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Nadal: «Dieser Sieg hier wird nie Routine»

Rafael Nadals Regentschaft an den French Open geht weiter: Der 32-jährige Spanier zeigt dem Österreicher Dominic Thiem die Grenzen auf und feiert den 11. Triumph in Paris. Kein anderer Spieler hat eine vergleichbare Bilanz bei einem Major-Turnier.
Jörg Allmeroth, Paris
Rafael Nadal war in Paris einmal mehr nicht zu stoppen (Bild: KEYSTONE/AP/MICHEL EULER)

Rafael Nadal war in Paris einmal mehr nicht zu stoppen (Bild: KEYSTONE/AP/MICHEL EULER)

Er gewann seinen ersten French- Open-Titel gleich als Debütant, 2005, noch im Teenageralter. Er gewann nach dem Senkrechtstart immer wieder und immer weiter, er wurde in seinen Zwanzigern zum strahlenden Regenten von Paris, zum einsamen Machthaber. Und auch jenseits der dreissig ist Rafael Nadal unwiderstehlich in seinem Sturm und Drang, in seiner zeit- und alterslosen Klasse. Als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, gewann der bullige Mallorquiner am Sonntag seinen bereits elften Titel bei den Offenen Französischen Meisterschaften – leidenschaftlich, aber in den wichtigen Momenten eiskalt und hochkonzentriert wehrte der 32-Jährige mit seinem 6:4-, 6:3-, 6:2-Sieg die engagierte Attacke des Österreichers Dominic Thiem ab. Das Fazit war schlicht und ergreifend dies: Der König bleibt der König in Paris – und der Rest der Tenniswelt nur Zuschauer seiner faszinierenden Herrschaft. «Es ist ein Gefühl des grossen Glücks und der Genugtuung», sagte Nadal, der nach dem fünften verwandelten Matchball die Fäuste zum Himmel reckte, «dieser Sieg hier wird nie Routine.»

Immer noch wild und verwegen

13 Jahre nach der fulminanten Premiere in seinem persönlichen Tennisparadies liess Nadal auch den nächsten Herausforderer abblitzen: Vor zwölf Monaten hatte er den ambitionierten Schweizer Stan Wawrinka, gern auch mal «Stanimal» genannt, in die Schranken verwiesen – und nun zeigte der Matador auch Thiem, dem Wiener Kraftpaket, schonungslos die Grenzen auf. Nadal in Paris zu bezwingen, erst recht in der zugespitzten Turnierphase, ist und bleibt die schwierigste Herausforderung im Tennis dieser Tage. «Ich spüre immer noch das Feuer, diesen starken Willen in mir», hatte Nadal vor seiner 2018er-Kampagne gesagt, und der Kampfadresse folgte die nächste, die elfte mitreissende Titelmission. Nur einen Satz gab Nadal in sieben Matches ab, gegen den Argentinier Diego Schwartzman im Viertelfinal, sonst aber war er der Fix- und Mittelpunkt dieser Grand-Slam-Festivitäten. Thiem hatte die Sandplatzsaison auf den grossen Bühnen mit einem Paukenschlag eröffnet, als er Nadal bei dessen Masters-Heimturnier in Madrid schlug. Es blieb dann allerdings auch der einzige Fehltritt des unverwüstlichen Kämpfertypen aus Manacor, der auf der Höhe seiner Sandplatzkunst immer noch diese archaische, wilde und verwegene Attitüde aus Jugendjahren konserviert hat. Nadal auf Sand ist ein Naturereignis, ein einziges Erlebnis, eine nicht zu bremsende Gewalt. Und Paris, den jährlichen Höhepunkt dieser Tennisspezialdisziplin, hat er – von zwei Ausnahmen in all den Jahren (2009 Söderling, 2016 Djokovic) abgesehen – im eisernen Griff. 86:2 lautet sein Roland-Garros-Zeugnis nun, kein anderer Spieler und keine andere Spielerin in der Geschichte kann eine vergleichbare Bilanz bei einem Major-Turnier vorweisen. Ex-Superstar John McEnroe sagte: «Solange Nadal hier spielt, kannst du praktisch nicht gegen ihn wetten.»

Die Saison 2018 erlebt mit dem Triumph des Spaniers auch die fortgesetzte Renaissance der alten Titanen – nämlich von Nadal und Federer. Seit sie beide aus längeren Verletzungspausen zu Beginn 2017 in den Circuit zurückkehrten, haben sie alle sechs Grand Slams gewonnen. Nadal die French Open 2017 und 2018 und die US Open 2017. Federer zweimal die Australian Open und Wimbledon vor knapp zwölf Monaten. Pariser bezeichnen Nadal als «Kannibalen» Als Nadal gestern die letzten Rutschübungen in Paris absolvierte, machte sich Federer gerade für seine Rückkehr auf den Rasen fit, er trainierte auf dem Stuttgarter Weissenhof, wo er am Mittwoch seinen ersten Auftritt hat. Bei ihrer gegenseitigen Rekordjagd kommen sie nun schon auf 37 Grand-Slam-Siege: Federer führt mit 20 Titeln, Nadal steht bei 17 Erfolgen. Fortsetzung dieses Zweikampfs: vielleicht schon in Wimbledon, wo Nadal und Federer als topgesetzte Spieler ins Rennen gehen. Rafael Nadal wird von den Parisern zuweilen als «Kannibale» bezeichnet. Oder auch als «Ungeheuer». Weil er über die Ewigkeit von fast anderthalb Jahrzehnten nichts von seiner Gier verloren hat, von seinem Siegesdrang und seiner Willenskraft. Auch Thiem bekam diese mentale Wucht zu spüren, der Spieler, der auf Sand als Nadals Kronprinz gehandelt wird. Am war er chancenlos.

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