Für Alfa Romeo geht es um fünf Millionen

Am Sonntag findet mit dem Grand Prix von Abu Dhabi das letzte Rennen des Formel-1-Jahres statt. Für das Schweizer Team Alfa Romeo geht es um zusätzliche fünf Millionen, die man gut gebrauchen könnte.

Hören
Drucken
Teilen
Antonio Giovinazzi fährt am Sonntag mit Alfa Romeo um fünf zusätzliche Millionen

Antonio Giovinazzi fährt am Sonntag mit Alfa Romeo um fünf zusätzliche Millionen

KEYSTONE/EPA/SRDJAN SUKI
(sda)

Rückblende. Vor einem Jahr wird das Sauber-Team als Aufsteiger der Saison gefeiert. Nach Jahren mit finanziellen Nöten und Zukunftsängsten ging es mit dem Hinwiler Rennstall 2018 endlich wieder aufwärts. Der Einstieg von Alfa Romeo erwies sich als Glücksfall - Platz 8 in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft war für das Team die erfreuliche Konsequenz.

Weil Stillstand für ein Formel-1-Team keine Option ist, nannte Teamchef Frédéric Vasseur für 2019 den 6. Rang als Zielvorgabe. Nach einem guten Saisonstart und einem Hoch im Vorsommer befand man sich bis Saisonhälfte auf Kurs, doch nach der Sommerpause ging es resultatmässig bergab. Besonders bei Kimi Räikkönen, in den ersten Monaten seiner Rückkehr stets ein verlässlicher Punktesammler, passte nicht mehr viel zusammen. Die Konkurrenz im Mittelfeld war Alfa Romeo enteilt, es drohte ein Abwehrkampf mit dem Team Haas um Platz 8.

Befreiungsschlag in Brasilien

Vor zwei Wochen im Grand Prix von Brasilien dann die grosse Erlösung, oder wie es Alfa Romeo im Medienversand nannte: die «Sonntagsüberraschung». Mit den Plätzen 4 und 5 von Räikkönen und Antonio Giovinazzi meldete sich die Equipe in São Paulo in einem Rennen mit zahlreichen Turbulenzen eindrücklich zurück. Ein besseres Teamergebnis ist den Hinwilern seit Beginn der Turbo-Hybrid-Ära vor sechs Jahren nicht gelungen.

In der Konstrukteurs-WM liegt Alfa Romeo vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi noch zehn Punkte hinter Platz 7, den zurzeit Racing Point inne hat und der einen rund fünf Millionen Dollar besseren Bonus bedeuten würde. Diesen Rückstand aufzuholen ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Besonders schwer wiegen die zehn WM-Punkte, die Alfa Romeo Anfang August nach dem Rennen in Hockenheim aberkannt wurden, weil die Stewards an beiden Autos eine reglementswidrige Einstellung der Kupplung beanstandet hatten.

Den Schwung mitnehmen

Das Glanzresultat in Brasilien war für das ganze Team nach durchzogenen Wochen ein echter Motivationsschub. Teamchef Vasseur will deshalb den «guten Spirit für das Saisonfinale, bei dem so viel auf dem Spiel steht, in positive Energie umwandeln». Der Franzose, seit Juli 2017 im Amt, war in den letzten Wochen stets bemüht, keine Panik aufkommen zu lassen. Sein Ziel für das letzte Rennwochenende ist klar: «Es ist wichtig, die Saison gut zu beenden, um diesen Schwung in die Wintermonate und das Jahr 2020 mitzunehmen.»

Bevor im Jahr 2021 in der Formel 1 die grosse Reform ansteht, erfährt das Reglement über den Winter nur wenige Retuschen. Im Zentrum steht deshalb die Weiterentwicklung des diesjährigen Autos. Es gilt, die Schwächen des C38, zu denen die wiederkehrenden Probleme mit der Nutzung der Reifen gehören, weiter abzubauen.

Das Fahrer-Duo bleibt

Bezüglich Fahrerduo ändert sich bei Alfa Romeo auf die kommende Saison hin nichts. Damit liegt der Rennstall im Trend, denn acht der zehn Teams treten 2020 wieder mit der gleichen Fahrerpaarung an. Als einziger Neuling wird der Kanadier Nicholas Latifi bei Williams Robert Kubica ersetzen. Der Pole sieht seine Zukunft in der DTM. Dazu muss Nico Hülkenberg bei Renault dem Franzosen Esteban Ocon Platz machen.

Nach neun Saisons in der Formel 1, davon einem Jahr bei Sauber, hat Hülkenberg für 2020 kein Cockpit mehr bekommen. Der 32-jährige Deutsche war auch bei Alfa Romeo als Alternative zu Giovinazzi im Gespräch. Mit der Erfahrung von 176 GP-Starts hätte Hülkenberg sicher einiges zur Entwicklung in Hinwil beitragen können. Anfang November entschied man sich bei Alfa Romeo aber für den Verbleib des sechs Jahre jüngeren Giovinazzi, obschon dieser auf eine durchzogene Premiere-Saison zurückblickt.

Zu Beginn oft im Pech und deutlich abgehängt, konnte der Italiener seinen routinierten Teamkollegen Räikkönen immerhin regelmässig im Qualifying schlagen. In 20 Rennen fuhr der aus der Fahrer-Akademie von Ferrari stammende Giovinazzi viermal in die Top 10 und sammelte 14 WM-Punkte. Zum Vergleich: Räikkönen belegt in der Fahrerwertung mit 43 Zählern den 12. Rang.

Der Einfluss von Ferrari

Bei der Vertragsverlängerung mit Giovinazzi wird Ferrari ein entscheidendes Wörtchen mitgeredet haben. Der Einfluss der Roten aus Maranello, von denen sie in Hinwil weiterhin Antrieb, Getriebe und Hinterachse beziehen werden, dürfte auch in Zukunft nicht schwinden. Spannend wird es dann, wenn Alfa Romeo einst den Schritt zum Spitzenteam machen sollte. Noch ist die Realität aber eine andere.