«Mourinho ist am Ende seines Weges» - schlechtester Saisonstart für ManU seit 1989

Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 1989 Meisterschaft braucht Manchester Uniteds Trainer José Mourinho in der Champions League gegen Valencia einen Heimsieg. Sonst wäre sein Ende wohl gekommen.

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José Mourinho verspürt in Manchester Gegenwind (Bild: KEYSTONE/EPA/NIGEL RODDIS)

José Mourinho verspürt in Manchester Gegenwind (Bild: KEYSTONE/EPA/NIGEL RODDIS)

(sda)

Das 3:0 gegen die Young Boys zum Auftakt in der Champions League war nur ein kleines Strohfeuer. Knapp zwei Wochen und drei schwache Spiele später stehen José Mourinho und sein Team mit dem Rücken zur Wand. In der Premier League ist der schlechteste Saisonstart seit 29 Jahren bereits Tatsache.

Verliert der englische Rekordmeister am Dienstag auch noch sein erstes Heimspiel in der Champions League gegen Valencia, wäre die Ausgangslage auch in diesem Wettbewerb kompromittiert, der Auswärtssieg in Bern schon fast nichts mehr wert und José Mourinho seinen Job wohl los.

Die Klubführung berät sich derzeit über die Position des Star-Trainers aus Portugal. Eigentlich spricht nur noch das Finanzielle für Mourinho: Es ist fraglich, ob der Verein eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe bezahlen will. So grosszügig die englischen Topklubs bei Transfersummen und Gehältern sind, so ungern zahlen sie Schmerzensgeld in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten.

Den Draht zum Team scheint Mourinho längst verloren zu haben. Mit Paul Pogba hat er sich zerstritten, den Weltmeister hat er intern degradiert. Der Chilene Alexis Sanchez, der Grösstverdiener unter den Grossverdienern im Kader, sass am Samstag beim 1:3 gegen West Ham United nur noch auf der Tribüne. Nach diesem Spiel hat Mourinho zudem auch den Franzosen Anthony Martial öffentlich kritisiert.

«Der Klub kann nicht zulassen, dass dies so weitergeht: Die Spieler auf der einen Seite, der Trainer auf der anderen. So wird es die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte», sagte der frühere United-Verteidiger und aktuelle TV-Experte Rio Ferdinand. «Zu meiner Zeit gehörte die harte Arbeit zur DNA des Klubs. Jetzt sieht man dies nicht. Es fehlt an der Solidarität. Es gibt viele kleine Kriege innerhalb der Mannschaft.» Man kann davon ausgehen, dass Ferdinand, der zwischen 2002 und 2014 über 450 Spiele für Manchester United bestritt, weiss, wovon der spricht.

Zumindest gegen West Ham United hat sich das Team nicht für den Trainer zerrissen. Wie die Londoner «Times» am Montag schrieb, ist kein Premier-League-Team am letzten Wochenende weniger gerannt. 59 Sprints hat die «Times» von Paul Pogba & Co gezählt. Das ist weniger als die Hälfte von Mannschaften wie Liverpool (154), Huddersfield (125), Arsenal (122) oder Chelsea (119).

Über das «Jogo bonito», wie das schöne Spiel in der portugiesischen Sprache genannt wird, haben sich die Teams des Portugiesen José Mourinho noch nie definiert. Wenn alles andere auch nicht mehr stimmt, ist es tatsächlich so, wie die «Times» am Wochenende schrieb: «Mourinho ist am Ende seines Weges.»