Meisterfrage geklärt - alle andern Fragen offen

Mit dem Rekordvorsprung von 19 Punkten und als Titelverteidiger steigt YB am Wochenende in die zweite Hälfte der Super League 2018/19. Das Titelrennen scheint entschieden zu sein, wäre da nicht...

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Christian Fassnacht (links) und Miralem Sulejmani freuen sich mit YB über ein weiteres Tor (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Christian Fassnacht (links) und Miralem Sulejmani freuen sich mit YB über ein weiteres Tor (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

(sda)

Nur die Young Boys sind befähigt, etwas zu veryoungboysen. Also könnten nur die Young Boys für die grösste Sensation in der Geschichte der Schweizer Meisterschaft sorgen - wenn sie den Vorsprung von 19 Punkten verspielen und nicht Meister werden. Seit der Einführung der Super League 2003/04 führte der Wintermeister nur zweimal mit mehr als zehn Punkten Vorsprung: Basel 2004 mit 14 Punkten und nochmals Basel 2017 mit 12 Punkten. Am Ende der Saison betrug die Differenz 13 respektive 17 Punkte.

Wie schon letzten Sommer verkauften die Berner in der Winterpause nicht derart viele begehrte Stammkräfte ins Ausland, wie erwartet worden war. Damals war es Innenverteidiger Kasim Nuhu, diesmal ist es Mittelfeldspieler Sékou Sanogo. Auch Leonardo Bertone ist abgewandert, aber der Italo-Berner füllte im Mittelfeld schon länger keine wichtige Rolle mehr aus. Er wurde von Djibril Sow sofort und von Michel Aebischer schleichend überholt. Sanogos Wegzug dagegen ist ein substantieller Verlust. Neuzugang Gianluca Gaudino ist ein anderer Spielertyp als der kraftvolle Puncher, der der Ivorer war.

Wer könnte den schier immensen Rückstand auf YB noch wettmachen? Die 19 Punkte Rückstand gelten nur für Serienmeister Basel, alle andern sind noch weiter zurückgebunden. Beim FCB war es in der Winterpause viel ruhiger, als es vor der Saison und zu Beginn der Saison mit dem Trainerwechsel zu Unzeiten gewesen war. Der Leihtransfer von Geoffroy Serey Die zu Neuchâtel Xamax war die bisher einzige Bewegung in der Wechselperiode, die in der Super League generell ruhig verläuft. Schon im August sagte Marcel Koller, er benötige Zeit, um die Spieler und die Mannschaft voranzubringen. Diese Zeit findet er jetzt vor.

Was im Rücken eines davonziehenden designierten Meisters im Frühling alles passieren kann, illustrierte die letzte Saison. Im alten Jahr (2017) wurden 19 Runden gespielt. Die Schlusstabelle hatte mit der Tabelle in der Winterpause nur eine entfernte Ähnlichkeit. Sion mit 17 und Luzern mit 20 Punkten waren auf den letzten zwei Plätzen vor dem Wiederbeginn stark gefährdet. Zuletzt wurde Sion unter dem neuen Trainer Maurizio Jacobacci Sechster, und Luzern kletterte mit der zweitbesten Bilanz der Rückrunde (hinter YB und vor Basel) unter dem neuen Trainer Gerardo Seoane auf den 3. Platz (hinter YB und Basel).

Letzter und Zweitletzter sind diesmal - mit ähnlichen Punktedifferenzen - Neuchâtel Xamax und die Grasshoppers. Die Abstände sind generell gering. Basels Vorsprung auf Xamax ist kleiner als der Rückstand auf YB. Von dieser Saison an wird sich der Zweitletzte wieder der Barrage gegen den Zweiten der Challenge League stellen müssen. So gesehen, können gerade die Mannschaften auf den Plätzen 4 bis 8 - Zürich, Luzern, St. Gallen, Sion, Lugano - ihrer Sache noch längst nicht sicher sein.

Viele Rückkehrer

1. Sion, 2. Grasshoppers, 3. Basel. Dies ist die Rangfolge der Mannschaften, die im Herbst am meisten unter verletzungsbedingten Absenzen potentieller Leistungsträger litten. Allen dreien hat die Winterpause gutgetan. Murat Yakin, Thorsten Fink und Marcel Koller können sich schon am Wochenende aus den nahezu vollständigen Kadern bedienen. In Sitten sind unter zahlreichen anderen Ermir Lenjani, Christian Zock, Baltazar und Quentin Maçeiras zurück, wie auch Burim Kukeli, der in der Vorbereitung einen ausgezeichneten Eindruck machte. GC kann in allen Mannschaftsteilen auf Rückkehrer zählen: Nathan, Jean-Pierre Rhyner, Raphael Holzhauser, Mirko Basic, Marco Djuricin und Shani Tarashaj sind eine Auswahl. Sollte Eray Cömert nach seiner neuerlichen Schulterverletzung nicht ausfallen, wäre beim FCB das gesamte Kader einsatzfähig. Die prominentesten Rückkehrer sind hier Valentin Stocker und Marek Suchy.

Waren die Young Boys im Herbst vor gewichtigen Ausfällen verschont geblieben, hat der Wind ein wenig gedreht. Die Fixstarter Kevin Mbabu und Miralem Sulejmani dürften erst ab der 23. oder 24. Runde wieder einsatzfähig sein. Allerdings ist das Kader der Berner von so hoher Qualität, dass sich die Absenzen vielleicht nicht stark bemerkbar machen. Für die vakanten Positionen stehen Nicolas Moumi Ngamaleu, Thorsten Schick und der talentierte Aussenverteidiger Léo Seydoux parat.

Die Hoffnung Serey Die

Bei der Hälfte der Meisterschaft hat Neuchâtel Xamax nicht annähernd so viel Erfolg als Aufsteiger, wie ihn sein Vorgänger Zürich hatte. Die Defensive, die 42 Tore hinnehmen musste, war bislang die Schwäche in der Mannschaft von Trainer Michel Decastel. Serey Die, für den Rest der Saison von Basel ausgeliehen, bringt Hoffnung auf eine eventuell entscheidende Besserung.

Der wundersame FC Thun

Für Mannschaften wie Luzern, St. Gallen und Thun kann es im Frühlingsprogramm nach oben und nach unten gehen. Was die Thuner, von vielen vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt, letzten Herbst wieder zeigten, ist bemerkenswert. Sie sind Dritte und weisen als einzige Mannschaft nebst YB eine deutliche positive Tordifferenz auf.

Der FC Zürich hat die Möglichkeit zu zeigen, dass er nach YB und Basel die dritte Kraft im Land ist. Der Cupsieger der vergangenen Saison ist im Herbst in der Meisterschaft allerdings einiges schuldig geblieben.

YB vor sagenhafter Marke

Schon in der ersten Runde des Frühlingspensums könnten die Young Boys ein bemerkenswertes Jubiläum begehen. Wenn sie am Samstagabend im Heimspiel gegen Neuchâtel Xamax ein Tor erzielen, werden die Berner in 50 Spielen in Folge mindestens einmal getroffen haben. Die zweitlängste Serie glückte dem FC Basel mit 41 Spielen in den Jahren 2005 und 2006.

Am 19. August 2017 remisierten die Young Boys beim FC Zürich 0:0. Es war die 5. Runde der Berner Meistersaison. Seither erzielten sie in jedem Match Tore - in 38 Fällen mehr als eines. Erwähnenswert ist auch, dass sie es in den letzten 20 Super-League-Partien nur einmal (beim 1:0-Sieg in Bern gegen Sion) bei einem Tor bewenden liessen.