Keine siebte Masters-Krone: Federer und das Spiel der verpassten Chancen

Roger Federer kann seinem Palmares keine siebte Masters-Krone hinzufügen. Der 38-jährige Basler verliert in den Halbfinals der ATP Finals in 1:36 Stunden 3:6. 4:6 gegen Stefanos Tsitsipas.

Drucken
Teilen
Kam im Halbfinal der ATP Finals im dritten Jahr in Folge nicht wie gewünscht auf Touren: Roger Federer verlor in der Londoner O2 Arena gegen Stefanos Tsitsipas (Bild: KEYSTONE/AP/KIRSTY WIGGLESWORTH)

Kam im Halbfinal der ATP Finals im dritten Jahr in Folge nicht wie gewünscht auf Touren: Roger Federer verlor in der Londoner O2 Arena gegen Stefanos Tsitsipas (Bild: KEYSTONE/AP/KIRSTY WIGGLESWORTH)

(sda)

Für Federer ist es die zweite schmerzhafte Niederlage gegen den als Nummer 6 gesetzten Griechen nach dem Achtelfinal am Australian Open. Dazwischen hatte er den 17 Jahre jüngeren Athener in Dubai im Final und in Basel im Halbfinal zweimal bezwungen. Zudem verlor an den ATP Finals im dritten Jahr in Folge im Halbfinal gegen einen Aussenseiter.

Federer konnte nie an die magische Gala im dritten und entscheidenden Gruppenspiel gegen Novak Djokovic anknüpfen. Allein in den ersten eineinhalb Games leistete er sich mehr unerzwungene Fehler als in der gesamten Partie gegen den Serben. Der Schweizer geriet sogleich mit einem Break in Rückstand, und trotz vieler Chancen - auch im letzten, über zehn Minuten dauernden Game des Satzes bei 3:5 waren es nochmals deren zwei - fand er keinen Weg zurück.

Und als er im zweiten Durchgang nach einem erneut frühen Rückstand endlich den ersten Aufschlagdurchbruch zum 2:2 schaffte, gab er selber seinen Service gleich wieder zum 2:3 ab. Danach liess sich Tsitsipas, der gleich bei seinem ersten Masters im Final steht, die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Im letzten Game hatte Federer nochmals zwei Breakbälle, die er aber ebenfalls nicht nutzen konnte.

Zu viele Chancen vergeben

Insgesamt kann Federer mit seinem Auftritt vom Samstag nicht zufrieden. Er beging vor allem mit der Vorhand ungewohnt viele Fehler und punktete auch mit dem Aufschlag viel zu selten. So reichte dem Griechen eine gute, aber keineswegs überragende Leistung zum zweiten grossen Sieg gegen Federer in diesem Jahr. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Beide Spieler begingen mehr unerzwungene Fehler als sie Winner schlugen (bei Federer 26:21). Die entscheidende Statistik sind aber die verwerteten Breakchancen: 1 von 12 bei Federer, 3 von 4 bei Tsitsipas.

«Ich hatte zweifelsohne meine Chancen», ärgerte sich der Schweizer. Es fing schon miserabel an, als Federer in seinem ersten Aufschlagspiel zwei Smashes - eigentlich eine seiner Spezialitäten - verschlug und sogleich gebreakt wurde. «Aber ich bin danach eigentlich gut ins Spiel gekommen.» Es sei klar, dass Tsitsipas in den wichtigen Momenten besser gewesen sei. «Ich denke, das ist ein bisschen an mir gelegen und ein wenig an ihm.»

Parallelen zu den letzten beiden Jahren, als er an den ATP Finals ebenfalls im Halbfinal und als Favorit (2017 gegen David Goffin, 2018 gegen Alexander Zverev) scheiterte, konnte Federer keine ausmachen. «Ich weiss nicht mehr so genau, wie die Spiele damals liefen. Es ist aber immer frustrierend, im Halbfinal zu verlieren.» Das hinterlasse ein gemischtes Gefühl. «Es war eigentlich ein gutes Turnier, aber das Ziel hat man nicht erreicht.»

Im zweiten Halbfinal treffen am Abend der Österreicher Dominic Thiem und der Titelverteidiger Alexander Zverev aufeinander.