Nationalmannschaft auf Kurs im laufenden Prozess

Dank dem 2:1 in Island hat die Schweizer Nationalmannschaft die sportliche Pflicht in der Nations League erfüllt. Gegen Belgien folgt im November die Kür.

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Vladimir Petkovic darf einem lustvollen Match gegen Belgien entgegenblicken (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

Vladimir Petkovic darf einem lustvollen Match gegen Belgien entgegenblicken (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

(sda)

Das Rückspiel gegen den WM-Dritten in Luzern ist für die Schweiz die nächste Chance, sich gegen einen Weltklasse-Gegner in einem Wettbewerbsspiel zu beweisen.

Lange wird der Kurztrip der Schweizer Delegation an den 64. nördlichen Breitengrad nicht in Erinnerung bleiben. Der Auftritt der SFV-Auswahl am Montag passte über weite Strecken zum garstigen Wetter und den spätherbstlichen Temperaturen über dem Nordatlantik. Eine halbe Stunde guter Fussball, kombiniert mit dem Glück des Tüchtigen, reichte der Mannschaft, um weder Angriffsfläche zu bieten noch unangenehme Fragen aufkommen zu lassen.

Die turbulente Schlussphase, in der Ruhe, Ordnung und Übersicht verloren gingen, blieb eine Randnotiz. Nach drei der vier Gruppenspiele im neuen Wettbewerb sind die Schweizer auf Kurs. Der Klassenerhalt in der höchsten Liga ist vorzeitig geschafft, der Platz in Topf 1 bei der Auslosung der EM-Qualifikation Anfang Dezember gesichert. Und die Chance, einen kleinen Coup zu schaffen, besteht nach wie vor. «Was gibt es Geileres, als einen Final gegen Belgien vor den eigenen Fans zu spielen?» fragte Granit Xhaka rhetorisch.

Zum Auftritt in Island äusserte sich der Captain differenziert. Er kritisierte die schwache erste Halbzeit ("Wir haben nicht schnell genug gespielt»), lobte aber die Leistungssteigerung nach der Pause. «Wir wussten, dass wir zulegen müssen und haben dann bis zum Gegentreffer so gespielt, wie wir uns das vorstellen: schnell, intensiv, nach vorne, ohne hinten viel zuzulassen.» In den turbulenten letzten Minuten bemängelte Xhaka die aufkommende Hektik, Nationaltrainer Vladimir Petkovic sprach von fehlender Cleverness, gewann dem Zittern aber auch eine positive Seite ab: «Wir müssen auch lernen, ein wenig zu leiden.»

Mehr Flexibilität und Variabilität

Auch wenn die von Petkovic ausgerufene Experimentierphase noch nicht abgeschlossen ist, lassen sich aus den ersten vier Partien in diesem Herbst erste Schlüsse ziehen. Der Pool an personellen Ressourcen bleibt überschaubar. Nico Elvedi bewies im Kreis der Nationalmannschaft, warum er seit Jahren in der Bundesliga Stammspieler ist, der 22-Jährige von Borussia Mönchengladbach ist in der Defensive mehr als eine Alternative. Yvon Mvogo zeigte gegen Island ein starkes Debüt. Sein Pech ist, dass die Schweiz auf der Torhüter-Position überdurchschnittlich besetzt ist.

Die grösste Baustelle bleibt die Besetzung der Flügelspieler und des Sturmzentrums. Zwar verfügt Petkovic auf diesen Positionen über eine gewisse Qualität, Erfahrung und Breite, ein Überflieger fehlt allerdings - und ist auch nicht in Sicht. Christian Fassnacht absolvierte seine ersten beiden Länderspiele, der in Belgien und Island verletzt fehlende Kevin Mbabu hatte im Hinspiel gegen Island angedeutet, dass er als Aussenverteidiger auf der rechten Seite ein belebendes Element sein kann. Den Beweis, dass sie die Mannschaft tatsächlich einen Schritt vorwärts bringen, müssen die Debütanten der Herbst-Zusammenzüge aber noch erbringen.

Es zeugt von Reife und Klasse, dass die Schweizer die unangenehme Aufgabe auf Island trotz mässiger Leistung lösten. Die Mannschaft hat ihr taktisches Repertoire erweitert und verfügt spielerisch über mehr Flexibilität, die defensive Stabilität ist unabhängig von System und personellen Wechseln weiterhin gegeben. Und dank der Rochade von Xherdan Shaqiri auf die Position des Spielmachers ist das Offensivspiel variabler geworden.

Petkovic zog ein positives erstes Fazit des bis im Frühjahr laufenden Prozesses. «Wir können gegen jeden Gegner unsere Spielweise durchsetzen, egal mit welcher taktischen Ausrichtung wir auftreten.» Ob die Mannschaft auch in einem entscheidenden Wettbewerbsspiel gegen einen Top-Gegner zu dem fähig ist, wird sich am 18. November gegen Belgien weisen.