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Finnlands Erfolg hat System

Nicht viele hatten Finnland den Titel an der Eishockey-WM in der Slowakei zugetraut. So überraschend der Gewinn der Goldmedaille war: Er hat System.
Ein überraschender, aber kein zufälliger WM-Titel: Finnlands Erfolg hat System (Bild: KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA)

Ein überraschender, aber kein zufälliger WM-Titel: Finnlands Erfolg hat System (Bild: KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA)

(sda)

«Ich weiss nicht einmal, wie wir gewonnen haben. Es ist unglaublich», sagte Jere Sallinen nach dem Triumph. Er nahm sogar das Wort «Wunder» in den Mund. Tatsächlich sprach vor dem Turnier nur wenig für die Nordländer. «Die unbekannten Finnen» war der Titel der Vorschau auf der Seite des internationalen Verbandes IIHF. Viele Spieler nahmen das erste Mal an einer Weltmeisterschaft teil, aus der NHL waren nur gerade zwei dabei.

Auf den zweiten Blick aber ist der Erfolg der Finnen weniger erstaunlich. Sie verfügen über ein grosses Arsenal an Talenten. Seit 2014 wurden sie dreimal U20- und zweimal U18-Weltmeister. Das kommt nicht von ungefähr. Im Jahr 2009 berief der finnische Verband (FIHA) ein Gipfeltreffen mit der Eishockey-Kompetenz des Landes ein - Trainer, Agenten, Scouts, Generalmanager und andere. Dabei ging es um eine Überarbeitung der Strategie zur Nachwuchsförderung.

Eine der ersten Massnahmen war, für sämtliche Nationalmannschaften der Männer Vollzeit-Trainer anzustellen. Diese gehen ausserhalb der Turniere und der Trainingslager zu den Klubs und sind dadurch mehr in die Entwicklung der Spieler involviert. Sie sprechen auch mit Vereinen ausserhalb von Finnland, wenn dort einheimische Spieler tätig sind. Das führt zu einem Gefühl, dass alle Teams für den Erfolg der Nation wichtig sind. Zudem werden die Talente nicht nur spielerisch gefördert. Ihnen wird auch mitgegeben, was es alles braucht, um an die Spitze zu kommen, dass gerade auch die Ernährung und die Erholung eine zentrale Bedeutung einnehmen.

WM 2012 als wichtiger Baustein

Einen grossen Anteil zum Aufschwung trug die WM 2012 bei, die in Stockholm und Helsinki stattfand. In Helsinki wurde ein Gewinn von 8,2 Millionen Euro erwirtschaftet, den man in das Nachwuchsprogramm investierte. Das führte dazu, dass 25 «Skills»-Trainer eingestellt wurden, die mit Spielern zwischen 10 und 14 Jahren zusammenarbeiten. Zwar bezahlen die Vereine die Gehälter, sie erhalten aber vom Verband eine jährliche Unterstützung von etwa 30'000 Euro. Die Klubs müssen die Trainer mit kleineren Mannschaften der Region teilen, damit alle förderungswürdigen Spieler profitieren können.

«Das Treffen im Jahr 2009 und die spezifischen Trainer sind die Hauptgründe, warum Finnland Spieler wie Laine, Aho, Puljujärvi und viele andere aufstrebende Stars hervorbringt», sagt Trainer Pekka Jalonen, der schon beim WM-Titel 2011, als das Turnier ebenfalls in Bratislava und Kosice stattgefunden hatte, an der Bande stand.

Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Finanzkraft anderer Ligen in Europa wie die KHL oder die National League. Durch die hohen Saläre für ausländische Spieler werden die finnischen Vereine gezwungen, mehr eigene Leute einzubauen, wodurch diese früher professionell spielen können. Ausserdem wurde die finnische Liga trotz des Abgangs von Jokerit Helsinki in die KHL von 14 auf 15 Teams erhöht, was wiederum zu mehr Plätzen für die Spieler führte.

Die erzielten Erfolge wirken sich auf den Glauben aus, etwas erreichen zu können. «Das grössere Selbstvertrauen der finnischen Eishockeyspieler muss mit dem Gesamterfolg verknüpft werden», erklärt Jalonen. Zudem sind die Finnen Kämpfernaturen. Nicht umsonst hat das Nationalteam den Beinamen «Leijonat» (Löwen). Und in Anbetracht dessen, dass das Nachwuchsprogramm erst am Anfang steht, wird es wohl noch einige Male jubelnde finnische Spieler zu sehen geben.

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