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Leicht dürfte es Romelu Lukaku nicht mehr haben

Die Tickets sind verkauft, die Spannung ist hoch. Die Young Boys erwarten am Mittwochabend im Stade de Suisse zum ersten Champions-League-Spiel ihrer Geschichte einen grossen Klub: Manchester United.
Nicht schlecht gelaunt vor dem Spiel in Bern: José Mourinho und Romelu Lukaku (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Nicht schlecht gelaunt vor dem Spiel in Bern: José Mourinho und Romelu Lukaku (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

(sda)

Am 19. Februar 2015 trafen die Young Boys daheim im Hinspiel der Europa-League-Sechzehntelfinals auf Everton. Sie verloren 1:4, Romelu Lukaku erzielte drei Tore. Seit gut einem Jahr spielt Lukaku für Manchester United. Wird er am Mittwochabend im Stade de Suisse die Young Boys in deren allererstem Spiel in der Königsklasse auf ähnliche Art desillusionieren wie damals? Geht es nur nach dem belgischen Stürmer, steht dem nichts im Weg. Er ist stärker und teurer geworden, er war ein Star der WM in Russland, und er war in der letzten Meisterschaft der sechstbeste Torschütze mit 16 Toren.

Betrachtet man aber parallel dazu die Entwicklung der Young Boys, könnte Lukaku es schwer haben. Unter Trainer Adi Hütter ist die Mannschaft ab 2015 gereift. Sie ist gut, so stabil und so selbstbewusst geworden, dass man es kaum noch vergleichen kann. Hütters Nachfolger Gerardo Seoane hat die Arbeit mehr als erfolgreich weitergeführt. Seit Anfang Dezember 2017 haben die Berner nur zwei von 24 Wettbewerbsspielen verloren. Eine solche Konstanz erreichte der Klub nicht einmal in den vier Meistersaisons von 1957 bis 1960.

YB in Schaffhausens Rolle

An der Medienkonferenz in Bern liess sich Seoane nicht in die Karten blicken. Der Luzerner zollte dem favorisierten Gegner jeden Respekt, wie es sich gehört. Er stellte die Situation der Young Boys mit jener des FC Schaffhausen im Cupspiel vom letzten Samstag gleich. «In Schaffhausen waren wir der Favorit. Jetzt sind wir der Aussenseiter. Man kann es gut vergleichen.»

Manchesters relativ dürftiger Erfolg

Bei nicht manchem europäischen Topklub klafft zwischen der wirtschaftlichen Kraft und den Ansprüchen einerseits sowie dem sportlichen Erfolg andererseits ein derart tiefer Graben wie bei Manchester United nach dem Ende der Ära von Sir Alex Ferguson 2013. Ab der Saison 2013/14 war 4,8 die durchschnittliche Schlussklassierung in der Meisterschaft. Der Rückstand auf den jeweiligen Meister betrug im Schnitt 19,6 Punkte. Dass der Meister in dieser Zeit zweimal Manchester City hiess, macht es für die Red Devils nicht besser.

Und in der Champions League? Der Vorstoss in die Viertelfinals in der Saison 2013/14 (Out gegen Bayern München) war in den letzten fünf Saisons das Beste. 2017 gewann die United die Europa League. Die Europa League ist allerdings der Wettbewerb, in dem sich die besten europäischen Klubs lieber nicht zeigen. Um in diese Konkurrenz zu gelangen, müssen sie entweder die Champions League nicht erreicht haben oder als Dritte in der Gruppe ausgeschieden sein.

Papiermühlestrasse gegen Weltall

Im Stade de Suisse treffen zwei Welten aufeinander. Mikrokosmos gegen Universum. Allein der Marktwert der Spieler machen die riesigen Unterschiede deutlich. Lukaku wird mit 112 Millionen Franken bewertet. Er ist beinahe doppelt so viel wert wie die wertvollsten zwölf Berner zusammen. Auch Paul Pogba aus Frankreichs Weltmeistermannschaft ist mit über hundert Millionen Franken veranschlagt. Bei den Zahlen, die realistischen Schätzungen entsprechen, gilt es zu berücksichtigen, dass die effektiv entrichteten Transfersummen in der Regel noch deutlich höher sind.

