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Noch keine Trainerentlassung in der National League

Es ist Mitte November und noch immer sind in der National League dieselben zwölf Trainer im Amt wie zu Saisonbeginn. Eine Seltenheit, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.
Arno Del Curto ist der dienstälteste Trainer der National League. Er steht seit 1996 beim HC Davos an der Bande (Bild: KEYSTONE/EDDY RISCH)

Arno Del Curto ist der dienstälteste Trainer der National League. Er steht seit 1996 beim HC Davos an der Bande (Bild: KEYSTONE/EDDY RISCH)

(sda)

Die Frage «Welcher Trainer fliegt als erstes?» wird bei den Buchmachern vor dem Saisonstart fast so heiss gehandelt wie der Meistertipp oder die acht Namen der Playoff-Teilnehmer. Noch ist es in der National League aber ruhig auf dem Trainermarkt - ungewöhnlich ruhig. Denn das Trainerkarussell im Schweizer Eishockey nahm Fahrt auf wie die Achterbahn im Vergnügungspark.

Letzte Saison beispielsweise mussten mit Dan Ratushny (Lausanne) und Pekka Tirkkonen (Kloten) gleich zwei Übungsleiter bis Mitte Oktober ihren Chefposten räumen. Mit Mike McNamara (Biel) und Hans Wallson (ZSC) kamen bis zum Jahreswechsel zwei weitere dazu.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass es in diesem Jahrzehnt in der höchsten Schweizer Liga jede Saison immer mindestens eine Trainerentlassung bis zur Nationalmannschaftspause im November gab. Die Suche geht bis ins Jahr 2009 zurück, um eine vergleichbare Flaute auf dem Trainerkarussell auszumachen. Damals dauerte es bis am 1. Dezember, ehe sich die Rapperswil-Jona Lakers vom Finnen Raimo Summanen trennten.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger glaubt, dass die geringen Abstände in der Tabelle mitverantwortlich sind, dass sich die Klubs derzeit in Geduld üben. «Der Grund, warum es einer Mannschaft nicht läuft, ist gewissermassen erklärbar.“ Oftmals seien auch Verletzungen von Schlüsselspielern der Grund für eine Baisse eines Teams. «Ob du in Bestbesetzung oder ohne deine 2. oder 3. Linie antreten musst, ist entscheidend», sagt Leuenberger. Dies könne für den Trainer teils fatale Folgen haben.

Der Totomat entscheide über das Schicksal des Trainers. So heisst es gemeinhin. Viel wichtiger als das nackte Resultat erscheint für Leuenberger aber die Entwicklung seiner Mannschaft. «Als Sportchef geniesst für mich nicht nur das resultatorientierte Denken Priorität, sondern die Art und Weise, wie sich das Spiel der eigenen Mannschaft entwickelt», so der vierfache Meisterverteidiger mit dem SC Bern. In dieser Hinsicht hat der ZSC als Siebenter derzeit noch Luft nach oben. Wichtig sei vor allem auch, «dass die Chemie im Team stimmt, wenn es einmal nicht läuft», so Leuenberger.

Krisensymptome von Davos bis Genf

Anzeichen für eine Trainerentlassung gab oder gibt es in dieser Saison auf mehreren Schauplätzen. Die Rapperswil-Jona Lakers beispielsweise, legten mit sieben Punkten aus den ersten 18 Meisterschaftsspielen einen miserablen Saisonstart hin. Trotzdem stand Jeff Tomlinson am oberen Zürichsee bislang kaum zur Debatte. Bei den St. Gallern ist man sich der schwierigen Ausgangslage bewusst. Noch zerrt das Team und das Umfeld von der überragenden Aufstiegs-Saison mit dem Cup-Triumph im vergangenen Februar. Aber, wie lange noch?

Nicht unbedingt erwarten konnte man die angespannte Situation im HC Davos. Der Schweizer Rekordmeister hat nach rund einem Drittel der Qualifikation lediglich 14 Punkte auf dem Konto und droht erstmals seit dem Wiederaufstieg im Jahr 1993 die Playoffs zu verpassen. Die Mannschaft offenbarte teilweise Zerfallserscheinungen. Trotzdem kann sich kaum jemand vorstellen, dass Kulttrainer Arno Del Curto (seit 1996 im Amt) bei seinem HCD eines Tages vor die Tür gestellt wird.

Während die Davoser vor eigenem Anhang bislang massiv enttäuschten (nur 3 Punkte aus acht Heimspielen), tun sich mit Lugano und Servette zwei Teams besonders auf fremdem Eis schwer. Die Genfer punkteten in sieben Auswärtsspielen kein einziges Mal, Lugano schaffte es erst im sechsten Anlauf zum ersten Sieg. Doch Greg Ireland, der Coach der Tessiner, geniesst klubintern einen ausgezeichneten Ruf, der den öffentlichen Turbulenzen bislang standhalten mag. Und bei Servette ist seit dieser Saison Chris McSorley wieder in der Doppelfunktion als Trainer und Sportchef tätig, was auch nicht auf eine baldige Absetzung hindeutet.

Anzeichen einer frühen Krise gab es auch bei Fribourg-Gottéron (3 Niederlagen zum Saisonstart) und in Lausanne. Der Stuhl des Cheftrainer-Neulings Ville Peltonen wackelte nach acht Niederlagen aus zehn Spielen Ende Oktober zwar bedrohlich, doch der Finne schaffte mit den Waadtländern den Turnaround und reihte zuletzt sechs Siege in Folge aneinander.

Kein richtig oder falsch

Den richtigen Zeitpunkt für einen Trainerwechsel zu finden, ist sehr komplex. Leuenberger und die ZSC-Führung bewiesen in der vergangenen Saison ein gutes Händchen, als sie sich Ende Dezember von Hans Wallson trennten und bis zum Saisonende Hans Kossmann installierten. Trotz einer schwachen Qualifikation waren die Zürcher unter neuer Leitung zum richtigen Zeitpunkt bereit und stürmten in den Playoffs von Platz 7 zum neunten Meistertitel der Klubgeschichte.

Ähnlich gut ging es 2009 auch für die Rapperswil-Jona Lakers aus. Als Raimo Summanen im Dezember beim Tabellenletzten entlassen wurde, sprang Luganos vierfacher Meistertrainer John Slettvoll ein. Doch der Schwede, nur als Interimslösung bis Ende Saison angedacht, musste im Februar vorzeitig Christian Weber Platz machen. Mit Weber schafften die Lakers in der ersten Playout-Runde den vorzeitigen Ligaerhalt.

Die Geschichte weisst gewisse Parallelen zur letzten Saison auf, als Kevin Schläpfer beim EHC Kloten im Oktober Tirkkonen beerbte, sein Amt aber vor der Liga-Qualifikation an André Rötheli abtreten musste. Der Rest ist bekannt: Die Zürcher Unterländer zogen gegen die Rapperswil-Jona Lakers im siebten und entscheidenden Spiel den Kürzeren und stiegen nach 56 Jahren in die zweithöchste Spielklasse ab.

Ein Patentrezept gibt es in Sachen Trainerentlassungen also nicht. Trotzdem scheint es wahrscheinlich, dass bald schon irgendwo ein «Feuerwehrmann» einspringt.

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