Lewis Hamilton ist «schockiert»

Das Coronavirus erfasst auch die Formel 1 vor ihrem geplanten Saisonauftakt in Australien. Die Verantwortlichen halten Anpassungen trotzdem für unnötig. Lewis Hamilton übt harsche Kritik.

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Lewis Hamilton ist die Gleichgültigkeit der Verantwortlichen in der Formel 1 ein Dorn im Auge

Lewis Hamilton ist die Gleichgültigkeit der Verantwortlichen in der Formel 1 ein Dorn im Auge

KEYSTONE/EPA/MICHAEL DODGE
(sda)

«Ich bin sehr überrascht, dass wir hier sind», sagte Hamilton am Donnerstag. «Ich denke, es ist grossartig, dass wir Rennen haben können. Aber für mich ist es schockierend, dass wir alle in diesem Raum sitzen.»

Die Passivität und die Sturheit der Entscheidungsträger für die Formel 1 ist dem Briten ein Dorn im Auge. «Es scheint, dass die gesamte Welt reagiert. Heute Morgen hat Präsident Donald Trump die Grenzen zwischen Europa und den USA dichtgemacht. Die NBA hat ihren Spielbetrieb bis auf Weiteres eingestellt. Aber die Formel 1 macht einfach weiter.»

Auf die Frage, ob er das für den Sonntag geplante Rennen in Melbourne absagen würde, sollten sich Verdachtsfälle bei Teammitgliedern als Infektionen herausstellen, sagte Hamilton: «Es liegt nicht an mir, das zu entscheiden. Aber ich habe gehört, dass die Ergebnisse der Tests erst in fünf Tagen feststehen werden. Was für ein Zufall.»

Die Menschen im Land seien besorgt, stellte Hamilton fest. «Wir bringen einen ziemlich grossen Zirkus hierher. Es ist definitiv beunruhigend für mich.» Im Fahrerlager im Albert Park sind zur Zeit fünf Verdachtsfälle bekannt. Beim Team Haas sind vier Leute betroffen, bei der Equipe McLaren eine Person. Sollte es Infizierte geben, könnte die Notbremse gezogen werden. «Wir haben diesen Zeitpunkt noch nicht erreicht, an dem wir diese extremen Massnahmen ergreifen müssen», sagte die Gesundheitsministerin des Bundesstaates Victoria, Jenny Mikakos. «Wir werden aber nicht zögern, diese Schritte zu machen, wenn wir entsprechende Hinweis erhalen.»

Kimi Räikkönen teilt Hamiltons Meinung. «Ich weiss nicht, ob es richtig ist, dass wir hier sind. Wahrscheinlich nicht», sagte der Finne in Diensten der Equipe Alfa Romeo. «Aber das können nicht wir entscheiden. Ich denke, dass wir nicht hier wären, hätten die Teams entscheiden können.»

Zurückhaltender gab sich Sebastian Vettel. «Es ist ganz schwierig, ein faires Urteil zu fällen», sagte Vettel. «Wie Lewis gesagt hat, ist es angemessen zu fragen, warum man hier ist.»

Das Festhalten am ersten Grand Prix des Jahres hat selbstredend auch wirtschaftliche Gründe. Die lokalen Veranstalter wollen das Rennen unbedingt austragen. Der Bundesstaat Victoria lässt sich die Veranstaltung dem Vernehmen nach alleine rund 60 Millionen australische Dollar kosten. Das sind umgerechnet gut 36 Millionen Franken.