Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ich bin kein Freund von Tiefstapelei»

Seit April ist Heiko Grimm, der ehemalige Trainer der NLA-Handballer von Kriens-Luzern, Cheftrainer beim ambitionierten deutschen Bundesligisten Melsungen. Seine Arbeit unterscheide sich kaum von derjenigen in der Schweiz, sagt er im Interview.
Jörg Allmeroth, Guxhagen

Es kann schnell gehen im Spitzensport: Auf Sommer 2018 sollte Heiko Grimm (40), Trainer des HC Kriens-Luzern, als Co-Trainer zum nordhessischen Bundesligisten MT Melsungen wechseln. Der Wechsel fand schon Ende 2017 statt. Die Perspektive: über kurz oder lang einmal den Cheftrainerposten zu übernehmen. Bereits Anfang April wurde der ehemalige deutsche Nationalspieler nach der Entlassung des langjährigen Trainers Michael Roth zum neuen Übungsleiter des derzeitigen Tabellensiebten ernannt.

Heiko Grimm, hier noch Trainer beim HC Kriens-Luzern. / Bild: Roger Grütter (Luzern, 4. November 2017)

Heiko Grimm, hier noch Trainer beim HC Kriens-Luzern. / Bild: Roger Grütter (Luzern, 4. November 2017)

Heiko Grimm, wie überrascht sind Sie denn, auf einmal Cheftrainer des Bundesligisten MT Melsungen zu sein?

Ich bin mit der Perspektive gewechselt, einmal Cheftrainer zu werden, diese Position von Michael Roth zu übernehmen. Das hätte auch erst Mitte 2019 sein können. Dass es nun passiert ist, war auch für mich eine Überraschung. Ein, zwei Wochen war der Trubel ziemlich gross, das war recht stressig. Aber eigentlich unterscheidet sich die Arbeit nicht von dem, was ich beim HC Kriens-Luzern gemacht habe. Zum Glück.

Aber bei Kriens-Luzern war ihr Job noch viel umfassender. Sie waren mehr als «nur» der Trainer.

Ich bin froh, dass ich diese Erfahrungen sammeln konnte. Das hilft mir jetzt. In der Bundesliga ist alles noch einmal eine Stufe grösser, alles, was man tut, wird genauer beobachtet. Aber ich komme gut damit klar Sie sprachen es gerade an: Was unterscheidet die Arbeit in Luzern von der in Melsungen nun? Natürlich hat man hier mit Spielern zu tun, die schon sehr grosse persönliche Erfolge gefeiert haben. Man könnte also denken, es wäre schwieriger, mit diesen stärkeren Egos klar zu kommen. Aber so war es nicht.

Auch, weil Sie selbst als Spieler erfolgreich waren?

Klar, das vergrössert ganz einfach die Akzeptanz. Ich habe selbst erlebt, was die Spieler nun erleben. Da ist eine andere Basis vorhanden, ein Grundverständnis. Man bewegt sich auf Augenhöhe. Wie schwierig war es für Sie, den HC Kriens-Luzern zu verlassen zu wechseln? Es war wirklich eine ganz schwierige Abwägung. Einerseits das Angebot des ohnehin künftigen Arbeitgebers. Andererseits der grossartige Verein, die tollen Menschen, mit denen ich in Luzern zu tun hatte – und das Gefühl, die Arbeit dort unvollendet lassen zu müssen.

Wie intensiv beobachten Sie, wie es in Luzern weitergeht?

Ich habe ein ständiges Auge auf die Situation. Ich telefoniere auch wöchentlich mit CEO Nick Christen. Wir tauschen uns regelmässig aus.

Ihre Amtszeit in Melsungen begann schwierig, mit zwei Niederlagen. Dabei dachten viele vor der Saison ja noch, das Team könne um die Meisterschaft mitspielen.

Das war unrealistisch, weil es von Platz 5 oder 6 in der Tabelle bis nach ganz oben ein ganz gewaltiger, ein riesiger, ein wahnsinnig schwerer Schritt ist. Diesen Weg muss man über viele Jahre sehr zäh und hartnäckig beschreiten. Man kann nicht denken: Ich kaufe den und den Spieler – und schon spiele ich um den Titel mit.

Gab es Abnützungseffekte? Ihr Vorgänger Michael Roth war fast zehn Jahre in Melsungen.

Das steht mir nicht zu, das so direkt zu beantworten. Aber richtig ist: Über die Zeit hatte sich ganz allgemein eine gewisse Bequemlichkeit eingeschlichen, man holte einfach nicht die letzten paar Prozent raus, die in vielen engen Spielen den Unterschied machen. Es fehlte manchmal dieser unbändige Wille, die totale Hingabe, um einen Sieg rausholen zu wollen. Das ist jetzt mein Ansatz: Wir müssen wirklich das Optimale freisetzen. Da ist kompromisslose Arbeit nötig, es gilt, nichts dem Zufall zu überlassen. Wichtig ist jetzt: Wir müssen die Saison richtig gut zu Ende spielen, auch mit Blick aufs nächste Jahr.

Bei Ihrem jetzigen Verein ist die Anspruchshaltung eben auch sehr stark gewachsen in den letzten Jahren?

Ich verfolge selbst keine unrealistischen, aber doch ambitionierte Ziele. Das war bei Kriens-Luzern nicht anders als nun in Melsungen. Eine Mannschaft muss auch wachsen und lernen, mit Anspruchsdenken klar zu kommen. Es ist eben so, dass wir heute zu den meisten Spielen hinfahren und die Einschätzung da ist: Das müssen sie aber gewinnen. Wir können das vielleicht anders sehen, aber dieses Denken ist da. Und deshalb muss die Mannschaft in ihrer Mentalität darauf vorbereitet sein. Ich bin kein Freund von Tiefstapelei.

Diese Haltung ist ja nicht neu bei Ihnen.

Nein, das gehört sozusagen zu meiner Trainer-DNA. Wie gesagt: Ich arbeite jetzt nicht anders als vor einem Jahr in Luzern. Ob das nun die Videoanalyse der Spiele, die Taktik, die Trainingsplanung oder die Leitung eines Teams angeht. Man hat seine Prinzipien, und denen folgt man. Aber natürlich entwickelt man sich auch als Trainer, gewinnt neue Einsichten durch die praktische Arbeit. Stehenbleiben darf man nie, das wäre ein Rückschritt.

Wie war es für Sie allgemein, als Deutscher in der Schweiz zu arbeiten?

Unproblematisch. Der Sport kennt ja viel weniger diese Grenzen im Handeln und Denken, die sonst so aufgebaut werden. Oft hat man ja ein Team, in dem viele Nationen vertreten sind. Klar gab es mal diesen oder jenen Flachs, weil es auch noch zwei deutsche Spieler in Luzern gab. Da hiess es dann: Ihr Deutschen schon wieder. Nein, ich blicke wirklich gern auf meine Zeit in der Schweiz zurück. Es war wie eine zweite Heimat für mich, ein wunderbares Land – und ich lernte meine Frau kennen.

Nun sind Sie mit Ihrer Frau nach Deutschland zurückgekehrt. Wie kommt Sie in Deutschland zurecht?

Da waren wir natürlich beide ein wenig gespannt, wie das werden würde. Aber bisher, in den ersten Monaten, war es überragend gut. Es half, dass unser Verein hier sehr familiär geführt wird und uns viel Unterstützung angeboten hat. Wir hoffen nun noch, dass sie bald eine schöne Arbeit findet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.