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Hiller: «Es gibt immer einen Plan B und C»

Jonas Hiller steht vor seiner letzten Saison. Der Torhüter des EHC Biel kündigt seinen Rücktritt vorzeitig an.
Biels Torhüter Jonas Hiller nimmt seine letzte Saison in Angriff (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)

Biels Torhüter Jonas Hiller nimmt seine letzte Saison in Angriff (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)

(sda)

Am 19. November 2000 debütierte Goalie Jonas Hiller für den HC Davos in der höchsten Schweizer Liga. Das erste NLA-Spiel von Beginn weg bestritt er am 12. September 2003 mit Lausanne. Nach drei Meistertiteln mit dem HC Davos (2002, 2005, 2007) sowie neun Jahren in der NHL (2007 bis 2016) steigt der inzwischen 37-Jährige am Donnerstag mit dem EHC Biel im Heimspiel der Champions Hockey League gegen die norwegische Equipe Frisk Asker in seine letzte Saison.

Jonas Hiller, mit welchem Gefühl starten Sie in Ihre letzte Saison?

«Vor jeder Saison ist der Beginn etwas mühsam, bis sich der Körper an die Bewegungen und an das Eis gewöhnt hat. Unterdessen fühle ich mich ziemlich gut. Ich bin froh, dass es endlich losgeht.»

Fällt es mit dem Alter schwerer, das Sommertraining zu absolvieren?

«Mit der Zeit weisst du genau, was du brauchst. Du teilst die Kräfte etwas ein, machst nicht mehr gleich viel wie noch mit 20 Jahren. Das Sommertraining gehört dazu. Ich erhielt von Biel viele Freiheiten, konnte einen Teil zu Hause machen. Das hilft, um auch mal mehr Zeit mit der Familie und den Kindern (er hat eine Tochter und einen Sohn, die Red.) zu verbringen.»

Trainierten Sie mit dem Team oder nach einem eigenen Programm?

«Zum grossen Teil trainierte ich nach einem eigenen Plan. In den Jahren in der NHL stellten wir Programme zusammen, die auf mich abgestimmt sind. Vieles davon mache ich nach wie vor. Das hilft mir, um für die gesamte Saison bereit zu sein. Zweimal in der Woche trainiere ich mit dem Team, aber auch dann habe ich im Kraftraum ein eigenes Programm. Das funktioniert ganz gut.»

Die Erholungsfähigkeit lässt im Alter nach. War das mit ein Grund für Ihren Entscheid aufzuhören?

«Klar benötigst du jedes Jahr mehr Zeit, um dich nach einem Spiel zu erholen. Früher habe ich nach Partien am Freitag und Samstag auch am Sonntag noch etwas gemacht. Nun bin ich froh, wenn ich nicht viel machen muss. Im Moment bin ich auf dem Eis nach wie vor fähig, Topleistungen abzurufen. Ich habe jedoch Respekt davor, dass das eines Tages nicht mehr der Fall sein wird. Darum höre ich lieber ein Jahr zu früh auf anstatt das Gefühl zu haben, mein Potenzial nicht mehr abrufen zu können.»

War es ein langer Prozess?

«Schon vor einem Jahr überlegte ich mir, ob ich nochmals für eine Saison unterschreiben soll. Doch motivierte es mich, in welche Richtung es mit Biel geht. Ich hatte allerdings nie das Gefühl, unbedingt noch eine weitere Saison anhängen zu müssen. Das kommunizierte ich Biel am Ende der abgelaufenen Spielzeit. Und damit es nicht ständig Diskussionen gibt, machte ich den Entscheid öffentlich.»

Ist es anders in eine Saison zu gehen, wenn man weiss, dass es die letzte ist?

«Ja und nein. Vielmehr war es für mich speziell, über den Rücktritt zu sprechen, obwohl ich noch eine ganze Saison vor mir habe. Ich glaube nicht, dass das ständig im Hinterkopf ist. Ich versuche einfach wie immer, mein Bestes zu geben, arbeite weiterhin an Details, um nochmals etwas besser zu werden.»

Sie sind schon lange dabei. Wie hat sich das Eishockey in Ihren Augen entwickelt?

«Es wurde viel schneller und technischer. Die Vereine haben sich professionalisiert. Vor 20 Jahren gab es noch viele Klubs, die jemand an Feierabend geführt hat. Nun sind es Unternehmen mit Millionenumsätzen. Es ist lässig zu sehen, in welche Richtung es geht. Wenn man die Zuschauerzahlen sieht, ist Eishockey nach wie vor ein sehr populärer Sport.»

Sie spielten während neun Jahren in der NHL. Denken Sie noch oft an diese Zeit zurück?

