuten später eiskalt zum 1:1. So muss es sein. Danach aber einmal zu eigensinnig.
Edimilson Fernandez: Note -. Kommt für Zakaria (83.). Für eine Benotung reicht sein fünfter Länderspieleinsatz aber nicht.
Christian Fassnacht: Note -. Kommt für Freuler (87.) und damit zum Début im Schweizer Dress. Für eine Note reicht das nicht.
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Die Noten für die Nati-Spieler nach dem Belgien-Spiel

Dann wechselt Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Mario Gavranovic kommt für den blassen Seferovic. Es läuft die 70. Minute. Und für einige Momente sieht es aus, als würde es der Glücksgriff des Abends werden. Fünf Minuten später schreitet Shaqiri zum Freistoss, der Ball fliegt weit, Elvedi legt per Kopf zurück. Da steht Gavranovic – und das Spiel plötzlich 1:1. Ein wenig aus dem Nichts, aber doch nicht ganz unverdient. Jetzt ist das Unentschieden möglich, aber Belgien reagiert noch einmal heftig. Kompany kommt zum Kopfball, daneben. Lukaku müsste nur noch einschieben, und schiesst drüber.

Aber dann geschieht das Unvermeidliche trotzdem. Eine wunderbare Kombination über Hazard, Mertens und wieder Lukaku. 2:1, wieder er, der imposante Stürmer. Einer, den die Schweiz auch so gerne hätte. Es ist die Entscheidung.

Individuelle Klasse des Gastgebers

Der Sieg der Belgier ist am Ende verdient. Nicht weil sie sehr viel mehr investiert hätten dafür als die Schweizer. Sondern, weil sie viele Weltklasse-Fussballer in ihren Reihen haben, die jederzeit das Tempo erhöhen können. Und jederzeit mit ihrer individuellen Klasse für den Unterschied sorgen können. Das zeigten sie bei den beiden Toren eindrücklich. Die Schweizer dürfen aber erhobenen Hauptes aus Brüssel abreisen. Sie haben einen guten Eindruck hinterlassen. Nicht ganz so beschwingt wie beim 6:0 gegen Island anfangs September zu Beginn der Nations League. Aber es war erneut eine Leistung, mit der sie zufrieden sein können.

Ganz am Schluss taucht noch einmal Gavranovic im Strafraum auf. Er wird von Belgiens Torhüter Courtois leicht berührt, reicht das für einen Penalty? Nein, meinen die Schiedsrichter. Es wäre wohl etwas gar viel Lohn gewesen.

Echte Gefahr entsteht nie

Das Spiel braucht in der ersten Halbzeit sehr lange, bis es Fahrt aufnimmt. Das liegt am vor allem daran, dass die beiden Mannschaften Rasenschach spielen, die Partie ist vollends von der Taktik geprägt. Die Schweizer machen das gut, suchen spielerische Lösungen. Immer wieder gelingt es, die Belgier nach hinten zu drücken, lange Ballbesitzphasen sind die Folge. Aber: Echte Gefahr entsteht trotzdem nie. In der ersten Halbzeit gelingt es auch, die hochgelobte Offensive der Belgier in Schach zu halten. Petkovic lässt die Schweiz in einer Dreierkette agieren, mit Elvedi, Schär und Rodriguez im Zentrum, Lang und Zuber laufen emsig die Seiten entlang. Derweil wurde Akanji wegen muskulären Problemen geschont.

Der Schweizer Xherdan Shaqiri (links) sprintet um den Ball gegen Belgiens Vincent Kompany. (Bild: Julien Warnand/EPA (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Der Schweizer Torhüter Yann Sommer kämpft um den Ball gegen Belgiens Romelu Lukaku (2.v.r.). (Keystone/Ennio Leanza (Brüssel, 12. Oktober 2018)).
Die belgischen Spieler feiern das Tor von Romelu Lukaku (Mitte). (Bild: Julien Warnand/EPA (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Der Schweizer Steven Zuber bereitet sich trotz der Störung durch Belgiens Thomas Meunier auf die Ballannahme vor. (Bild: Geert Vanden Wijngaert/AP Photo (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Der Schweizer Ricardo Rodriguez (links) schirmt den Ball gegen Belgiens Romelu Lukaku ab. (Bild: Julien Warnand/EPA (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Der Schweizer Granit Xhaka (rechts) kämpft um den Ball gegen den Belgier Axel Witsel.(Bild: Ennio Leanza/Keystone (Brüssel, 12. Oktober 2018)).
Der Schweizer Mario Gavranovic (2.v.l.) schiesst das Tor zum 1:1. (Bild: Julien Warnand/EPA (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Die Schweizer feiern das Gaol von Mario Garvranovic. (Bild: Geert Vanden Wijngaert/AP Photo (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Der Schweizer Haris Seferovic (rechts) im Duell um den Ball gegen den Belgier Toby Alderweireld. (Bild: Julien Warnand/EPA (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Der Schweizer Xherdan Shaqiri (2. v.r.) wird vom Belgier Axel Witsel (rechts) gestört. (Bild: Julien Warnand/EPA (Brüssel, 12. Oktober 2018))
Auch für das zweite Tor der Belgier kann sich Romelu Lukaku (rechts) von Teamkollege Vincent Kompany feiern lassen. (AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)
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Nations League: Belgien - Schweiz 2:1

