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Maisonnials Alptraum

Die Super League 2018/19 hat kaum begonnen, schon sorgte der FC Sion wieder für Unterhaltung auf allen Ebenen. Die jüngste Episode im Walliser Schmierentheater trägt den Titel «Maisonnials Alptraum».
Einsamer Goalie: Sittens Anthony Maisonnial verzeichnet im Wallis einen Horrorstart (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

Einsamer Goalie: Sittens Anthony Maisonnial verzeichnet im Wallis einen Horrorstart (Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

(sda)

Kurz vor dem sportlichen Auftakt des FC Sion zu Hause gegen Lugano hatte Christian Constantin die Öffentlichkeit darüber informiert, dass sämtliche Journalisten der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» der Zutritt ins Tourbillon verweigert würde. Grund dafür seien die inakzeptablen Kommentare des dortigen Chefredaktors über seinen Klub, begründete Sions Präsident. Fassungslosigkeit, Kopfschütteln, aber auch Amüsement einmal mehr. Dass umgehend eine dermassen bittere Episode folgen würde, wie sie Anthony Maisonnial schrieb, dafür konnte Christian Constantin für einmal nichts. Er war nämlich nicht involviert.

Anthony Maisonnial, der 20-jährige neue Goalie, der ohne Matchpraxis von Saint-Etienne ins Wallis kam, erlebte einen Horror-Einstand, wie man ihn sich seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. Nach 233 Sekunden liess sich der junge Franzose beim 1:2 gegen Lugano von einem Befreiungsschlag aus gut 80 Metern überlisten, ähnlich wie es 2005 Pascal Zuberbühler in einem Länderspiel gegen Zypern passiert ist.

Reden mochte Maisonnial hinterher verständlicherweise nicht. Er, dessen Einsatz auch dadurch begünstigt worden ist, dass Kevin Fickentscher, der ursprüngliche Stellvertreter des Langzeitverletzten Anton Mitrjuschkin, erst seit einer Woche wieder trainieren kann, verschwand sofort in der Kabine und hätte sich wohl am liebsten in Luft aufgelöst.

Sions Trainer Maurizio Jacobacci hatte vor dem Spiel noch über den ehemaligen französischen Junioren-Internationalen gesagt: «Anthony ist ein offensiver Goalie, ein junger, der vielleicht am Anfang einer grossen Karriere steht, aber in Frankreich halt nicht viel gespielt hat.» Hinterher klang es fast so, als hätte er etwas in diese Richtung kommen sehen.

«So ein Tor habe ich in meiner ganzen Karriere noch nie gesehen», sagte Jacobacci hinterher. Vorwürfe machte dem Goalie aber keiner, vielmehr hatten Trainer und Teamkollegen Mitleid und versuchten ihn aufzubauen. Das kann jedem passieren und schmerzt sehr. Es ist wichtig, dass wir ihn nun unterstützen. Die Verteidiger vor ihm waren auch nervös und nicht ohne Fehler», so Jacobacci. Bei Pajtim Kasami klang es ähnlich: «Kann passieren.»

«Mund abwischen, weiterkämpfen» pflegen die Fussballer zu sagen - in so einem Fall leichter gesagt als getan. Zumindest im Umgang mit einem solchen Fehler kann ihm sein Goalietrainer vielleicht helfen: Marco Pascolo war als Sion-Goalie am 4. Dezember 1988 gegen Aarau (4:1) Protagonist eines ähnlichen Treffers - allerdings war er der Torschütze, den Bock schoss sein Aarauer Antipode Roberto Böckli.

Zugleich fragt man sich, ob Maisonnial den Schnitzer, der vielleicht durch eine Windböe oder eine Unebenheit auf dem Rasen begünstigt wurde, ohne negative Folgen für seine Karriere übersteht, gerade in Sion bei Christian Constantin. Als Germano Vailati im Februar 2008 gegen St. Gallen einen Corner direkt ins Tor passieren liess, kostete ihn das umgehend den Stammplatz. Wenige Monate später zog er weiter nach Frankreich zum FC Metz.

Loris Karius ergeht es bei Liverpool gerade ähnlich. Dem 25-jährigen Deutschen unterliefen im Champions-League-Final gegen Real Madrid (1:3) zwei folgenschwere Patzer, jetzt ist er nur noch die Nummer 2. 72 Millionen Euro liess sich Liverpool die Verpflichtung des brasilianischen Nationalgoalies Alisson kosten. Aufmunternde Worte kann Anthony Maisonnial wirklich gerade brauchen.

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