Der 25-jährige brasilianische Mittelfeldspieler Fred spielte fünf Saisons lang eher unauffällig bei Schachtar Donezk. Auf diese Saison wurde er von der United verpflichtet. In der Premier League spielte er anfänglich zweimal durch, in den letzten zwei Partien blieb er auf der Bank. Im internationalen Detailhandel ist dieser Fred 56 Millionen Franken wert - fast gleich viel wie wiederum die ersten zwölf Berner. Nimmt man auch bei Manchester United die am besten dotierten zwölf Spieler, ist der Unterschied zwischen dem Universum und dem Mikrokosmos beinahe erschreckend: 770 gegen 61 Millionen Franken. Faktor 12,6. Auf dem Kunstrasen ist es jetzt an den Bernern zu zeigen, dass sie nicht 12,6 Mal schlechter sind als der Gegner.

Erinnert sei noch an die Auftritte des FC Basel in der Königsklasse gegen Manchester United vor einem Jahr. Die Basler verloren zuerst im Old Trafford 0:3, aber im Rückspiel gewannen sie dank einem Tor von Michael Lang kurz vor Schluss 1:0. Lukaku traf in 180 Minuten nur einmal.

Mourinho und der Kunstrasen

Manchester United ist einer der bedeutendsten Klubs der Welt, José Mourinho einer der grössten Klubtrainer. Am Mittwochabend werden beide unter Druck sein.

Ein Trainer, der sich aufregt, ist ein Trainer, der die Sache ernst nimmt. Das gilt für den 55-jährigen Portugiesen auf jeden Fall. Letzte Woche beklagte er sich öffentlich darüber, dass die UEFA es zulasse, dass man im Stade de Suisse auf Kunstrasen spielen müsse. An einem UEFA-Meeting in Genf habe er seine Meinung dazu hinterlegt, sagte Mourinho 28 Stunden vor dem Match an der Medienkonferenz in Bern.

Die künstliche Unterlage hat sogar eine Auswirkung auf die Aufstellung. Der erfahrene Ecuadorianer Antonio Valencia, der nicht verletzt ist und auf der rechten Abwehrseite gesetzt wäre, ist in Manchester geblieben. Er würde laut Mourinho ernsthafte Gefahr laufen, sich auf dem Kunstrasen eine Knieverletzung zuzuziehen.

Federer als Vorbild für United

José Mourinho entfachte in Bern wegen des ungewohnten Grüns indessen keine Polemik, im Gegenteil. «Ich will nicht vor dem Spiel eine Ausrede bringen für den Fall, dass es uns nicht gut läuft. Man muss auf jeder Unterlage spielen können.» Danach brachte er wörtlich diesen Vergleich: «Wir spielen hier in der Schweiz. Die Schweiz hat den besten Tennisspieler überhaupt. Federer hat seinen Lieblingsbelag, aber er muss auch auf den anderen Belägen gewinnen, um der Beste zu ein. Für uns ist es jetzt das Gleiche.»

Mourinho verlor in der Champions League als Trainer seine beiden Partien auf Schweizer Boden, beide in Basel und jeweils 0:1: 2013 mit Chelsea, letzten Herbst mit Manchester United. Auf die beiden Niederlagen angesprochen, antwortete der Portugiese mit Witz: Er habe zwar beide Male in der Schweiz verloren, aber beide Male mit den Mannschaften die Gruppe gewonnen. Wenn es ihm ein drittes Mal so passiere, sei es also nicht schlimm.

Mourinho hat als Trainer schon alles erreicht. Selbst das grosse und das kleine Triple, das europaweit keiner seiner Kollegen vorweisen kann. Das grosse Triple umfasst (in einer Saison) den Gewinn der Meisterschaft und des Cups auf nationaler Ebene sowie der Champions League. Beim kleinen Triple gewinnt der Trainer die Europa League anstelle der Champions League. Mourinho, weiss, die das geht.

Die möglichen Aufstellungen

Young Boys - Manchester United. - 31'500 Zuschauer (ausverkauft). - SR Aytekin (GER).

Young Boys: Von Ballmoos; Mbabu, Wüthrich, Von Bergen, Benito; Fassnacht, Sanogo, Sow, Sulejmani; Assalé, Hoarau.

Manchester United: De Gea; Young, Smalling, Lindelöf, Shaw; Pogba, Matic, Fred; Rashford, Lukaku, Alexis Sanchez.

Bemerkungen: Young Boys ohne Lotomba (verletzt). Manchester United ohne Jones, Herrera, Rojo (alle verletzt) und Valencia (spezifische Verletzungsgefahr auf Kunstrasen).

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