Marc Hirschi: «Es war ein Triumph des ganzen Teams»

Marc Hirschi entscheidet die 12. Tour-Etappe nach einer 28-km-Soloflucht für sich. Die Zweifel, ob es ihm zum ersten Profi-Sieg reichen würde, schwinden beim Berner erst auf dem letzten Kilometer.

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Marc Hirschi war sich trotz des recht deutlichen Vorsprungs erst kurz vor dem Ziel sicher, dass er die 12. Etappe der Tour de France gewinnen würde

Marc Hirschi war sich trotz des recht deutlichen Vorsprungs erst kurz vor dem Ziel sicher, dass er die 12. Etappe der Tour de France gewinnen würde

KEYSTONE/EPA/FAUGERE FRANCK / POOL
(sda/afp)

Marc Hirschi, Sie nehmen erstmals an einer grossen Rundfahrt teil. Wie fühlen Sie sich nun nach diesem Etappensieg bei der Tour de France?

«Es ist unbeschreiblich. Zweimal zuvor war ich so nahe am Sieg dran. Zudem fühlte ich mich die letzten zwei Tage nicht überaus gut. Auch schlief ich nicht wirklich gut. Beim Start zur Etappe sagte ich mir aber: 'Das spielt keine Rolle. Ich gebe alles bis zum Schluss.' Ich hatte noch die Bilder der Etappen zuvor vor mir. In Laruns fehlte ja nur sehr wenig zum Sieg.»

Wann haben Sie in der 12. Etappe an den Triumph geglaubt?

«Sehr, sehr lange nicht, weil es ja zweimal nicht geklappt hat. Gerade am Sonntag (nach dem 3. Platz in der Pyrenäen-Etappe nach Laruns - Red.) war ich sehr enttäuscht. Obwohl ich zuvor bei meiner Flucht viel Kraft verbraucht hatte, glaubte ich, dass ich im Sprint gewinnen könnte.»

In Sarran jedoch wurden Sie nicht wie vier Tage zuvor noch eingeholt.

«Sicher war ich mir trotzdem erst auf dem letzten Kilometer. Auf den letzten 200 Metern gingen mir dann ganz viele Dinge aus meiner Karriere durch den Kopf. Es kommt mir wie ein Traum vor. Mein erster Profi-Sieg - und dieser gleich bei der Tour de France. Ich danke auch meinen Teamkollegen, die mir sehr geholfen haben und ohne die ich nicht gewonnen hätte. Es war heute auch ein Triumph des gesamten Teams.»

Sie und das Team Sunweb zeigten auf den letzten gut 40 der 218 km eine dominante Leistung. War das schon vor der Etappe so geplant?

«Nein. Der Plan war eigentlich, in einer Fluchtgruppe Unterschlupf zu finden. Als wir merkten, wie das Team Bora die Etappe kontrollieren wollte, haben wir unsere Taktik geändert. Ich wartete darauf, dass die Favoriten wie Julian Alaphilippe reagieren. Ich folgte dann aber meinem Gefühl und versuchte selber etwas. Das war zwar nicht der Plan, aber es war der richtige Entscheid.»

Sie sind ein starker Bergfahrer, ein exzellenter Abfahrer, man kennt Ihre Grenzen noch nicht. Fahren Sie irgendwann sogar um den Gesamtsieg bei der Tour de France?

«Das wäre mein Traum. Doch ich bin zum ersten Mal hier, und es folgen noch sehr lange Anstiege. Diese gilt es gut zu überstehen. Ich bin zum Lernen hier und muss weiterhin gut an meiner Basis arbeiten. Was danach kommt, sehen wir dann. Ich will mir mit einem solchen Ziel keinen Druck auferlegen.»