«Es gibt schon immer wieder Situationen, an die ich gerne zurückdenke. Ich erlebte extrem viele positive Sachen. Zu einigen Leuten habe ich noch immer Kontakt, allerdings weniger mit Spielern. Im Frühjahr war ich in Nordamerika zu Besuch bei Kollegen, das war ein Stück weit ein Heimkommen. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich diese Zeit erleben durfte.»

Nach den Olympischen Spielen 2018 erklärten Sie bereits ihren Rücktritt aus dem Nationalteam. Im kommenden Jahr findet die Heim-WM statt. Hätte Sie diese nicht gereizt?

«Ich merkte damals, dass es mit der Doppelbelastung nicht mehr möglich ist, im Team Topleistungen zu bringen. Die Sommer sind sehr kurz, wenn du nach der Saison noch eine WM spielst. Aber klar wäre die WM in der Schweiz cool gewesen.»

Die Schweiz hat 2013 und 2018 WM-Silber geholt und ist näher an die Top-6-Nationen gerückt. Was sind die Gründe dafür?

«Einer der Gründe ist, dass sich Schweizer Spieler in Nordamerika etabliert und dort eine Leaderrolle übernommen haben. Jeden Tag gegen die Weltbesten zu spielen, ist schon noch einmal etwas anders. Technisch und läuferisch ist das Niveau in der Schweiz sowieso extrem hoch.»

Die Jungen scheinen heutzutage deutlich selbstbewusster zu sein. Nehmen Sie das auch so wahr?

«Es ist immer einfacher, wenn es Spieler gibt, die gezeigt haben, wie ein Weg gehen kann. Früher wurdest du belächelt, wenn du als Junger gesagt hast, in die NHL zu wollen. Wir machen vieles richtig, auch in den Nachwuchsabteilungen. Man sieht das in Biel, wo der Nachwuchs einen grossen Stellenwert einnimmt und immer wieder junge Spieler in die NLA nachgezogen werden können. Dennoch gibt es in der Schweiz immer noch ein Auf und Ab - je nach Jahrgang. Wir verfügen nicht über den gleichen Spielerpool wie Nordamerika.»

Die Champions Hockey League ist für Sie eine Premiere. Macht es das speziell?

«Ich glaube schon. Es ist schwierig einzuschätzen. Einerseits ist sie ein Teil der Vorbereitung, anderseits geht es schon um etwas. Es reizt mich auch aus dem Grund, weil die sonstigen Partien in der Vorbereitung manchmal mühsam sind. Du musst sie spielen, weil du gewisse Sachen im Training nicht üben kannst, gleichzeitig geht es um nichts. Die Champions Hockey League macht die Vorbereitung spannender. Gleichzeitig muss ich nicht unbedingt nochmals in einem Hotel schlafen, um Eishockey zu spielen. Das habe ich schon genug gemacht. Es gehört aber dazu. Ich freue mich, mal etwas anderes mit dem Team zu erleben, und hoffentlich wachsen wir daran.»

Was trauen Sie Biel in der kommenden Meisterschaft zu?

«Das Ziel bleibt, in die Playoffs zu kommen. Dann ist vieles möglich. Wir wollen bestätigen, dass wir eine Top-4-Mannschaft sind. Gleichzeitig will jedes Team besser sein als vergangene Saison. Es wird sicher nicht einfach. Es ist aber mit den Neuzugängen ein machbares Ziel. In den Playoffs muss vieles passen, um in den Final zu kommen oder gar den Titel zu gewinnen. Ich hoffe aber schon, dass jeder dieses Ziel vor Augen hat. Es geht definitiv in die richtige Richtung. Letzte Saison war ich extrem stolz auf die Mannschaft. Viele Teams haben zwischendurch eine super Saison. Eine solche zu bestätigen, ist aber schwierig. Es wird uns nun niemand mehr unterschätzen, die Augen werden noch mehr auf uns gerichtet sein. Von daher gilt es, mit dem Druck, den wir uns auch selber machen, umgehen zu können.»

Und ihr Rücktrittsentscheid ist definitiv? Es gibt kein Szenario, dass sie doch noch weiterspielen?

«Sag niemals nie. Es gibt immer einen Plan B und C. Wenn alles einigermassen normal läuft, wird es die letzte Saison sein. Ich mache mir allerdings nicht zu viele Gedanken darüber und will es mir ein Stück weit auch offen lassen.»

Haben Sie sich schon Gedanken zur Zeit nach dem Eishockey gemacht?

«Es gibt verschiedene Optionen. Ich bin im Besitz einer Kitesurf-Firma, bei der ich bislang nicht viel im täglichen Business machen konnte. Es gibt sonst noch ein paar Startups, in die ich investiert habe, bei denen ich mir vorstellen kann, mehr zu machen als nur Investor zu sein. Ich will einfach meine Erfahrungen weitergeben. Das im Eishockey zu tun, ist eine Möglichkeit.»

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