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«Es geht nicht um uns, es geht um die Zukunft des Tennis»

Ein Schiedsrichter, der Interna ausplaudert, Spitzenspieler, die der ATP Doppel-Standards vorwerfen und natürlich der Rauswurf des CEO: Die ATP ist in Aufruhr: Federer und Nadal wollen dies ändern.
Rivalen auf dem Platz, Kumpels daneben: Roger Federer (re.) und Rafael Nadal entschieden gemeinsam, dass sie sich wieder im ATP-Spielerrat engagieren wollen (Bild: KEYSTONE/AP POOL AFP/ADRIAN DENNIS)

Rivalen auf dem Platz, Kumpels daneben: Roger Federer (re.) und Rafael Nadal entschieden gemeinsam, dass sie sich wieder im ATP-Spielerrat engagieren wollen (Bild: KEYSTONE/AP POOL AFP/ADRIAN DENNIS)

(sda)

Chris Kermode, noch bis Ende Jahr Chef der ATP (Association of Tennis Professionals), betonte in New York, wie gut die Spieler- und Turnierorganisation aktuell dasteht. Finanziell, bei den Zuschauern am Fernsehen und in den Stadien, bei den Werbepartnern - überall werden Rekorde verzeichnet. Dennoch ist Kermode Ende Jahr seinen Job los.

Ende März entschied das Führungsgremium der ATP mit den Stimmen der Spielervertreter, den Vertrag des Engländers nach zwei Dreijahres-Perioden nicht mehr zu verlängern. Drahtzieher des Coups soll Novak Djokovic, der Präsident des Spielerrats, gewesen sein. Der Haken: Wie sich herausstellte, waren viele Spieler - unter ihnen Roger Federer, Rafael Nadal und Stan Wawrinka - mit der Absetzung Kermodes ganz und gar nicht einverstanden - und machten dies auch öffentlich.

Auch sonst rumort es in der ATP ganz gehörig. Gleich zwei Spitzenspieler drückten diese Woche in New York ihren Missmut über die Vereinigung und ihre Repräsentanten aus. Stefanos Tsitsipas legte sich bei seiner Erstrunden-Niederlage am US Open mit dem Schiedsrichter an und erklärte anschliessend, dass manche Offizielle gewisse Spieler bevorteilen würden.

Ähnlich äusserte sich Nick Kyrgios. Der streitbare Australier kassierte beim Masters-1000-Turnier in Cincinnati für sein Verhalten Bussen von insgesamt 113'000 Dollar, meinte aber, das kümmere ihn nicht gross: «Die ATP ist sowieso ziemlich korrupt.» Einen Tag später krebste der «Bad Boy» des Tennis zurück, allerdings nur ein bisschen. «Korrupt war der falsche Ausdruck. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass die ATP einen Doppel-Standard hat. Andere werden für die gleichen Vergehen nicht sanktioniert.»

Dazu entliess die ATP den renommierten Stuhl-Schiedsrichter Damian Steiner, der unter anderem den diesjährigen Wimbledon-Final zwischen Federer und Djokovic geleitet hatte. Der Argentinier soll unautorisiert Interviews gegeben haben.

Nur zusammen mit Nadal

Die vielen öffentlichen Nebengeräusche sind Federer und Nadal schon länger ein Dorn im Auge. Neben der Absetzung Kermodes entzündeten sich die Diskussionen auch an der Rolle von Justin Gimelstob als Spielervertreter. Der ehemalige Spieler und enge Vertraute Djokovics wurde wegen schwerer Körperverletzung verurteilt, wollte aber lange nichts von einem Rücktritt wissen. Nach Wimbledon entschieden sich Federer und Nadal deshalb, in den ATP-Spielerrat zurückzukehren. «Wenn du ausserhalb bist, bekommt man nicht alles mit», erklärt Federer in New York gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Und die Hälfte reicht nicht, um gute Entscheide zu treffen.»

Möglich wurde die Rückkehr durch die Rücktritte von Robin Haase, einem guten Kollegen Federers, Sergej Stachowski und Jamie Murray vor Wimbledon. Sie alle hatten von der Politik des Spielerrats unter der Führung von Djokovic die Nase voll. «Ich hatte mir schon in Paris überlegt, wie es wäre in den Spielerrat zurückzukehren», verrät Federer. «Aber die nächsten Wahlen wären erst nächstes Jahr gewesen.»

Nun packte er die Chance - aber erst, nachdem er sich mit Rafael Nadal abgesprochen hatte. «Ohne Rafa hätte ich es nicht gemacht - und umgekehrt auch nicht.» Federer, der von 2008 bis 2014 selber Präsident des Spielerrats war, will seinen Schritt nicht explizit gegen Djokovic gerichtet wissen. Er störte sich aber einerseits an den vielen kontroversen Entscheiden des Gremiums, zum Beispiel auch an der Entlassung des respektierten australischen Coaches Roger Rasheed als Spielervertreter im ATP-Vorstand, der aus je drei Spieler- und Turniervertretern besteht. Auch hier soll Djokovic die treibende Kraft gewesen sein.

Zum andern moniert Federer, dass viele der Differenzen öffentlich ausgetragen wurden. «Es ist klar, dass die Situation nicht gut, sondern explosiv war.» Nadal und er seien nicht immer gleicher Meinung gewesen, als sie beide im Spielerrat sassen. «Trotz unserer Kämpfe haben wir aber immer Respekt voreinander und sind immer wieder zusammengekommen», erklärt der Schweizer. So soll es nun wieder werden. «Ich hoffe, ich kann dabei helfen. Das erste Meeting (vor dem US Open) verlief jedenfalls okay.» Federer betont, dass «wir das nicht für uns, sondern für die Zukunft des Tennis machen. Wir werden nicht mehr gross profitieren».

Mehr Geld für mehr Spieler

Neben den Personalentscheiden ist einer der grössten Diskussionspunkte die Verteilung der Einnahmen zwischen den Turnierveranstaltern und den Spielern. Viele, unter ihnen Djokovic, sind der Meinung, dass für die Spieler mehr abfallen sollte. Der Kanadier Vasek Pospisil, Vertreter der schlechter klassierten Spieler im Rat, fordert vor allem mehr Geld für die zweite und dritte Garde der Tennisspieler, damit auch diejenigen, die mehrheitlich auf der Challenger-Tour unterwegs sind, von ihrem Sport leben können.

Einer ist jedenfalls schon mal begeistert von der Rückkehr der beiden Superstars. Jamie Murray, der Doppelspezialist und ältere Bruder von Andy Murray, schrieb auf Twitter: «Wir leben in chaotischen Zeiten. Mein grösster Beitrag für den Spielerrat könnte gut sein, dass ich mit meinem Rücktritt den Weg frei machte (für Federer und Nadal). Viel Glück!»

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