Johannes Thingnes Bö gewinnt trotz Fourcades Sieg den Gesamtweltcup

Der Kampf um den Gesamtweltcup im Biathlon der Männer wird wider Erwarten noch spannend. Zum Schluss gewinnt allerdings doch der Norweger Johannes Thingnes Bö die grosse Kristallkugel.

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Johannes Thingnes Bö war auch in diesem Winter der stärkste Biathlet.

Johannes Thingnes Bö war auch in diesem Winter der stärkste Biathlet.

KEYSTONE/AP/Petr David Josek
(sda)

Bö benötigte im letzten Rennen der Saison, der Verfolgung in Kontiolahti, bei einem Sieg von Martin Fourcade mindestens einen 4. Rang. Bei nur schwer beherrschbaren Verhältnissen im Schiessstand zeichnete sich tatsächlich ein Umsturz ab. Während sich Fourcade trotz drei Strafrunden an der Spitze etablierte, geriet Bö in Schwierigkeiten. Zwischenzeitlich rutschte der Sprint-Sieger sogar aus den Top 4. Mit fünf Treffern zum Schluss machte der Norweger aber alles klar. Er ging als Vierter in die letzte Runde. Auf der Zielgeraden kämpfte er nicht mehr um eine bessere Klassierung.

Fourcade feierte zum Abschluss der Karriere bei einem Wettkampf ohne Publikum den 83. Weltcupsieg - vor seinen Landsleuten Quentin Fillon Maillet und Emilien Jacquelin. «Zu Beginn meiner Karriere lief ich ebenfalls ohne Zuschauer», scherzte er im Siegerinterview. Am Freitagabend hatte er per Ende Saison den Rücktritt bekannt gegeben. Auch die Biathleten beugen sich nun dem Coronavirus und treten die Heimreise an.

Zudem schloss sich für Fourcade ein weiterer Kreis. Seinen ersten Weltcupsieg hatte er exakt vor zehn Jahren in der Verfolgung von Kontiolahti erzielt.

Fourcade hätte zweifellos weitere Jahre im Biathlon an der Spitze mitmischen können. Mit 31 Jahren bewegt er sich noch nicht in einem kritischen Alter. Aber er wählte einen anderen Weg. Zum Abschluss bezwang er Bö nochmals aus eigener Kraft. Dass die grosse Kristallkugel an den Norweger ging, kam ihm womöglich gelegen. Denn für Bö wurde es nur deshalb eng, weil er wegen des Vaterschaftsurlaubs zwei Weltcup-Destinationen ausgelassen hatte.

Die Schweizer Männer überzeugten am Samstag nicht. Martin Jäger belegte Platz 42, Jeremy Finello beendete den Wettkampf nicht. Teamleader Benjamin Weger hatte die Saison bereits nach den Weltmeisterschaften in Antholz beendet.