Infantino nahm laut «Spiegel» Einfluss auf Ethikcode

FIFA-Präsident Gianni Infantino soll einem Medienbericht zufolge Einfluss auf den neuen Ethik-Code des Weltverbandes FIFA genommen haben.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino soll Einfluss auf den Ethik-Code des Weltverbandes genommen haben (Bild: KEYSTONE/AP/MARTIN RUGGIERO)

FIFA-Präsident Gianni Infantino soll Einfluss auf den Ethik-Code des Weltverbandes genommen haben (Bild: KEYSTONE/AP/MARTIN RUGGIERO)

(sda)

Der Schweizer FIFA-Präsident habe Korrekturvorschläge für die überarbeiteten Richtlinien der unabhängigen Ethikkommission gemacht, berichtete «Der Spiegel» am Freitag mit Bezug auf interne Dokumente.

So habe Infantino als Antwort auf einen Entwurf von Vassilios Skouris, Vorsitzender der rechtsprechenden FIFA-Ethikkomission, diesem mit mehreren Hinweisen geantwortet. Dabei sollten Voruntersuchungen gegen Funktionäre nur auf Weisung der vorsitzenden Person der Ermittlungskammer durchgeführt werden können.

Der entsprechende Passus wurde im neuen Ethikcode geändert, zuvor konnte das Sekretariat der Untersuchungskommission selbst Voruntersuchungen starten. Formal ist die Ethikkommission ein komplett unabhängiges Gremium; sie sperrte in der Vergangenheit unter anderen Infantinos Vorgänger Joseph Blatter.

Die FIFA teilte dem Magazin mit, dass es «völlig unplausibel» sei, dass sich Skouris zu einem Entscheid gegen seinen Willen hatte drängen lassen. Der neue Ethikcode war am 10. Juni vom Council des Weltverbands verabschiedet worden. Dabei taucht unter anderem Korruption nicht mehr explizit als Vergehen auf.

Die Streichung des Begriffes verteidigte der Weltverband in der Vergangenheit damit, dass dies keinen massgeblichen Einfluss auf die tatsächlichen Verstösse, die verfolgt werden, habe.

Die Neubesetzung der beiden Ethikkammern mit der Kolumbianerin María Claudia Rojas als Chef-Ermittlerin und Skouris im Mai 2017 hatte international für Kritik gesorgt.

Die Dokumente, die dem «Spiegel» von der Enthüllungs-Plattform Football Leaks zur Verfügung gestellt wurden, teilte das Magazin mit dem internationalen Rechercheverbund European Investigative Collaborations (EIC) und drei weiteren Partnern.