Rod Laver: Dank Spikes zum zweiten Grand Slam

50 Jahre ist es her, seit Rod Laver seinen zweiten Kalender-Grand-Slam schaffte - als bislang letzter Tennisspieler. Dank Roger Federer bleibt der Australier in Erinnerung.

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Im Final des French Open besiegt Laver im Stade Roland-Garros seinen australischen Landsmann Ken Rosewall (re.) 6:3, 6:1, 2:6, 6:2 (Bild: KEYSTONE/AP/MARQUETON)
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Erste Begegnung am Australian Open 2006: Roger Federer erhält aus den Händen von Rod Laver seinen Pokal (Bild: KEYSTONE/EPA/JULIAN SMITH)
Einer der elegantesten Spieler der Tennisgeschichte: Rod Laver bei einem Rückhand-Volley (Bild: KEYSTONE/AP/RUSTY KENNEDY)
Der erste Schritt zum Grand Slam: Im Final des Australian Open 1969 besiegt Rod Laver den Spanier Andres Gimeno 6:3, 6:4, 7:5 (Bild: KEYSTONE/AP/RAY HOWARD)
Eine von Roger Federers bittersten Momenten: Nach dem verlorenen Fünfsatz-Final übergibt Rod Laver den Pokal des Australian Open an Rafael Nadal - und muss den Schweizer nachher trösten (Bild: KEYSTONE/EPA/MAST IRHAM)
2014 spielten Roger Federer und Rod Laver bei einer Benefiz-Gala zusammen in der Rod Laver Arena in Melbourne (Bild: KEYSTONE/AP/MAL FAIRCLOUGH)
Im Final von Wimbledon setzte sich Laver gegen einen anderen Australier, John Newcombe, 6:4, 5:7, 6:4, 6:4 durch (Bild: KEYSTONE/AP)
Die einzigen zwei Männer, die alle vier Grand-Slam-Turniere im selben Kalenderjahr gewonnen haben: der im Jahr 2000 verstorbene Amerikaner Don Budge (re.) schaffte dies 1938, Rod Laver 1962 und 1969 (Bild: KEYSTONE/AP/RAY HOWARD)
Beim US Open macht Laver den Grand Slam perfekt: Mit zwei Tagen Verspätung wegen Dauerregens gewinnt er gegen seinen australischen Landsmann Tony Roche 7:9, 6:1, 6:2, 6:2 (Bild: KEYSTONE/EPA DPA/STR)

Im Final des French Open besiegt Laver im Stade Roland-Garros seinen australischen Landsmann Ken Rosewall (re.) 6:3, 6:1, 2:6, 6:2 (Bild: KEYSTONE/AP/MARQUETON)

(sda)

An Rod Laver gibt es in diesem Jahr kein Vorbeikommen. An jedem der Grand-Slam-Turniere war der mittlerweile 81-jährige Rotschopf aus dem Küstenstädtchen Rockhampton im australischen Bundesstaat Queensland omnipräsent. Dem Schweizer Sportpublikum, das seine Erfolge in den 1960er-Jahren nicht miterlebt hatte, wurde Laver erstmals bekannt, als er Roger Federer 2006 den Pokal für den Sieg am Australian Open überreichte - und 2009, als Federer nach dem verlorenen Final in Tränen ausbrach und von Rafael Nadal und Laver getröstet werden musste. Seit der ersten Begegnung ist zwischen Laver und Federer eine enge Freundschaft entstanden.

Der Australier hat etwas geschafft, das Federer nicht gelungen ist - und aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht mehr wird. 1962 und 1969 gewann er das Australian Open, das French Open, Wimbledon und das US Open als zweiter Mann nach Don Budge 1938 im gleichen Jahr. Er ist damit auch der einzige, der dies als Profi geschafft hat. Laver stuft deshalb auch den Grand Slam von 1969 wesentlich höher ein, weil da alle - Profis und Amateure - als Gegner dabei waren. «Wer weiss, ob ich 1962 Leute wie Lew Hoad oder Pancho Gonzalez geschlagen hätte», sagte Laver kürzlich in New York. Als Profis waren diese bei den Grand-Slam-Turnieren nicht startberechtigt.

