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Nati-Coach Petkovic über sein Schweigen und neue Pläne

52 Tage lang hat Vladimir Petkovic geschwiegen. Nach schweren Turbulenzen und Anschuldigungen meldet sich der SFV-Coach wieder zu Wort. Die Pannen bedauert er, eine Zerrüttung befürchtet er nicht.
Gab zum ersten Mal seit dem WM-Aus gegen Schweden der gesammelten Presse wieder Auskunft: Nationalcoach Vladimir Petkovic (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

Gab zum ersten Mal seit dem WM-Aus gegen Schweden der gesammelten Presse wieder Auskunft: Nationalcoach Vladimir Petkovic (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

(sda)

Von der Verbandsführung, die in aktueller Besetzung zumindest in diesem Herbst die Verantwortung tragen wird, erhielt Petkovic das Vertrauen einmal mehr vollumfänglich ausgesprochen. «Vlado ist eine disziplinierte Persönlichkeit, die viel denkt und arbeitet, auf die man sich verlassen kann. Noch nie war ein Schweizer Nationalcoach so erfolgreich wie er», hält Claudio Sulser fest.

Am Tag der SFV-Schuldeingeständnisse ruft der Tessiner Delegierte des Nationalteams zur Relativierung der Kritik auf. Das mediale Spiel auf den Mann missfällt ihm. Der Advokat versteht zwar, «dass die Nationalmannschaft bewegt» - aber Petkovic will er aus dem Bannstrahl der Negativschlagzeilen ziehen und dessen Öffentlichkeitsarbeit optimieren. «Ich werde ihn im Bereich der Kommunikation stärker unterstützen.»

Petkovics teilweise eigenwillige Interpretation der Öffentlichkeitsarbeit beschleunigte aus Verbandssicht den Verlust der eigenen Agenda. Weil der Selektionär schwieg, steuerten Aussenstehende die Debatte. 52 Tage nach dem Achtelfinalout gegen Schweden versuchte er, seine passive Haltung zu erklären - er sei zwölf Stunden nach der Partie angesichts der Enttäuschung nicht in der Lage gewesen, «eine clevere Aussage zu machen». Stattdessen schob Petkovic seinen Captain und den Präsidenten Peter Gilliéron zur Instant-Aufarbeitung vor.

«Ich wollte mich nicht in dieses Thema nicht einmischen»

Mit seiner quasi selber auferlegten Nachrichtensperre verschuldete Petkovic ein wochenlanges Sommertheater um eine Auswahl, die sich rein sportlich bis auf einen Energieverlust im wichtigsten Turniermoment wenig vorzuwerfen hatte. Von seinem Stumm-Modus rückte der Südschweizer selbst nach der Publikation des folgenschweren Doppelbürger-Interviews des inzwischen ausgeschiedenen Generalsekretärs Alex Miescher nicht ab.

«Ich wollte mich nicht in dieses Thema nicht einmischen», meldete Petkovic nach rund siebenwöchiger Selbstreflexion im Haus des Sports in Bern. Leider hätten sie das Timing verpasst, früher zu kommunzieren. «Das nehme ich auf meine Kappe.»

Hinter den Kulissen hingegen hatte der Stratege nicht geschwiegen, sondern seine Planungen für den kommenden EM-Zyklus vorangetrieben. Deshalb unterhielt sich Petkovic telefonisch mit der Ü30-Fraktion seines Ensembles. Er habe sie «für die nahe Zukunft sensibilisieren wollen», weil er in den sechs Partien der kommenden Monate im Test- und Nations-League-Rahmen vorhabe, mit frischem Personal zu experimentieren.

Einer goutierte Petkovics Kontaktaufnahme nicht: Valon Behrami - der langjährige Leitwolf verkündete vor Wut rasend den sofortigen Rücktritt. Wer hat sich falsch ausgedrückt? Der entnervte Ex-Nationalspieler oder der Coach, der mit seinem Anruf nicht Klarheit, sondern Irritationen schuf?

«Es ist eskaliert, das tut mir leid», bedauert Petkovic den «Fall Behrami». Eine solche Reaktion habe er vom sechsfachen Turnier-Teilnehmer nicht erwartet. «Ich wollte mit ihm nur die Zukunft besprechen.» Er habe keinesfalls wie ein Politiker gehandelt, so Petkovic. «Sondern wie ein Trainer, der nach sportlichen Voraussetzungen entscheidet.»

Seine Strategie, verdiente Akteure wie Captain Stephan Lichtsteiner, Johan Djourou, Blerim Dzemaili, Gelson Fernandes oder eben Behrami telefonisch über ihre künftige Rolle zu orientieren, hält Pektovic nach wie vor für richtig. Er habe niemanden bevorzugen wollen. «Alle sollten es gleichzeitig erfahren.» Und: «Ich hätte es bei einem persönlichen Gespräch nicht anders sagen können.»

Mit Blick auf das erste Treffen der Nationalspieler seit dem unfreundlichen Ende ihrer russischen Mission befürchtet Petkovic keineswegs einen Kollateralschaden. Von kolportierten Rissen innerhalb des Teams will er nichts mitbekommen haben. «Aber es ist klar, dass wir einen oder zwei Schritte zurück machen und alle Dinge klären müssen. Sollte etwas in der Luft sein, wird es angesprochen», verspricht Petkovic zwischenmenschliche Transparenz.

Und eben, er ist weiterhin guter Dinge, relativ rasch wieder auf Touren zu kommen. Die Basis sei nach lediglich zwei Niederlagen innerhalb der letzten 25 Spiele gut. «Und die Spieler werden davon weniger berührt sein, als man denkt», glaubt Petkovic zu spüren, ehe er ein kräftiges Statement in eigener Sache platzierte: «Ich bin stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein.»

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