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Frauen-Nationaltrainer Nils Nielsen spricht über seine Philosophie

Mit der Verpflichtung von Trainer Nils Nielsen läutet der Schweizerische Fussballverband beim Frauen-Nationalteam ein neues Kapitel ein. Dieses beginnt am Mittwoch mit dem Algarve Cup.
Nils Nielsen tritt das schwere Erbe von Martina Voss-Tecklenburg als Trainer der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft an (Bild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

Nils Nielsen tritt das schwere Erbe von Martina Voss-Tecklenburg als Trainer der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft an (Bild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

(sda)

Nach den Fortschritten unter der als Entwicklungshelferin und Lokomotive bezeichneten Martina Voss-Tecklenburg soll der Däne Nielsen den nächsten Schritt vollziehen. An Visionen mangelt es dem 47-jährigen Familienvater nicht. «Ich will die Mannschaft in einem Bereich des Spiels auf ein Level bringen, auf dem sie die Besten schlagen kann», sagt er.

Nils Nielsen, mit welcher Mission haben Sie Ihr Amt als Trainer des Schweizer Frauen-Fussballnationalteams angetreten?

«Ich will die Mannschaft noch besser machen, sie in einem Bereich des Spiels auf ein Level bringen, auf dem sie die Besten schlagen und um Titel spielen kann. Ich will, dass sie die Leute begeistert und ins Stadion lockt. Und dass die Spielerinnen so viel Freude haben, dass sie nach ihrer sportlichen Laufbahn in einer anderen Funktion dabei bleiben wollen. Das ist gewiss keine leichte Aufgabe, weil Martina Voss-Tecklenburg einen sehr guten Job gemacht hat. Aber das ist die Mission. Dafür bin ich auch bereit, ein paar Dinge zu ändern.»

Was zum Beispiel?

«Kleinigkeiten, nichts Grosses. Ich möchte zum Beispiel dominanter spielen. Dafür braucht es vor allem Selbstvertrauen. Fussball ist ein mentales Spiel. Der Kopf spielt eine wichtige Rolle.»

Warum ist das Psychologische so wichtig?

«Wenn du ein sehr guter Fussballer und physisch in einer Top-Verfassung bist, dich aber gedanklich mit allem Möglichen beschäftigst, du private Probleme oder Ähnliches hast, dann kannst du nicht gut spielen. Das richtige Mindset zu haben, ist elementar. Nur wenn es im Kopf stimmt, macht es Sinn, über taktische Philosophien zu sprechen. Der Kopf kommt zuerst.»

Zum Abschluss von Martina Voss-Tecklenburgs langjähriger Ära verpassten die Schweizerinnen die Qualifikation für die WM in diesem Jahr. Warum liessen Sie sich davon nicht abschrecken?

«Weil sich auch einige Möglichkeiten daraus ergeben. Du hast zum Beispiel mehr Zeit - auch wenn es natürlich besser wäre, an einem grossen Turnier Erfahrung sammeln zu können. Die Entwicklung der Schweiz verfolgte ich schon seit vielen Jahren. Mit Martina pflege ich seit längerem ein freundschaftliches Verhältnis. Wir waren schon im Austausch, als ich noch in Dänemark tätig war.»

Was trauen Sie der Schweiz mittelfristig zu?

«Es gibt hier ein sehr starkes Fundament aus vielen grossen Talenten, die ausgezeichnet Fussball spielen können. In diesem Punkt hat mich das Team im Trainingslager im Januar sogar positiv überrascht. Ich war beeindruckt, wie schnell das Spiel bereits war. Das einzige Problem ist im Moment, dass die Mannschaft wirklich sehr jung ist. Sie ist die jüngste in den Top 20 und muss darum schnell erwachsen werden. Die jungen Spielerinnen sind vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bereit, sie werden es aber in sechs Monaten sein, wenn es in der EM-Qualifikation wieder um Punkte geht. Wichtig ist, dass wir eine Einheit bilden. Und das traue ich uns zu.»

Was ist Ihre Philosophie?

«Spass steht bei mir zuoberst. Ohne Freude an der Sache geht nichts, davon bin ich überzeugt. Mir ist darum wichtig, dass wir Spass haben und auch Spass bereiten, dass wir die Leute unterhalten und wir mit attraktivem Fussball auf uns aufmerksam machen. Dafür müssen wir den Ball haben. Wir spielen schliesslich alle Fussball, weil wir den Ball lieben, weil wir spielen wollen. Verteidigen tust du, weil du musst, nicht, weil du willst. Es geht also darum, den Ball zu haben und schöne Dinge mit ihm anzustellen. Dabei ist elementar, dass wir auf dem Platz Ruhe bewahren, dass wir nicht in Panik geraten. Was ich im Trainingslager gesehen habe, stimmt mich auch diesbezüglich optimistisch. Auch bei der Klubwahl finde ich entscheidender, dass eine Spielerin glücklich ist, als in welcher Liga sie spielt. Wenn du unglücklich bist, leidet auch die Leistung darunter.»

Vor ihrem Gastspiel als Assistent der U20-Frauen Chinas waren Sie Nationaltrainer in ihrem Heimatland Dänemark. Sie führten dort eine junge Mannschaft in den EM-Final. Ist die Aufgabe in der Schweiz eine vergleichbare?

«Die Schweizer Equipe ist noch jünger. Wir hatten damals in Dänemark einige erfahrene Spielerinnen im Team, zwar nicht auf dem Platz, aber auf der Ersatzbank. Ich glaube, in der Schweizer Mannschaft steckt noch ein bisschen mehr Talent.»

Martina Voss-Tecklenburg wurde in ihrer Funktion bei den SFV-Frauen als Entwicklungshelferin und Lokomotive bezeichnet. Als was sehen Sie sich?

«Das weiss ich noch nicht. Mir ist bewusst, was Martina hier geleistet hat. Sie ist eine grosse Trainer-Persönlichkeit und hat Grosses vollbracht. Ich will aber nicht das Gleiche machen wie sie, sondern meinen eigenen Weg gehen. Ich will es nicht besser machen, aber anders. So gesehen bin ich keine Lokomotive, aber vielleicht ja zum Beispiel ein Bus.»

Was nahmen Sie aus Ihrer Zeit in China mit?

«Dass ich nach China ging, war ein Familienbeschluss. Wir wollten Asien kennenlernen. Leider stand das Ganze unter keinem guten Stern, weil unser acht Monate alter Sohn krank wurde. Er vertrug die Nahrung nicht und konnte nicht in Peking bleiben. Darum stand früh fest, dass auch ich nicht länger als das vertraglich vereinbarte knapp eine Jahr bleiben würde.»

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