Trotz der Niederlage: Petkovic darf zufrieden sein mit dieser taktischen Disposition. Im Mittelfeld erhält Remo Freuler eine nächste Chance der Bewährung. Es gelingt ihm immerhin ein besserer Auftritt als vor einem Jahr in Portugal. Em Ende bleibt das Fazit, dass die Schweiz gegen einen Grossen des Weltfussballs wieder nahe dran war, aber wieder mit leeren Händen dasteht. Das war schon gegen England so. Und darum darf man auch ein bisschen enttäuscht sein nach diesem Abend.

Belgien – Schweiz 2:1 (0:0)
Stade Roi Baudouin, Brüssel. – 39049 Zuschauer. – SR Mateu Lahoz (ESP).
Tore: 58. Romelu Lukaku (Meunier) 1:0. 76. Gavranovic (Elvedi) 1:1. 84. Romelu Lukaku 2:1.
Belgien: Courtois; Alderweireld, Kompany, Vermaelen (73. Boyata); Meunier, Tielemans, Witsel, Carrasco (76. Chadli); Mertens (93. Thorgan Hazard), Romelu Lukaku, Eden Hazard.
Schweiz: Sommer; Lang, Elvedi, Schär, Rodriguez; Xhaka; Zakaria (83. Edimilson Fernandes), Freuler (87. Fassnacht), Zuber; Shaqiri; Seferovic (69. Gavranovic).
Bemerkungen: Belgien ohne De Bruyne, Dembélé und Vertonghen (verletzt), Schweiz ohne Bürki, Embolo, Mbabu, Mehmedi (verletzt), Djourou, Dzemaili und Lichtsteiner (nicht im Aufgebot). Nations League Liga A, Gruppe 2: Belgien – Schweiz 2:1 (0:0). – Montag, 20.45 Uhr, SRF zwei: Island – Schweiz. Rangliste: 1. 1. Belgien 2/6 (5:1). 2. Schweiz 2/3 (7:2). 3. Island 2/0 (0:9).

Hazard zuzusehen ist eine Augenweide

Das Fussballerherz schlägt höher. Es ist wahrlich ein Genuss, Eden Hazard in Brüssel an diesem lauen Abend zuzusehen. Wie er den Ball eng führt, geradezu streichelt. Der 27-Jährige hat ihn zwar nicht oft, falls doch, wird es laut im Stadion. Sehr laut. Und gefährlich, sehr gefährlich. Weil Hazard stets Tempo macht. Oder den Ball rasch weitergibt und es dadurch vor der Pause zur Grosschance kommt. Oder dann beim 1:0 für Belgien durch Romelu Lukaku, an dessen Ursprung – natürlich – Hazard steht. Er ist der Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. In der Nationalmannschaft. Im Club bei Chelsea, wo er in der Premier League seit Saisonstart siebenmal schon getroffen hat. Und er ist der Spieler, der die Frage, ob er derzeit der beste der Welt sei, mit einem «Ja» beantwortet. Dazu schmunzelt. Als ob dies ihm unangenehm sein müsste.

Dass Hazard in seinem 95. Länderspiel gegen die Schweiz kein Treffer gelingt, ist nur eine Randnotiz. Zumal der Captain der Belgier auch beim Siegtreffer erneut den Fuss im Spiel hat. Herrlich, wie er mit dem Absatz den Ball auf Lukaku weiterleitet. Seit mehr als sechs Jahren spielt Hazard für Chelsea, doch es ist eine Frage der Zeit, bis er sich wohl Real Madrid anschliesst. Mit einem Wechsel kokettiert er schon längst, und jetzt, wo Cristiano Ronaldo nicht mehr bei den Königlichen wirbelt, wird ihr Werben um den Flügelspieler heftiger. Hazard sagt, einerseits würde er gerne den Club wechseln. Andererseits aber schlage sein Herz eben auch für die Londoner. Wie auch immer diese Geschichte enden wird, eines ist gewiss. Einen Spieler eines solchen Formats hat die Schweiz nicht. Und wird sie auch nicht so rasch haben. Dies zumindest war eine Erkenntnis am späten Abend in Brüssel. (cbr)

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