1963 wechselte dann auch Laver zu den Profis und verpasste so fünf Jahre. Er brauchte das Geld und wollte sich mit den Besten messen. Der Australier trauert der Chance, mehr als die elf Grand-Slam-Titel zu haben, die er am Ende gewann, nicht nach. «Profi zu werden war der beste Entscheid, den ich je traf», sagte er der «New York Times». «In dem ich gegen diese Profis spielte, die die Besten waren, lernte ich, was es braucht, um die Besten zu schlagen.»

Mehr als nur Glück

Ab Wimbledon 1968 durften die Profis dann auch wieder bei den Grand-Slam-Events starten - und ein Jahr später startete Laver im Alter von 31 Jahren nochmals so richtig durch. «Ich hatte auch Glück», meinte er am Donnerstagabend in Genf bescheiden. Glück, Durchhaltevermögen und Cleverness. Vor allem der letzte Schritt am US Open verlief dramatisch. Lavers Frau war hochschwanger, der erwartete Geburtstermin war am 9. September, dem Finaltag des US Open. «Der Gedanke an Mary machte meine Sorgen um den Grand Slam leichter», blickt Laver zurück. Er hatte auch gelernt, nicht zu viele Zeitungen zu lesen.

Dennoch hing der Titel an einem seidenen Faden. Bereits im Achtelfinal gegen den Amerikaner Dennis Ralston lag Laver mit 1:2 Sätzen im Hintertreffen. Während der zehnminütigen Pause nach dem dritten Satz waren es seine australischen Rivalen und Freunde, die ihm gut zuredeten. «Roy Emerson und Fred Stolle sagten mir, ich solle den Ball höher aufwerfen, damit ich mehr erste Aufschläge ins Feld bringe. Es waren wirklich gute Tipps.» Laver gewann dieses Spiel noch - und im Viertelfinal ausgerechnet gegen Emerson.

Die Rasenplätze im West Side Tennis Club, auf denen damals das US Open gespielt wurde, waren im Vergleich zu Wimbledon sowieso schon uneben und miserabel. Nach tagelangen Regenfällen wurde es natürlich nicht besser. Der Final fand letztlich am Dienstag auf einem noch immer feuchten Rasen statt. Laver geriet im ersten Satz gegen Ken Rosewall in Rückstand, als er den Schiedsrichter fragte, ob er Spikes an seinen Schuhen montieren dürfe, um weniger zu rutschen. Da es ja das letzte Spiel war und der Rasen nicht mehr geschont werden musste, durfte er. Es war der entscheidende Kniff. Am Ende gewann Laver 7:9, 6:1, 6:2, 6:2.

Es war nicht das erste Mal, dass auf Rasenplätzen mit Spikes an den Schuhen gespielt wurde, doch Rosewall bekam davon Krämpfe, Laver nicht. «Es war ein anderes Bewegen. Du rutscht nicht in den Ball, sondern stoppst und schlägst», erklärte er. Der Lohn für den US-Open-Sieg: 16'000 Dollar. Zum Vergleich: Vor zwei Wochen kassierte Rafael Nadal 3,85 Mio. Dollar. Weil er aber nur einen Check, aber kein Kleingeld in der Tasche hatte, musste er sogar einen Journalisten «anpumpen», um seine Frau anrufen zu können. Sohn Ricky kam dann drei Wochen zu spät auf die Welt. Aber perfekt für den stolzen Vater, der zwar bis 1977 weiterspielte, sein Leben jedoch stärker auf die Familie ausrichtete.

Auch Federer beeindruckt

Der nur 1,73 m grosse Australier beeindruckte nicht nur seine direkten Gegner mit seinem eleganten Serve-and-Volley-Spiel und seinem stets fairen und einwandfreien Auftreten, sondern auch die Generationen nach ihm. «Was er erreicht hat, ist unglaublich», weiss Federer. «Aber es ist auch, wie er auftritt, seine Bescheidenheit, dass er sich nie zu ernst nimmt.»

Als er gemeinsam mit seinem Manager Tony Godsick den neuen Team-Wettbewerb zwischen Europa und dem Rest der Welt ausheckte, war es Federer ein wichtiges Anliegen, etwas für das Erbe und die Erinnerung an Rod Laver zu tun. Deshalb heisst er nun Laver Cup und wird in Genf zum dritten Mal äusserst erfolgreich ausgespielt.