Nadal: «Heute würde ich nicht in New York spielen»

Rafael Nadal ist froh, nach dem harten Lockdown in Spanien wieder ab und zu auf dem Tennisplatz zu stehen. Voll trainiert der zwölffache French-Open-Sieger aber noch nicht.

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So sieht es im Normalfall Anfang Juni aus: Rafael Nadal als Sieger des French Open
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Tastet sich erst langsam wieder ans Wettkampftraining heran: Rafael Nadal
Aktuell befindet sich Nadal in der heimischen Academy (hier mit Roger Federer bei der Eröffnung 2016) auf Mallorca in der Vor-Vorbereitung auf eine mögliche Fortsetzung des Saison
Im letzten Jahr triumphierte Nadal auch am US Open. Im Moment hat er aber eher Mühe, sich vorzustellen, in weniger als drei Monaten in New York zu spielen
So voll dürfte das Arthur Ashe Stadium auf keinen Fall sein, falls Ende August am US Open überhaupt gespielt werden. Leere Stadien wären für Nadal eine Horrorvorstellung, doch er würde lieber ohne Zuschauer spielen als gar nicht

So sieht es im Normalfall Anfang Juni aus: Rafael Nadal als Sieger des French Open

KEYSTONE/AP/Christophe Ena
(sda)

Nach einem langen und strikten Lockdown in Spanien meldet sich Rafael Nadal erstmals wieder zu Wort. In einer Videokonferenz mit ausgewählten Journalisten sprach der 19-fache Grand-Slam-Champion aus Mallorca am Donnerstag, einen Tag nach seinen 34. Geburtstag, über die schwierigen letzten Wochen - und die kommenden Monate.

Rafael Nadal, in weniger als drei Monaten soll in New York das US Open stattfinden. Können Sie sich das vorstellen?

(überlegt)

«Es ist nicht einfach und nur sehr schwer vorauszusehen. Aus der Distanz ist es schwierig, die Situation zu beurteilen. Heute würde ich nicht in New York spielen, aber in zwei Monaten sieht es hoffentlich besser aus.»

Im Moment wären Sie normalerweise am French Open, ihrem Lieblingsturnier. Wie sehr fehlt es Ihnen und wie optimistisch sind Sie, dass es im Herbst stattfinden kann?

«Ich bin weder optimistisch noch negativ. Ich weiss es einfach nicht. Natürlich vermisse ich das Tennis, aber viel wichtiger ist, dass wir zurück zu einem normalen Leben kommen. Tennis ist sehr global, mit vielen Reisen verbunden. Das macht es schwierig.»

Vor einigen Wochen haben Sie sich sehr skeptisch darüber geäussert, dass 2020 nochmals bei den grossen Turnieren gespielt werden kann. Wie sieht es jetzt aus?

«Bei so viel Leid rundherum war es für mich unmöglich, an grosse Sportveranstaltungen zu denken. Jetzt scheint es wieder eher möglich, aber ich bin nicht sehr optimistisch. Wir müssen ein Vorbild für die Menschen sein und verantwortungsvoll handeln. Ich kann mir nicht vorstellen, grosse Turniere zu spielen so lange das Reisen nicht für jeden Spieler aus jedem Land möglich ist.»

Spanien hatte ja einen sehr strengen und langen Lockdown. Sind Sie froh, jetzt wieder auf dem Tennisplatz stehen zu können?

«Ich bin vor allem froh, dass ich wieder Familie und Freunde sehen kann. Das habe ich mehr vermisst als den Tennisplatz. Jetzt nehme ich es Schritt für Schritt. Ich trainiere noch nicht streng, ein bis zwei Tage pro Woche und nicht drei Stunden am Tag. Es geht darum, in ein paar Wochen bereit zu sein, um wieder mehr zu machen.»

Wie fühlen Sie sich körperlich?

«Ich fühle mich okay, aber ich teste den Körper bis jetzt nicht. Ich werde erst wieder richtig trainieren, wenn es einen möglichen Kalender gibt. Ich bin sozusagen in der Vor-Vorbereitung.»

Könnten Sie sich Turniere ohne Fans vorstellen?

(überlegt)

«Ich hasse die Idee. Die Energie der Zuschauer ist für mich eigentlich unentbehrlich. Aber wenn es der einzige Weg wäre, warum nicht? Ich würde auf jeden Fall auch ohne Zuschauer spielen, wenn es sicher ist.»

Das French Open ist nun im Herbst geplant. Was ändert das?

«Es wäre alles anders. Die Vorbereitung, das Wetter, aber es ist für alle anders, nicht nur für mich.»

Könnte die lange Zwangspause für ältere Spieler wie Sie ein Vorteil sein und sogar die Karriere verlängern?

«Grundsätzlich ist es einfacher, wenn der Körper jünger ist, um ihn nach einer Pause wieder in Form zu bringen. Anderseits haben wir Älteren mehr Erfahrung. Was sicher unterschiedlich ist, ist die Perspektive. Wenn ein 34- oder 38-Jähriger ein Jahr verliert, ist das etwas anderes als bei einem Jüngeren.»